Die 12 häufigsten Fehler
1Beim Spalten einer Bindung wird Energie frei
So wird oft gedacht: Beim Spalten von 1 mol H₂-Molekülen werden 436 kJ frei.
Richtig ist: Zum Spalten müssen 436 kJ zugeführt werden. Frei werden die 436 kJ, wenn sich die Bindung bildet.
Bilden = frei, Spalten = zuführen — gleich viel.
2Striche werden als einzelne Elektronen gezählt
So wird oft gedacht: H₂O hat 4 Striche, also 4 Valenzelektronen.
Richtig ist: H₂O hat 6 + 2 · 1 = 8 Valenzelektronen = 4 Striche. Jeder Strich steht für zwei Elektronen.
Striche · 2 = Valenzelektronen.
3Wasserstoff steht in der Mitte
So wird oft gedacht: Wasserstoffperoxid H₂O₂: H–O–H–O
Richtig ist: H ist 1-bindig und kann keine zwei Atome verbinden: H–O–O–H mit je zwei freien Paaren an den O-Atomen.
H hat genau eine Bindung und steht am Rand.
4Freie Elektronenpaare werden vergessen
So wird oft gedacht: NH₃: N mit drei Strichen zu den H-Atomen — fertig.
Richtig ist: 5 + 3 = 8 Valenzelektronen = 4 Striche. Der vierte Strich ist ein freies Paar am N; erst damit hat N ein Oktett.
Alle Valenzelektronen müssen in der Formel auftauchen.
5Die Oktette werden zu den Valenzelektronen addiert
So wird oft gedacht: Im O₂ hat jedes O-Atom 8 Elektronen, also hat das Molekül 16 Valenzelektronen.
Richtig ist: O₂ hat 2 · 6 = 12 Valenzelektronen. Die zwei bindenden Paare werden beim Oktett-Zählen für beide Atome gezählt.
Oktett zählt Bindungen doppelt, die Summe nicht.
6Der Winkel wird aus der Lewis-Formel abgelesen
So wird oft gedacht: In der Lewis-Formel von CH₄ stehen die Bindungen senkrecht aufeinander — der Winkel ist 90°.
Richtig ist: Die Lewis-Formel zeigt nur, wer mit wem verbunden ist. Nach dem EPA-Modell stehen vier Wolken tetraedrisch: 109,5°.
Winkel liefert das EPA-Modell, nicht das Papier.
7Freie Paare fehlen im EPA-Modell
So wird oft gedacht: Am O-Atom im H₂O liegen zwei Bindungen — also ist Wasser linear (180°).
Richtig ist: Am O-Atom liegen 2 Bindungen und 2 freie Paare = 4 Wolken. Tetraedrische Anordnung, das Molekül ist gewinkelt (104,5°).
Freie Paare sind vollwertige Wolken.
8Eine Doppelbindung zählt als zwei Wolken
So wird oft gedacht: Am C-Atom im CO₂ gehen vier Striche ab — vier Wolken, also tetraedrisch.
Richtig ist: Die vier Striche bilden zwei Doppelbindungen, die jeweils nur in eine Richtung zeigen: 2 Wolken, linear, 180°.
Wolken zählen, nicht Striche.
9Anordnung und Gestalt werden verwechselt
So wird oft gedacht: NH₃ hat vier Wolken, also ist das Molekül tetraedrisch.
Richtig ist: Die Wolken sind tetraedrisch angeordnet, die Gestalt beschreibt aber nur die Atome: NH₃ ist trigonal-pyramidal.
Gestalt = Lage der Atome.
10ΔEN negativ, δ am falschen Atom
So wird oft gedacht: C–O: ΔEN = 2,6 − 3,4 = −0,8; C steht links, also bekommt C das δ−.
Richtig ist: ΔEN = 3,4 − 2,6 = 0,8, immer größer minus kleiner. δ− trägt das Atom mit der größeren EN, hier O; C trägt δ+.
ΔEN ist nie negativ; δ− folgt der größeren EN.
11Polare Bindungen heißt Dipolmolekül
So wird oft gedacht: CF₄ hat vier stark polare C–F-Bindungen (ΔEN 1,4), also ist es ein Dipol.
Richtig ist: Die vier gleichen Bindungen zeigen in die Ecken eines Tetraeders; der Schwerpunkt der δ− liegt im C-Atom wie das δ+. Kein Dipol.
Erst ΔEN, dann Form, dann Schwerpunkte.
12ΔEN wird auch zwischen zwei Metallen berechnet
So wird oft gedacht: Messing aus Kupfer und Zink: ΔEN ist klein, also liegt eine unpolare Atombindung vor.
Richtig ist: Zwei Metalle bilden eine Metallbindung mit frei beweglichen Elektronen. Die ΔEN-Regel gilt nur, wenn ein Nichtmetall beteiligt ist.
Zuerst prüfen: Metall, Nichtmetall — oder beides?
