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Übung AFB III

Warum siedet das eine Isomer früher als das andere? Zehn Aufgaben, in denen du begründen und beurteilen musst.

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Aufgabenblock — AFB III

Begründen statt nur zählen: Namen überprüfen, Experimente planen, Aussagen beurteilen und Siedetemperaturen auf Teilchenebene erklären. Formuliere deine Antwort erst selbst, bevor du die Musterlösung aufklappst.

A1
Das kleinste Alkan mit quartärem C
AFB III

Entwickle das Alkan mit der kleinsten Anzahl an C-Atomen, das ein quartäres C-Atom enthält, und begründe, warum es kein kleineres geben kann.

Hinweis: Ein quartäres C-Atom braucht vier C-Nachbarn.

Strategie: Vom quartären C-Atom ausgehen und nur die Mindestzahl an Nachbarn anhängen.Warum so? So findest du die untere Grenze, statt Moleküle zu raten.
Lösungsskizze: Quartäres C + 4 Nachbar-C = 5 C-Atome → C(CH₃)₄ → Name über die längste Kette (3 C) → Propan mit zwei Methylgruppen an C2.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Ein quartäres C-Atom ist an vier andere C-Atome gebunden. Das kleinste solche Molekül besteht also aus dem zentralen C-Atom und vier Methylgruppen: C(CH₃)₄ mit der Summenformel C₅H₁₂. Die längste Kette umfasst drei C-Atome, der Name lautet 2,2-Dimethylpropan. Mit vier oder weniger C-Atomen kann kein C-Atom vier C-Nachbarn haben — ein kleineres Alkan mit quartärem C-Atom ist deshalb unmöglich. 2,2-Dimethylpropan ist zugleich eines der drei Strukturisomere von Pentan.

A2
Unbekannter weißer Feststoff
AFB III

Plane ein Experiment, mit dem du prüfst, ob ein unbekannter weißer Feststoff (Kochsalz, Traubenzucker oder Paraffin) eine organische Verbindung ist und ob es sich um eine Ionen- oder eine Molekülverbindung handelt.

Hinweis: Denke an die Nachweise für C und H und an typische Eigenschaften von Ionen- und Molekülverbindungen.

Strategie: Zwei Fragen getrennt beantworten: Enthält der Stoff C (und H)? Besteht er aus Ionen oder aus Molekülen?Warum so? Jede Frage braucht einen eigenen, eindeutigen Versuch.
Lösungsskizze: Verbrennen, Gase durch Kalkwasser leiten (Trübung → CO₂ → C) und über Watesmo-Papier (blau → H₂O → H) · Schmelztemperatur (niedrig/hoch) · Leitfähigkeit der Lösung oder Schmelze.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Organisch? Eine kleine Probe wird im Reagenzglas erhitzt bzw. verbrannt, die entstehenden Gase werden durch Kalkwasser geleitet. Eine Trübung zeigt Kohlenstoffdioxid und damit Kohlenstoff im Stoff an. Ein Beschlag, der Watesmo-Papier blau färbt, zeigt Wasser und damit Wasserstoff an. Kochsalz zeigt keine der beiden Reaktionen. Ionen oder Moleküle? Ionenverbindungen haben hohe Schmelztemperaturen und leiten als Schmelze bzw. gelöst in Wasser den Strom. Ein Stoff, der schon im Wasserbad schmilzt (Paraffin) oder dessen Lösung nicht leitet (Traubenzucker), ist eine Molekülverbindung. Sicherheit: Schutzbrille, kleine Portionen, Abzug.

A3
Summenformel auf der Gaskartusche
AFB III

Beurteile die Angabe „Inhalt: C₄H₁₀“ auf einer Gaskartusche für einen Campingkocher, der auch bei −5 °C funktionieren soll. Butan siedet bei −0,5 °C, 2-Methylpropan bei −11,7 °C.

Hinweis: Zu einer Summenformel können mehrere Stoffe gehören.

