Hydrazin – ein Raketentreibstoff
AFB I–IIHydrazin \(\mathrm{N_2H_4}\) ist eine farblose, giftige Flüssigkeit. Es dient als Treibstoff für die kleinen Steuerdüsen von Satelliten und Raumsonden: An einem Katalysator zerfällt es in heiße Gase. Früher wurde es mit Wasserstoffperoxid \(\mathrm{H_2O_2}\) kombiniert, das ebenfalls aus vier Atomen zweier Elemente besteht.
- Gib die Zahl der Valenzelektronen eines N-Atoms, eines H-Atoms und des ganzen Hydrazin-Moleküls an.
- Zeichne die Lewis-Formel von Hydrazin; die beiden N-Atome sind miteinander verbunden.
- Wasserstoffperoxid hat die Lewis-Formel H–O–O–H mit zwei freien Elektronenpaaren an jedem O-Atom. Vergleiche die Lewis-Formeln von Hydrazin und Wasserstoffperoxid.
- Begründe, warum in beiden Molekülen die zwei „schweren“ Atome direkt miteinander verbunden sein müssen und nicht über ein H-Atom.
Hinweise
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
N: 5 Valenzelektronen, H: 1 Valenzelektron.
\(\mathrm{N_2H_4}\): \(2\cdot5+4\cdot1=14\) Valenzelektronen (7 Striche).
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Gerüst: N–N, jedes N trägt zwei H-Atome (5 Striche). Die restlichen 2 Striche sind je ein freies Paar an jedem N-Atom:
Kontrolle: jedes N 3 bindende + 1 freies Paar = 8 Elektronen, jedes H 2.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Gemeinsam: Beide Moleküle haben 14 Valenzelektronen (7 Striche), eine Bindung zwischen den beiden schweren Atomen und außen H-Atome; alle Atome erfüllen Oktett bzw. Duett.
Unterschied: N ist 3-bindig und trägt 2 H-Atome und 1 freies Paar; O ist 2-bindig und trägt nur 1 H-Atom, dafür 2 freie Paare. Hydrazin hat 5 bindende und 2 freie Paare, Wasserstoffperoxid 3 bindende und 4 freie Paare.
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Ein H-Atom hat nur ein Valenzelektron und erreicht schon mit einer einzigen Bindung das Duett (Heliumkonfiguration). Es kann deshalb keine zwei Atome miteinander verbinden und steht immer am Rand.
Die beiden N- bzw. O-Atome können nur über eine direkte N–N- bzw. O–O-Bindung zusammenhängen.
Kältemittel im alten Kühlschrank
AFB II–IIIBis in die 1990er-Jahre steckte in vielen Kühlschränken das Kältemittel Dichlordifluormethan \(\mathrm{CCl_2F_2}\), ein FCKW. Es ist ungiftig und unbrennbar, schädigt aber die Ozonschicht und ist deshalb verboten. Stickstofftrifluorid \(\mathrm{NF_3}\) wird heute zum Reinigen von Anlagen in der Chipfertigung eingesetzt. Lena hat dazu eine Lewis-Formel gezeichnet.
- Bestimme die Zahl der Valenzelektronen und der Striche in der Lewis-Formel von \(\mathrm{CCl_2F_2}\).
- Erstelle die Lewis-Formel von \(\mathrm{CCl_2F_2}\) mit C als Zentralatom.
- Überprüfe Lenas Lewis-Formel für \(\mathrm{NF_3}\) und korrigiere sie gegebenenfalls.
- Tim meint: „An der Lewis-Formel kann man sehen, wie ein Molekül räumlich gebaut ist — CCl₂F₂ ist also flach und hat die Form eines Kreuzes.“ Beurteile diese Aussage.
Hinweise
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
\(4+2\cdot7+2\cdot7=32\) Valenzelektronen.
\(32:2=16\) Striche.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
C in der Mitte mit vier Einfachbindungen zu den zwei Cl- und zwei F-Atomen (4 Striche); jedes Halogenatom trägt drei freie Paare (12 Striche):
Kontrolle: 16 Striche; C, Cl und F haben je 8 Elektronen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
\(\mathrm{NF_3}\) hat \(5+3\cdot7=26\) Valenzelektronen, also 13 Striche. Lenas Formel hat nur 12 Striche (3 bindende, 9 freie Paare) = 24 Elektronen.
Die F-Atome sind richtig (je 8 Elektronen), aber das N-Atom ist nur von 6 Elektronen umgeben. Korrektur: Das N-Atom bekommt ein freies Elektronenpaar — dann hat es 3 bindende + 1 freies Paar = 8 Elektronen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Die Aussage ist falsch. Die Lewis-Formel zeigt nur, welche Atome verbunden sind und wo freie Elektronenpaare sitzen. Man zeichnet sie flach auf Papier, die rechten Winkel sind reine Zeichenkonvention.
Wie das Molekül tatsächlich im Raum gebaut ist, muss man mit einem weiteren Modell ermitteln (EPA-Modell, 1.2.1): \(\mathrm{CCl_2F_2}\) ist räumlich gebaut, nicht flach.
