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Übung AFB III

Warum reagiert ein tertiäres Alkanol nicht? Zehn Aufgaben, in denen du begründest, planst und beurteilst.

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Aufgabenblock — AFB III

Begründen statt nur rechnen: Strukturformeln deuten, Versuche planen, Aussagen prüfen und beurteilen. Formuliere deine Antwort zuerst selbst in ganzen Sätzen, bevor du die Musterlösung aufklappst.

A1
Längere Kette — besser löslich?
AFB III

Beurteile die Aussage eines Mitschülers: „Längere Alkanole lösen sich besser in Wasser, weil größere Moleküle mehr Wasserstoffbrücken bilden können.“

Hinweis: Zähle, wie viele Hydroxygruppen ein einwertiges Alkanol hat — unabhängig von der Kettenlänge.

Strategie: Den polaren und den unpolaren Molekülteil getrennt betrachten und die Aussage an Messwerten prüfen.Warum so? Löslichkeit ist ein Wettstreit zwischen hydrophilem und lipophilem Teil.
Lösungsskizze: Eine OH-Gruppe pro Molekül → Zahl der H-Brücken bleibt gleich · Alkylrest wächst → lipophiler Anteil steigt · Messwerte: Propan-1-ol mischbar, Butan-1-ol ca. 7 g/100 g Wasser, Hexan-1-ol kaum · Aussage falsch.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Die Aussage ist falsch. Jedes einwertige Alkanol besitzt genau eine Hydroxygruppe; die Zahl der möglichen Wasserstoffbrücken zu Wassermolekülen wächst mit der Kettenlänge also nicht. Mit jeder \(\ce{CH2}\)-Gruppe wird dagegen der unpolare Alkylrest größer. Er kann keine Wasserstoffbrücken bilden und stört das Netz der Wassermoleküle. Deshalb sind Methanol bis Propan-1-ol unbegrenzt mit Wasser mischbar, Butan-1-ol nur noch begrenzt (etwa 7 g in 100 g Wasser) und Hexan-1-ol kaum. Richtig wäre die Aussage nur für die Zahl der OH-Gruppen: Mehrwertige Alkanole wie Glycerin sind gut wasserlöslich.

A2
Gleiche Formel, andere Siedetemperatur
AFB III

Erkläre, warum Ethanol bei 78 °C siedet, Dimethylether dagegen schon bei −24 °C, obwohl beide die Summenformel \(\ce{C2H6O}\) und die molare Masse 46 g/mol haben.

Hinweis: Suche in beiden Strukturformeln ein H-Atom, das an ein O-Atom gebunden ist.

Strategie: Die Art der zwischenmolekularen Kräfte vergleichen — die Molekülmasse ist ja gleich.Warum so? Bei gleicher Masse sind die Van-der-Waals-Kräfte ähnlich; der Unterschied muss eine andere Ursache haben.
Lösungsskizze: Isomere · Ethanol: O–H-Gruppe → Wasserstoffbrücken · Dimethylether: kein H am O → nur Dipol-Dipol- und Van-der-Waals-Kräfte · stärkere Anziehung → mehr Energie zum Trennen → höhere Siedetemperatur.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Ethanol und Dimethylether sind Konstitutionsisomere. Im Ethanol ist ein H-Atom an das stark elektronegative O-Atom gebunden; die O–H-Bindung ist stark polar. Zwischen den Ethanolmolekülen bilden sich deshalb Wasserstoffbrücken. Beim Dimethylether sitzt das O-Atom zwischen zwei Methylgruppen, es gibt kein H am O-Atom — die Moleküle ziehen sich nur über schwächere Dipol-Dipol- und Van-der-Waals-Kräfte an. Um die Ethanolmoleküle beim Sieden voneinander zu trennen, muss daher viel mehr Energie zugeführt werden: Die Siedetemperatur liegt über 100 K höher.

CH3CH2OHCH3OCH3Ethanol · Sdt. 78 °CDimethylether · Sdt. −24 °C
Zwei Isomere mit der Summenformel C₂H₆O
A3
Drei farblose Flüssigkeiten
AFB III

Entwickle einen Versuchsplan, mit dem du drei unbeschriftete Flaschen mit Propan-1-ol, Propan-2-ol und 2-Methylpropan-2-ol eindeutig zuordnen kannst. Nenne die erwarteten Beobachtungen.

Hinweis: Nutze zwei Reaktionen nacheinander: eine, die nur primäre und sekundäre Alkanole oxidiert, und eine, die nur Alkanale erkennt.