Strategie: Prüfe, welche Stoffe die Formel C₄H₁₀ haben und ob sie sich im entscheidenden Punkt unterscheiden.Warum so? Ein Urteil braucht ein Kriterium — hier: Ist der Stoff bei −5 °C noch gasförmig?
Lösungsskizze: C₄H₁₀ → Butan oder 2-Methylpropan (Strukturisomere) → Butan bei −5 °C flüssig, kein Gasdruck · 2-Methylpropan gasförmig → Angabe unzureichend.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Die Summenformel C₄H₁₀ passt zu zwei Strukturisomeren: Butan und 2-Methylpropan. Butan siedet bei −0,5 °C und ist bei −5 °C flüssig — der Kocher bekäme kaum Gas. 2-Methylpropan siedet bei −11,7 °C und verdampft auch bei −5 °C. Der Grund ist die kugeligere Molekülgestalt mit kleinerer Kontaktfläche und damit schwächeren Van-der-Waals-Kräften. Die Angabe „C₄H₁₀“ ist für diesen Zweck also unzureichend: Der Hersteller müsste den Stoff mit Namen bzw. das Mischungsverhältnis angeben.

A4
Drei Isomere, drei Siedetemperaturen
AFB III

Ordne den Stoffen Hexan, 2-Methylpentan und 2,2-Dimethylbutan die Siedetemperaturen 50 °C, 60 °C und 69 °C zu und begründe die Zuordnung auf Teilchenebene.

Hinweis: Alle drei haben dieselbe Summenformel C₆H₁₄ und damit dieselbe Masse.

Strategie: Wenn die Masse gleich ist, muss der Unterschied an der Molekülgestalt liegen.Warum so? So schließt du den häufigsten Fehlschluss („schwerer siedet höher“) aus.
Lösungsskizze: Unverzweigt → langgestreckt → große Kontaktfläche → stärkste Van-der-Waals-Kräfte → höchste Siedetemperatur; je stärker verzweigt, desto kompakter.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Hexan: 69 °C, 2-Methylpentan: 60 °C, 2,2-Dimethylbutan: 50 °C. Alle drei Stoffe sind Isomere mit gleicher Elektronenzahl und gleicher Masse. Zwischen den unpolaren Molekülen wirken nur Van-der-Waals-Kräfte, die auf kurzzeitigen und induzierten Dipolen beruhen. Ihre Stärke hängt von der Kontaktfläche ab: Die langgestreckten Hexan-Moleküle können sich großflächig aneinanderlegen, das stark verzweigte, fast kugelförmige 2,2-Dimethylbutan-Molekül berührt seine Nachbarn nur an wenigen Stellen. Je kleiner die Kontaktfläche, desto weniger Energie ist zum Trennen der Moleküle nötig — desto niedriger die Siedetemperatur.

Hexan2-Methylpentan2,2-Dimethylbutan
Drei Isomere mit der Formel C₆H₁₄
A5
Falsche Namen entlarven
AFB III

Überprüfe die Namen „2-Ethylbutan“ und „1-Methylbutan“ für die abgebildeten Moleküle, gib die korrekten Namen an und formuliere die Regel, gegen die jeweils verstoßen wurde.

Hinweis: Die gezeichnete waagerechte Kette muss nicht die Hauptkette sein.

Strategie: Zuerst in jedem Molekül die längste Kette suchen — auch um Ecken herum.Warum so? Die Hauptkette bestimmt den Stammnamen; alles andere folgt daraus.
Lösungsskizze: „2-Ethylbutan“: Kette durch die Ethylgruppe hat 5 C → Pentan mit Methyl an C3. „1-Methylbutan“: Methyl am Kettenende verlängert die Kette → Pentan.
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Musterlösung: Beim „2-Ethylbutan“ lässt sich eine Kette aus fünf C-Atomen finden, wenn man durch die Ethylgruppe zählt. An deren mittlerem C-Atom (C3) sitzt eine Methylgruppe: richtig ist 3-Methylpentan. Beim „1-Methylbutan“ verlängert die Methylgruppe am Kettenende einfach die Kette: Es handelt sich um das unverzweigte Pentan. Verletzte Regel in beiden Fällen: Die Hauptkette ist immer die längste durchgehende Kette. Folgerung: Eine Ethylgruppe an C2 oder eine Methylgruppe an C1 kann in einem korrekten Namen nie vorkommen.

„2-Ethylbutan“„1-Methylbutan“
Zwei Moleküle mit fehlerhaften Namen
A6
„Schwerer siedet höher“?
AFB III

Beurteile die Aussage einer Mitschülerin: „Ethanol (M = 46 g/mol) siedet bei 78 °C und Propan (M = 44 g/mol) bei −42 °C, weil Ethanol-Moleküle schwerer sind.“

Hinweis: Vergleiche mit Dimethylether: M = 46 g/mol, Siedetemperatur −24 °C.

