Aufgabenblock — AFB III
Begründen statt nur rechnen: Strukturformeln deuten, Versuche planen, Aussagen prüfen und beurteilen. Formuliere deine Antwort zuerst selbst in ganzen Sätzen, bevor du die Musterlösung aufklappst.
Beurteile die Aussage eines Mitschülers: „Längere Alkanole lösen sich besser in Wasser, weil größere Moleküle mehr Wasserstoffbrücken bilden können.“
Hinweis: Zähle, wie viele Hydroxygruppen ein einwertiges Alkanol hat — unabhängig von der Kettenlänge.
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Musterlösung: Die Aussage ist falsch. Jedes einwertige Alkanol besitzt genau eine Hydroxygruppe; die Zahl der möglichen Wasserstoffbrücken zu Wassermolekülen wächst mit der Kettenlänge also nicht. Mit jeder \(\ce{CH2}\)-Gruppe wird dagegen der unpolare Alkylrest größer. Er kann keine Wasserstoffbrücken bilden und stört das Netz der Wassermoleküle. Deshalb sind Methanol bis Propan-1-ol unbegrenzt mit Wasser mischbar, Butan-1-ol nur noch begrenzt (etwa 7 g in 100 g Wasser) und Hexan-1-ol kaum. Richtig wäre die Aussage nur für die Zahl der OH-Gruppen: Mehrwertige Alkanole wie Glycerin sind gut wasserlöslich.
Erkläre, warum Ethanol bei 78 °C siedet, Dimethylether dagegen schon bei −24 °C, obwohl beide die Summenformel \(\ce{C2H6O}\) und die molare Masse 46 g/mol haben.
Hinweis: Suche in beiden Strukturformeln ein H-Atom, das an ein O-Atom gebunden ist.
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Musterlösung: Ethanol und Dimethylether sind Konstitutionsisomere. Im Ethanol ist ein H-Atom an das stark elektronegative O-Atom gebunden; die O–H-Bindung ist stark polar. Zwischen den Ethanolmolekülen bilden sich deshalb Wasserstoffbrücken. Beim Dimethylether sitzt das O-Atom zwischen zwei Methylgruppen, es gibt kein H am O-Atom — die Moleküle ziehen sich nur über schwächere Dipol-Dipol- und Van-der-Waals-Kräfte an. Um die Ethanolmoleküle beim Sieden voneinander zu trennen, muss daher viel mehr Energie zugeführt werden: Die Siedetemperatur liegt über 100 K höher.
Entwickle einen Versuchsplan, mit dem du drei unbeschriftete Flaschen mit Propan-1-ol, Propan-2-ol und 2-Methylpropan-2-ol eindeutig zuordnen kannst. Nenne die erwarteten Beobachtungen.
Hinweis: Nutze zwei Reaktionen nacheinander: eine, die nur primäre und sekundäre Alkanole oxidiert, und eine, die nur Alkanale erkennt.
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Musterlösung: 1. In jede Probe wird ein in der Brennerflamme oxidiertes, schwarzes Kupferblech getaucht. Bei 2-Methylpropan-2-ol bleibt das Blech schwarz: Tertiäre Alkanole werden von Kupferoxid nicht oxidiert. Bei den beiden anderen Proben wird das Blech blank, weil \(\ce{CuO}\) zu Kupfer reduziert wird. 2. Die beiden Reaktionsgemische werden mit Fehling-Lösung erwärmt. Das primäre Propan-1-ol ergab Propanal; es reduziert die tiefblaue Fehling-Lösung zu rotbraunem Kupfer(I)-oxid. Das sekundäre Propan-2-ol ergab Propanon; die Lösung bleibt blau. Damit ist jede Flasche eindeutig zugeordnet.
Begründe mithilfe der Strukturformel, warum 2-Methylpropan-2-ol von heißem Kupferoxid nicht oxidiert wird, Butan-2-ol dagegen schon.
Hinweis: Vergleiche, was bei der Oxidation zum Alkanon am C-Atom mit der OH-Gruppe passiert.
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Musterlösung: Bei der Oxidation eines Alkanols mit Kupferoxid werden das H-Atom der Hydroxygruppe und ein H-Atom am benachbarten C-Atom entfernt (sie bilden mit dem O-Atom des Kupferoxids Wasser), und es entsteht eine C=O-Doppelbindung. Im Butan-2-ol trägt das C-Atom mit der OH-Gruppe noch ein H-Atom, daher entsteht Butanon. Im 2-Methylpropan-2-ol ist dieses C-Atom an drei C-Atome gebunden und trägt kein H-Atom mehr. Eine Doppelbindung zum O-Atom wäre nur möglich, wenn eine C–C-Bindung gespalten würde — das leistet Kupferoxid nicht. Das tertiäre Alkanol reagiert deshalb nicht.
Erkläre, warum Wein in einer offen stehenden Flasche nach einigen Tagen nach Essig riecht, in einer verschlossenen Flasche aber nicht. Stelle die Reaktionsgleichung auf.
Hinweis: Frage dich, welcher Reaktionspartner für die Oxidation gebraucht wird und woher er kommt.
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Musterlösung: Im Wein enthaltenes Ethanol wird mithilfe von Essigsäurebakterien durch Luftsauerstoff über Ethanal zu Ethansäure (Essigsäure) oxidiert: \(\ce{C2H5OH}\) + \(\ce{O2}\) → \(\ce{CH3COOH}\) + \(\ce{H2O}\). Das C-Atom der funktionellen Gruppe wird dabei von −I auf +III oxidiert; Sauerstoff ist das Oxidationsmittel. In der offenen Flasche wird der verbrauchte Sauerstoff ständig aus der Luft nachgeliefert. In der verschlossenen Flasche fehlt er weitgehend, die Oxidation kommt kaum in Gang — der Wein bleibt Wein.