Strategie: Zuerst die Einteilung in primär, sekundär, tertiär nutzen, dann die Oxidationsprodukte unterscheiden.Warum so? Jede Klasse von Alkanolen reagiert mit Kupferoxid anders — das ist der Schlüssel.
Lösungsskizze: Heißes CuO in jede Probe → bei 2-Methylpropan-2-ol bleibt das Blech schwarz (tertiär) · bei den anderen wird es blank · Produkte mit Fehling-Lösung erwärmen: Propanal → rotbrauner Niederschlag (Propan-1-ol), Propanon → keine Veränderung (Propan-2-ol).
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: 1. In jede Probe wird ein in der Brennerflamme oxidiertes, schwarzes Kupferblech getaucht. Bei 2-Methylpropan-2-ol bleibt das Blech schwarz: Tertiäre Alkanole werden von Kupferoxid nicht oxidiert. Bei den beiden anderen Proben wird das Blech blank, weil \(\ce{CuO}\) zu Kupfer reduziert wird. 2. Die beiden Reaktionsgemische werden mit Fehling-Lösung erwärmt. Das primäre Propan-1-ol ergab Propanal; es reduziert die tiefblaue Fehling-Lösung zu rotbraunem Kupfer(I)-oxid. Das sekundäre Propan-2-ol ergab Propanon; die Lösung bleibt blau. Damit ist jede Flasche eindeutig zugeordnet.

A4
Warum tertiäre Alkanole nicht reagieren
AFB III

Begründe mithilfe der Strukturformel, warum 2-Methylpropan-2-ol von heißem Kupferoxid nicht oxidiert wird, Butan-2-ol dagegen schon.

Hinweis: Vergleiche, was bei der Oxidation zum Alkanon am C-Atom mit der OH-Gruppe passiert.

Strategie: Aufschreiben, welche Atome bei der Oxidation abgegeben werden.Warum so? Die Carbonylgruppe entsteht nur, wenn am C-Atom der OH-Gruppe ein H-Atom abgespalten werden kann.
Lösungsskizze: Oxidation zum Alkanon: H der OH-Gruppe + H am C-Atom werden entfernt, C=O entsteht · Butan-2-ol: C2 trägt ein H → Butanon · tertiäres C: drei C-Nachbarn, kein H → C=O nur durch Bruch einer C–C-Bindung → unter diesen Bedingungen keine Reaktion.
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Musterlösung: Bei der Oxidation eines Alkanols mit Kupferoxid werden das H-Atom der Hydroxygruppe und ein H-Atom am benachbarten C-Atom entfernt (sie bilden mit dem O-Atom des Kupferoxids Wasser), und es entsteht eine C=O-Doppelbindung. Im Butan-2-ol trägt das C-Atom mit der OH-Gruppe noch ein H-Atom, daher entsteht Butanon. Im 2-Methylpropan-2-ol ist dieses C-Atom an drei C-Atome gebunden und trägt kein H-Atom mehr. Eine Doppelbindung zum O-Atom wäre nur möglich, wenn eine C–C-Bindung gespalten würde — das leistet Kupferoxid nicht. Das tertiäre Alkanol reagiert deshalb nicht.

CH3CCH3OHCH32-Methylpropan-2-ol
2-Methylpropan-2-ol — ein tertiäres Alkanol
A5
Die offene Weinflasche
AFB III

Erkläre, warum Wein in einer offen stehenden Flasche nach einigen Tagen nach Essig riecht, in einer verschlossenen Flasche aber nicht. Stelle die Reaktionsgleichung auf.

Hinweis: Frage dich, welcher Reaktionspartner für die Oxidation gebraucht wird und woher er kommt.

Strategie: Edukte und Produkte benennen, dann die Rolle des Luftsauerstoffs klären.Warum so? Oxidation braucht immer ein Oxidationsmittel.
Lösungsskizze: Ethanol + Sauerstoff (Essigsäurebakterien) → Ethansäure + Wasser · Zwischenstufe Ethanal · OZ(C1) −I → +III · offene Flasche: Luft liefert \(\ce{O2}\); verschlossen: kaum \(\ce{O2}\) → keine Oxidation.
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Musterlösung: Im Wein enthaltenes Ethanol wird mithilfe von Essigsäurebakterien durch Luftsauerstoff über Ethanal zu Ethansäure (Essigsäure) oxidiert: \(\ce{C2H5OH}\) + \(\ce{O2}\) → \(\ce{CH3COOH}\) + \(\ce{H2O}\). Das C-Atom der funktionellen Gruppe wird dabei von −I auf +III oxidiert; Sauerstoff ist das Oxidationsmittel. In der offenen Flasche wird der verbrauchte Sauerstoff ständig aus der Luft nachgeliefert. In der verschlossenen Flasche fehlt er weitgehend, die Oxidation kommt kaum in Gang — der Wein bleibt Wein.