Strategie: Prüfe die Aussage an einem Gegenbeispiel mit gleicher Masse.Warum so? Ein einziges Gegenbeispiel genügt, um eine Begründung zu widerlegen.
Lösungsskizze: Massenunterschied nur 2 g/mol ↔ Temperaturunterschied 120 K · Dimethylether gleich schwer wie Ethanol, siedet aber bei −24 °C · Ursache: Art der zwischenmolekularen Kräfte.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Die Aussage ist nicht haltbar. Ein Massenunterschied von 2 g/mol kann keinen Siedetemperaturunterschied von 120 K erklären. Dimethylether ist genauso schwer wie Ethanol, siedet aber bei −24 °C. Entscheidend ist die Art der zwischenmolekularen Kräfte: Zwischen Propan-Molekülen wirken nur Van-der-Waals-Kräfte, Dimethylether-Moleküle sind zusätzlich Dipole, und Ethanol-Moleküle bilden über die O–H-Gruppe Wasserstoffbrücken — die stärksten der drei Wechselwirkungen. Die Molekülmasse spielt nur beim Vergleich ähnlich gebauter Moleküle (etwa innerhalb der homologen Reihe) eine Rolle.

A7
Fettfleck auf der Jacke
AFB III

Nimm Stellung zu dem Rat „Fettflecken immer mit viel kaltem Wasser auswaschen“ und schlage ein besser geeignetes Lösemittel vor.

Hinweis: Fette bestehen überwiegend aus langen, unpolaren Kohlenwasserstoffketten.

Strategie: Polarität des Flecks und des Lösemittels vergleichen, dann die Faustregel anwenden.Warum so? „Ähnliches löst sich in Ähnlichem“ ist das Kriterium für jede Löslichkeitsfrage.
Lösungsskizze: Fett lipophil/unpolar ↔ Wasser hydrophil/polar → keine Mischung · Waschbenzin (Alkane) lipophil → löst Fett · Nachteil: brennbar, Dämpfe, Lüften.
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Musterlösung: Der Rat ist ungeeignet. Fettmoleküle sind überwiegend unpolar (lipophil), Wasser-Moleküle sind stark polar (hydrophil) und untereinander über Wasserstoffbrücken verbunden. Zwischen Fett und Wasser können keine Wechselwirkungen entstehen, die diese Brücken ersetzen — das Fett bleibt auf dem Stoff. Besser geeignet ist ein unpolares Lösemittel wie Waschbenzin (ein Alkangemisch): Zwischen seinen Molekülen und den Fettmolekülen wirken Van-der-Waals-Kräfte, das Fett löst sich. Einschränkung: Waschbenzin ist leicht entzündlich und seine Dämpfe sind gesundheitsschädlich — nur in kleinen Mengen, bei guter Lüftung und fern von Zündquellen verwenden.

A8
Drei Stoffe aus dem Chemikalienschrank
AFB III

Ordne die Stoffe X, Y und Z begründet den Stoffgruppen „Ionenverbindung“, „unpolare Molekülverbindung“ und „polare Molekülverbindung“ zu.

StoffSchmelz­temperaturLeitfähigkeit der Schmelzelöslich in Wasserlöslich in Heptan
X770 °Cjajanein
Y54 °Cneinneinja
Z146 °Cneinjanein

Hinweis: Nutze alle Spalten der Tabelle — jede Eigenschaft ist ein Indiz.

Strategie: Erst mit der Leitfähigkeit die Ionenverbindung finden, dann mit der Löslichkeit polare und unpolare Stoffe trennen.Warum so? Die Leitfähigkeit der Schmelze ist das eindeutigste Merkmal für Ionen.
Lösungsskizze: X: hohe Schmelztemperatur + Leitfähigkeit → Ionen. Y: niedrig, nur in Heptan löslich → unpolar. Z: leitet nicht, aber wasserlöslich → polare Moleküle.
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Musterlösung: X ist eine Ionenverbindung (z. B. Kaliumchlorid): Die Schmelze leitet, weil bewegliche Ionen vorliegen, und die hohe Schmelztemperatur zeigt starke Anziehungskräfte im Ionengitter. Y ist eine unpolare Molekülverbindung (z. B. ein Paraffin): niedrige Schmelztemperatur, keine Leitfähigkeit, löslich nur im unpolaren Heptan. Z ist eine polare Molekülverbindung (z. B. Traubenzucker): keine Ionen, da die Schmelze nicht leitet; die Wasserlöslichkeit zeigt, dass polare Gruppen Wechselwirkungen mit Wasser-Molekülen eingehen.

