Hier sind die 12 häufigsten Fehler, die in Klausuren zu den Kohlenwasserstoffen immer wieder vorkommen — vom fünfbindigen C-Atom über falsche Namen bis zur Siedetemperatur. Lies sie durch — wer einen Fehler kennt, macht ihn seltener.
Die 12 häufigsten Fehler
1Das C-Atom bekommt fünf Bindungen
So wird es oft gemacht: An ein C-Atom der Kette werden beim Ergänzen noch drei H-Atome „angehängt“, obwohl es schon zwei C-Nachbarn hat — fünf Bindungsstriche.
Richtig ist: Kohlenstoff hat vier Valenzelektronen und bildet genau vier Elektronenpaarbindungen. Ein C-Atom mit zwei C-Nachbarn trägt noch zwei H-Atome (CH₂), eines mit drei C-Nachbarn nur noch ein H-Atom (CH).
Nach dem Zeichnen jedes C-Atom abzählen: immer genau vier Striche.
2Jede Kohlenstoffverbindung wird als organisch eingestuft
So wird es oft gemacht: „CO₂ enthält Kohlenstoff, also ist es ein organischer Stoff.“
Richtig ist: Organische Chemie ist die Chemie der Kohlenstoffverbindungen mit Ausnahme der Kohlenstoffoxide (CO, CO₂), der Kohlensäure und der Carbonate. Sie werden zur anorganischen Chemie gezählt.
C im Molekül ist notwendig, aber nicht hinreichend: Oxide und Carbonate sind die Ausnahmen.
3Kochsalz wird als Molekül beschrieben
So wird es oft gemacht: „Ein NaCl-Molekül besteht aus einem Natrium- und einem Chloratom, die über eine Elektronenpaarbindung verbunden sind.“
Richtig ist: Natriumchlorid ist eine Ionenverbindung (ΔEN > 1,7): Na⁺- und Cl⁻-Ionen bilden ein Ionengitter. Die Formel NaCl gibt nur das Zahlenverhältnis 1 : 1 an. Deshalb die hohe Schmelztemperatur und die Leitfähigkeit der Schmelze.
Moleküle gibt es nur bei Elektronenpaarbindungen. Salze bestehen aus Ionen.
4Die waagerecht gezeichnete Kette wird als Hauptkette genommen
So wird es oft gemacht: CH₃–CH(C₂H₅)–CH₂–CH₃ heißt „2-Ethylbutan“, weil die Kette in der Zeichnung vier C-Atome lang ist.
Richtig ist: Die Hauptkette ist die längste durchgehende Kette — auch wenn sie um eine Ecke läuft. Durch die Ethylgruppe hindurch findet man fünf C-Atome: 3-Methylpentan.
Eine Ethylgruppe an C2 gibt es in keinem richtigen Namen — dann ist die Kette zu kurz gewählt.
5Die Kette wird von der falschen Seite nummeriert
So wird es oft gemacht: Es wird immer von links nummeriert, egal wo die Seitenkette sitzt: „4-Methylhexan“.
Richtig ist: Nummeriert wird von dem Ende aus, das der ersten Verzweigung am nächsten liegt, sodass die Lokanten möglichst klein werden: 3-Methylhexan.
Beide Richtungen ausprobieren — die kleinere Zahl gewinnt.
6Seitenketten werden nach Zahl oder Lokant statt alphabetisch sortiert
So wird es oft gemacht: „2-Methyl-4-ethylheptan“ (weil 2 vor 4 kommt) oder „2,2-Dimethyl-3-ethylpentan“ (weil d vor e kommt).
Richtig ist: Seitenketten werden alphabetisch nach ihrem Namen geordnet, Vervielfachungssilben wie di- oder tri- zählen dabei nicht: 4-Ethyl-2-methylheptan, 3-Ethyl-2,2-dimethylpentan.
Erst Ethyl, dann Methyl — di, tri und die Lokanten spielen für die Reihenfolge keine Rolle.