Erläutere, warum durch Gärung höchstens etwa 15 % Alkohol entstehen und wie man trotzdem Getränke mit 40 % Alkohol herstellen kann. Begründe das Trennprinzip.
Hinweis: Denke an die Hefe als Lebewesen — und an die fraktionierte Destillation aus Kapitel 2.
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Musterlösung: Hefen gewinnen Energie aus der Gärung, doch Ethanol ist für sie giftig. Ab etwa 15 % Alkohol sterben die Hefezellen ab, die Gärung kommt zum Stillstand. Höhere Gehalte erreicht man durch Destillation: Ethanol siedet bei 78 °C, Wasser bei 100 °C. Erhitzt man das Gemisch, ist der Dampf reicher an Ethanol als die Flüssigkeit; kondensiert man ihn, erhält man ein Destillat mit höherem Alkoholgehalt. Ursache der unterschiedlichen Siedetemperaturen: Wassermoleküle können je Molekül mehr Wasserstoffbrücken bilden als Ethanolmoleküle.
Überprüfe mithilfe von Oxidationszahlen, ob die Gleichung \(\ce{CH3OH}\) + \(\ce{CuO}\) → \(\ce{HCHO}\) + \(\ce{Cu}\) + \(\ce{H2O}\) eine Redoxreaktion beschreibt und ob die Elektronenbilanz aufgeht.
Hinweis: Bestimme für jedes Atom, dessen Bindungspartner sich ändern, die Oxidationszahl vorher und nachher.
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Musterlösung: Im Methanol hat das C-Atom die Oxidationszahl −II, im Methanal 0: Es wird oxidiert und gibt formal zwei Elektronen ab. Kupfer hat im Kupfer(II)-oxid die Oxidationszahl +II, als Metall 0: Es wird reduziert und nimmt zwei Elektronen auf. Wasserstoff (+I) und Sauerstoff (−II) ändern ihre Oxidationszahlen nicht. Es liegt also eine Redoxreaktion vor; abgegebene und aufgenommene Elektronen stimmen überein (2 = 2), die Gleichung ist auch in der Elektronenbilanz korrekt. Kupferoxid ist das Oxidationsmittel, Methanol das Reduktionsmittel.
Beurteile den Vorschlag, statt Ethanol das Ethanal als Kraftstoff einzusetzen. Nutze die Verbrennungsenergien: Ethanol 1367 kJ/mol, Ethanal 1167 kJ/mol, und die Siedetemperatur von Ethanal (20 °C).
Hinweis: Beziehe die Oxidationsreihe mit ein: Wie weit ist Ethanal schon oxidiert?
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Musterlösung: Ethanal ist ein Oxidationsprodukt des Ethanols; ein Teil der Energie wurde bei seiner Bildung schon abgegeben. Pro Mol liefert es 200 kJ weniger als Ethanol, also etwa 15 % weniger Energie. Mit einer Siedetemperatur von 20 °C verdampft Ethanal schon bei Raumtemperatur: Es wäre schwer zu tanken und zu lagern, Dämpfe entweichen leicht. Zudem ist Ethanal gesundheitsschädlich. Energetisch und praktisch ist der Vorschlag daher abzulehnen — Ethanol bleibt der sinnvollere Kraftstoff.
Nimm Stellung zu folgender Aussage: „Methanol ist nur deshalb gefährlich, weil es selbst giftig ist; was der Körper daraus macht, spielt keine Rolle.“ Beziehe die Oxidationsreihe ein.
Hinweis: Im Körper werden Alkanole enzymatisch oxidiert — genau wie mit Kupferoxid, nur langsamer.
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Musterlösung: Die Aussage greift zu kurz. Methanol wird im Körper wie Ethanol oxidiert — erst zum Methanal, dann zur Methansäure. Gerade diese Oxidationsprodukte sind besonders giftig: Methanal schädigt Zellen, Methansäure führt zur Übersäuerung und kann den Sehnerv schädigen bis zur Erblindung. Das zeigt sich auch am Gegenmittel: Man gibt Ethanol, weil dasselbe Enzym bevorzugt Ethanol oxidiert. Methanol wird dann langsamer umgesetzt und teilweise unverändert ausgeschieden. Entscheidend ist also, was der Körper aus Methanol macht.
Vergleiche Propan-1-ol und Glycerin (Propan-1,2,3-triol) hinsichtlich Siedetemperatur, Viskosität und Wasserlöslichkeit und erkläre die Unterschiede auf Teilchenebene.
Hinweis: Beide Moleküle haben drei C-Atome — der Unterschied liegt allein in der Zahl der Hydroxygruppen.
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Musterlösung: Beide Stoffe besitzen ein Gerüst aus drei C-Atomen und sind mit Wasser mischbar. Glycerin trägt jedoch an jedem C-Atom eine Hydroxygruppe (dreiwertiges Alkanol), Propan-1-ol nur eine. Glycerinmoleküle können daher untereinander deutlich mehr Wasserstoffbrücken bilden. Folgen: Die Siedetemperatur liegt bei 290 °C statt 97 °C, Glycerin ist zähflüssig, weil die Moleküle schlecht aneinander vorbeigleiten, und es ist extrem gut wasserlöslich — es zieht sogar Wasser aus der Luft an. Der lipophile Anteil ist bei Glycerin kleiner, der hydrophile größer.