A6
Hochprozentiges nur durch Destillation
AFB III

Erläutere, warum durch Gärung höchstens etwa 15 % Alkohol entstehen und wie man trotzdem Getränke mit 40 % Alkohol herstellen kann. Begründe das Trennprinzip.

Hinweis: Denke an die Hefe als Lebewesen — und an die fraktionierte Destillation aus Kapitel 2.

Strategie: Zwei Teile: biologische Grenze der Gärung, physikalisches Trennverfahren.Warum so? Trennverfahren nutzen Unterschiede in einer Stoffeigenschaft.
Lösungsskizze: Ethanol hemmt ab ca. 15 % die Hefe → Gärung stoppt · Destillation: Ethanol siedet bei 78 °C, Wasser bei 100 °C · Dampf ist reicher an Ethanol → kondensieren → angereichertes Destillat · Grund: Wasser bildet mehr H-Brücken pro Molekül.
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Musterlösung: Hefen gewinnen Energie aus der Gärung, doch Ethanol ist für sie giftig. Ab etwa 15 % Alkohol sterben die Hefezellen ab, die Gärung kommt zum Stillstand. Höhere Gehalte erreicht man durch Destillation: Ethanol siedet bei 78 °C, Wasser bei 100 °C. Erhitzt man das Gemisch, ist der Dampf reicher an Ethanol als die Flüssigkeit; kondensiert man ihn, erhält man ein Destillat mit höherem Alkoholgehalt. Ursache der unterschiedlichen Siedetemperaturen: Wassermoleküle können je Molekül mehr Wasserstoffbrücken bilden als Ethanolmoleküle.

A7
Redoxbilanz mit Kupferoxid
AFB III

Überprüfe mithilfe von Oxidationszahlen, ob die Gleichung \(\ce{CH3OH}\) + \(\ce{CuO}\) → \(\ce{HCHO}\) + \(\ce{Cu}\) + \(\ce{H2O}\) eine Redoxreaktion beschreibt und ob die Elektronenbilanz aufgeht.

Hinweis: Bestimme für jedes Atom, dessen Bindungspartner sich ändern, die Oxidationszahl vorher und nachher.

Strategie: Alle Oxidationszahlen auf beiden Seiten notieren und die Änderungen vergleichen.Warum so? Eine Redoxreaktion liegt vor, wenn sich Oxidationszahlen ändern — abgegebene und aufgenommene Elektronen müssen gleich viele sein.
Lösungsskizze: C: Methanol −II → Methanal 0 (Oxidation, 2 e⁻ abgegeben) · Cu: +II → 0 (Reduktion, 2 e⁻ aufgenommen) · H bleibt +I, O bleibt −II · Bilanz 2 = 2 → stimmt.
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Musterlösung: Im Methanol hat das C-Atom die Oxidationszahl −II, im Methanal 0: Es wird oxidiert und gibt formal zwei Elektronen ab. Kupfer hat im Kupfer(II)-oxid die Oxidationszahl +II, als Metall 0: Es wird reduziert und nimmt zwei Elektronen auf. Wasserstoff (+I) und Sauerstoff (−II) ändern ihre Oxidationszahlen nicht. Es liegt also eine Redoxreaktion vor; abgegebene und aufgenommene Elektronen stimmen überein (2 = 2), die Gleichung ist auch in der Elektronenbilanz korrekt. Kupferoxid ist das Oxidationsmittel, Methanol das Reduktionsmittel.

A8
Ethanal als Treibstoff?
AFB III

Beurteile den Vorschlag, statt Ethanol das Ethanal als Kraftstoff einzusetzen. Nutze die Verbrennungsenergien: Ethanol 1367 kJ/mol, Ethanal 1167 kJ/mol, und die Siedetemperatur von Ethanal (20 °C).

Hinweis: Beziehe die Oxidationsreihe mit ein: Wie weit ist Ethanal schon oxidiert?

