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Fraktionierte Destillation

Zwei Sachaufgaben: vom Laborversuch bis zur Raffinerie.

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Rohöl im Labor destillieren

AFB I–II

In einem Schülerversuch werden 50 mL Rohöl in einer Destillationsapparatur langsam erhitzt. Die Destillate werden nach Temperaturbereichen in Reagenzgläsern aufgefangen:

ProbeBereichVolumenBeobachtung
1bis 100 °C6 mLfarblos, dünnflüssig, entzündet sich sofort
2100–200 °C9 mLhellgelb, dünnflüssig
3200–300 °C12 mLgelb, ölig, schwer entzündlich
Restüber 300 °C23 mLschwarz, zäh
  1. Ordne die Proben 1 bis 3 und den Rest den Fraktionen der Raffinerie zu.
  2. Ermittle den Volumenanteil jeder Probe am eingesetzten Rohöl.
  3. Erkläre die beobachtete Zunahme der Zähigkeit von Probe 1 bis zum Rest.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Vergleiche mit den Siedebereichen Gas, Benzin, Kerosin, Diesel/Heizöl, Rückstand.
Hinweis zu Aufgabe b)
Anteil = Teilvolumen : 50 mL.
Hinweis zu Aufgabe c)
Denke an Kettenlänge und zwischenmolekulare Kräfte.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Probe 1 und Probe 2 (bis 180 °C) entsprechen Benzin; der obere Teil von Probe 2 enthält bereits Kerosin. Probe 3 umfasst Kerosin und den Anfang der Diesel-/Heizölfraktion. Der Rest entspricht dem Rückstand (mit Teilen der Dieselfraktion bis 350 °C). Gase entweichen schon beim Erhitzen.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Probe 1: 6 : 50 = 12 %; Probe 2: 18 %; Probe 3: 24 %; Rest: 46 %. Summe 100 %.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Von Probe zu Probe steigt die Siedetemperatur, also die mittlere Kettenlänge der Alkane. Längere Moleküle haben eine größere Oberfläche; zwischen ihnen wirken stärkere Van-der-Waals-Kräfte, und sie können sich stärker ineinander verhaken. Dadurch gleiten sie schlechter aneinander vorbei — die Viskosität (Zähigkeit) nimmt zu.

2

Temperaturprofil einer Kolonne

AFB II–III

Abb. 1 zeigt die an einem Versuchsturm gemessenen Temperaturen. An jedem Boden wird seitlich eine Fraktion abgezogen.

Abb. 1: Temperaturen in einem Destillationsturm
Rohöldampf Boden 1Boden 2Boden 3Kopf 330 °C260 °C170 °C110 °C
Gemessene Temperaturen an den Böden eines Versuchsturms (vereinfacht).
  1. Deute das Temperaturprofil im Hinblick auf die Trennung des Rohöls.
  2. Überprüfe die Aussage eines Mitschülers: „An Boden 2 sammelt sich reines Dodecan (Sdp. 216 °C).“
  3. Beurteile den Vorschlag, den Rückstand im Röhrenofen auf 550 °C zu erhitzen, um ihn ebenfalls zu verdampfen.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Was passiert mit einem Molekül, das nach oben in immer kühlere Bereiche gelangt?
Hinweis zu Aufgabe b)
Welche Stoffe kondensieren zwischen 170 °C und 260 °C?
Hinweis zu Aufgabe c)
Was passiert mit sehr großen Molekülen bei hohen Temperaturen? Gibt es eine Alternative?

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Die Temperatur nimmt von unten (330 °C) nach oben (110 °C) ab. Ein aufsteigender Dampf kondensiert auf dem Boden, dessen Temperatur unter seiner Siedetemperatur liegt. Hochsiedende Stoffe (lange Ketten) werden deshalb unten, niedrig siedende (kurze Ketten) weiter oben abgezogen; was unter 110 °C siedet, verlässt den Turm am Kopf.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Dodecan kondensiert tatsächlich im Bereich von Boden 2, weil seine Siedetemperatur zwischen 170 °C und 260 °C liegt. Das gilt aber auch für alle anderen Stoffe mit Siedetemperaturen in diesem Bereich (z. B. Undecan, Tridecan, verzweigte Isomere). An Boden 2 sammelt sich daher ein Gemisch, eine Fraktion — die Aussage ist falsch.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Der Vorschlag ist ungeeignet: Über etwa 400 °C zerbrechen die langen Moleküle, es entstehen unkontrolliert andere Stoffe und Ablagerungen; die wertvollen Schmieröle gingen verloren, und das Erhitzen kostet viel Energie. Besser ist die Vakuumdestillation: Bei vermindertem Druck sinken die Siedetemperaturen, der Rückstand lässt sich ohne Zersetzung in Schmieröl, Paraffin und Bitumen trennen.