7Eine anders gezeichnete Formel wird als neues Isomer gezählt
So wird es oft gemacht: „2-Methylbutan und 3-Methylbutan sind zwei verschiedene Isomere von C₅H₁₂ — also gibt es vier Isomere.“
Richtig ist: Methyl an C3 von Butan ist dasselbe Molekül wie Methyl an C2, nur von der anderen Seite gezählt. C₅H₁₂ hat genau drei Isomere: Pentan, 2-Methylbutan, 2,2-Dimethylpropan.
Vor dem Zählen jedes Isomer korrekt benennen — gleicher Name heißt gleicher Stoff.
8Für ein Alken wird die Alkanformel benutzt und der Lokant vergessen
So wird es oft gemacht: „Buten hat die Formel C₄H₁₀.“ — Und als Name genügt „Buten“.
Richtig ist: Jede C=C-Doppelbindung ersetzt zwei C–H-Bindungen: Alkene haben die Formel CₙH₂ₙ, also C₄H₈. Ab vier C-Atomen gibt der Lokant die Lage der Doppelbindung an: But-1-en oder But-2-en — zwei verschiedene Stoffe.
-an: CₙH₂ₙ₊₂. -en: CₙH₂ₙ und die Lage der Doppelbindung gehört in den Namen.
9C-Atome werden nach ihrer Nummer statt nach C-Nachbarn eingeteilt
So wird es oft gemacht: „Die Methylgruppe sitzt an C2, also ist sie sekundär.“ Oder: „Primär heißt drei H-Atome.“
Richtig ist: Entscheidend ist allein die Zahl der direkt gebundenen C-Atome: 1 → primär, 2 → sekundär, 3 → tertiär, 4 → quartär. Die Methylgruppe hat einen C-Nachbarn und ist primär; C2 selbst hat drei C-Nachbarn und ist tertiär.
Nachbarn zählen, nicht Nummern oder H-Atome.
10Beim Sieden sollen Bindungen im Molekül aufbrechen
So wird es oft gemacht: „Beim Sieden von Butan werden die C–C- und C–H-Bindungen gespalten.“
Richtig ist: Beim Sieden bleiben die Moleküle vollständig erhalten. Überwunden werden nur die viel schwächeren Kräfte zwischen den Molekülen — bei Alkanen die Van-der-Waals-Kräfte. Butan-Dampf besteht aus denselben C₄H₁₀-Molekülen wie flüssiges Butan.
Siedetemperaturen erklärt man mit zwischenmolekularen Kräften, nie mit Atombindungen.
11Polare Bindungen machen das Molekül automatisch zum Dipol
So wird es oft gemacht: „CO₂ hat polare C=O-Bindungen, also ist CO₂ ein Dipolmolekül.“
Richtig ist: Ob ein Molekül ein Dipol ist, hängt auch von seiner Gestalt ab. CO₂ ist linear gebaut, die Schwerpunkte der positiven und negativen Teilladungen fallen im C-Atom zusammen: kein Dipol. Das gewinkelte Wasser-Molekül dagegen ist ein Dipol.
Erst ΔEN prüfen, dann die Molekülgestalt: Nur wenn die Ladungsschwerpunkte getrennt sind, liegt ein Dipol vor.
12Die Unlöslichkeit von Öl in Wasser wird mit der Dichte erklärt
So wird es oft gemacht: „Öl löst sich nicht in Wasser, weil es leichter ist und oben schwimmt.“
Richtig ist: Die Dichte entscheidet nur, welche Phase oben liegt. Ob sich zwei Stoffe mischen, hängt von der Polarität ab: Öl ist lipophil (unpolar), Wasser hydrophil (polar). Ethanol ist ebenfalls leichter als Wasser, mischt sich aber, weil es polare O–H-Gruppen besitzt.
Mischbarkeit: „Ähnliches löst sich in Ähnlichem.“ Dichte: oben oder unten.