Strategie: Kriterien sammeln (Energie, Handhabung, Gesundheit) und abwägen.Warum so? Ein Urteil braucht mindestens zwei fachliche Kriterien und ein klares Fazit.
Lösungsskizze: Ethanal ist bereits teiloxidiert → pro mol 200 kJ weniger (ca. 15 %) · Sdt. 20 °C → verdampft schon bei Raumtemperatur, schwer zu lagern · Ethanal ist giftig und reizend · Fazit: ungeeignet.
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Musterlösung: Ethanal ist ein Oxidationsprodukt des Ethanols; ein Teil der Energie wurde bei seiner Bildung schon abgegeben. Pro Mol liefert es 200 kJ weniger als Ethanol, also etwa 15 % weniger Energie. Mit einer Siedetemperatur von 20 °C verdampft Ethanal schon bei Raumtemperatur: Es wäre schwer zu tanken und zu lagern, Dämpfe entweichen leicht. Zudem ist Ethanal gesundheitsschädlich. Energetisch und praktisch ist der Vorschlag daher abzulehnen — Ethanol bleibt der sinnvollere Kraftstoff.

A9
Methanol im Obstbrand
AFB III

Nimm Stellung zu folgender Aussage: „Methanol ist nur deshalb gefährlich, weil es selbst giftig ist; was der Körper daraus macht, spielt keine Rolle.“ Beziehe die Oxidationsreihe ein.

Hinweis: Im Körper werden Alkanole enzymatisch oxidiert — genau wie mit Kupferoxid, nur langsamer.

Strategie: Die Oxidationsprodukte des Methanols benennen und ihre Wirkung einordnen.Warum so? Stellung nehmen heißt: Aussage prüfen, abwägen, eigene begründete Position.
Lösungsskizze: Methanol → Methanal → Methansäure · beide Produkte giftig (Methanal schädigt Zellen, Methansäure übersäuert, Sehnerv) · Ethanol als Gegenmittel: dasselbe Enzym oxidiert bevorzugt Ethanol → Methanol wird langsamer umgesetzt · Aussage greift zu kurz.
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Musterlösung: Die Aussage greift zu kurz. Methanol wird im Körper wie Ethanol oxidiert — erst zum Methanal, dann zur Methansäure. Gerade diese Oxidationsprodukte sind besonders giftig: Methanal schädigt Zellen, Methansäure führt zur Übersäuerung und kann den Sehnerv schädigen bis zur Erblindung. Das zeigt sich auch am Gegenmittel: Man gibt Ethanol, weil dasselbe Enzym bevorzugt Ethanol oxidiert. Methanol wird dann langsamer umgesetzt und teilweise unverändert ausgeschieden. Entscheidend ist also, was der Körper aus Methanol macht.

A10
Eine oder drei Hydroxygruppen
AFB III

Vergleiche Propan-1-ol und Glycerin (Propan-1,2,3-triol) hinsichtlich Siedetemperatur, Viskosität und Wasserlöslichkeit und erkläre die Unterschiede auf Teilchenebene.

Hinweis: Beide Moleküle haben drei C-Atome — der Unterschied liegt allein in der Zahl der Hydroxygruppen.

Strategie: Eigenschaften gegenüberstellen und jede auf die Zahl der Wasserstoffbrücken zurückführen.Warum so? Beim Vergleichen immer Gemeinsamkeit und Unterschied benennen.
Lösungsskizze: Gemeinsam: C3-Gerüst, mischbar mit Wasser · Glycerin: 3 OH → pro Molekül bis zu dreimal so viele H-Brücken · Sdt. 290 °C statt 97 °C · zähflüssig (hohe Viskosität) · sehr gut wasserlöslich, hygroskopisch.
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Musterlösung: Beide Stoffe besitzen ein Gerüst aus drei C-Atomen und sind mit Wasser mischbar. Glycerin trägt jedoch an jedem C-Atom eine Hydroxygruppe (dreiwertiges Alkanol), Propan-1-ol nur eine. Glycerinmoleküle können daher untereinander deutlich mehr Wasserstoffbrücken bilden. Folgen: Die Siedetemperatur liegt bei 290 °C statt 97 °C, Glycerin ist zähflüssig, weil die Moleküle schlecht aneinander vorbeigleiten, und es ist extrem gut wasserlöslich — es zieht sogar Wasser aus der Luft an. Der lipophile Anteil ist bei Glycerin kleiner, der hydrophile größer.

CH2CHCH2OHOHOHCH3CH2CH2OHGlycerin · Sdt. 290 °CPropan-1-ol · Sdt. 97 °C
Glycerin (Propan-1,2,3-triol) und Propan-1-ol