A9
Hexan oder Hex-1-en?
AFB III

Entwickle ein Vorgehen, mit dem du zwei unbeschriftete Flaschen mit Hexan und Hex-1-en unterscheidest, und begründe, warum Aussehen, Geruch und Siedetemperatur (69 °C bzw. 63 °C) dafür nicht ausreichen.

Hinweis: Beide Stoffe sind farblose, unpolare Flüssigkeiten mit ähnlicher Molekülgröße.

Strategie: Suche die Eigenschaft, in der sich ein Alken grundsätzlich von einem Alkan unterscheidet.Warum so? Ein Nachweis sollte auf einem strukturellen Unterschied beruhen, nicht auf kleinen Zahlendifferenzen.
Lösungsskizze: Unterschied: C=C-Doppelbindung · Bromwasser zugeben und schütteln → Entfärbung nur beim Alken · Siedetemperaturen zu ähnlich, Geruch ist kein Nachweis.
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Musterlösung: Hexan (C₆H₁₄) und Hex-1-en (C₆H₁₂) sind beide farblos und unpolar. Ihre Siedetemperaturen liegen nur 6 K auseinander, weil zwischen den ähnlich großen Molekülen in beiden Fällen nur Van-der-Waals-Kräfte wirken — eine sichere Unterscheidung ist so nicht möglich; Geruchsproben sind im Labor ohnehin verboten. Vorgehen: Aus jeder Flasche eine kleine Probe in ein Reagenzglas geben, einige Tropfen Bromwasser zufügen und schütteln (Abzug, Schutzbrille, Handschuhe). Die Probe, in der die braune Farbe verschwindet, enthält das Alken Hex-1-en, denn nur Moleküle mit C=C-Doppelbindung entfärben Bromwasser. Bei Hexan bleibt die Färbung erhalten.

A10
Polare Bindungen, aber kein Dipol
AFB III

Erkläre mithilfe der Abbildung, warum Kohlenstoffdioxid trotz polarer C=O-Bindungen kein Dipolmolekül ist, Wasser aber schon, und folgere daraus, welcher der beiden Stoffe die höhere Siedetemperatur haben sollte.

Hinweis: Teilladungen können sich gegenseitig aufheben — entscheidend sind ihre Schwerpunkte.

Strategie: Bestimme für jedes Molekül den Schwerpunkt der positiven und den der negativen Teilladungen.Warum so? Ein Dipol entsteht nur, wenn die beiden Schwerpunkte nicht zusammenfallen.
Lösungsskizze: CO₂ linear, symmetrisch → Schwerpunkte fallen im C-Atom zusammen → kein Dipol · H₂O gewinkelt → Schwerpunkte getrennt → Dipol, zudem H-Brücken → höhere Siedetemperatur.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: In beiden Molekülen sind die Bindungen polar (ΔEN(C–O) = 1,0; ΔEN(O–H) = 1,3). Das CO₂-Molekül ist aber linear gebaut: Der Schwerpunkt der negativen Teilladungen liegt genau zwischen den beiden O-Atomen und damit im C-Atom, wo auch die positive Teilladung sitzt — die Wirkungen heben sich auf, CO₂ ist kein Dipol. Das Wasser-Molekül ist gewinkelt: Die negative Teilladung liegt am O-Atom, der Schwerpunkt der positiven Teilladungen zwischen den H-Atomen. Die Schwerpunkte fallen nicht zusammen, Wasser ist ein Dipol und bildet außerdem Wasserstoffbrücken. Folgerung: Wasser muss deutlich höher sieden — tatsächlich siedet es bei 100 °C, während CO₂ schon bei −78 °C sublimiert.

OCOδ−δ+δ−linearOHHδ−δ+δ+gewinkelt
Molekülgestalt entscheidet über den Dipol