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Typische Fehler

Nische, Optimum, Energiefluss — die zwölf Stolperfallen, die in der Ökologie am meisten Punkte kosten.

Hier sind die 12 häufigsten Fehler aus Klausuren zur Ökologie — von Biotop und Toleranzkurve über Konkurrenz, Nische und Räuber-Beute bis zu Energiefluss, Kohlenstoffkreislauf und Nachhaltigkeit. Lesen Sie sie durch: Wer einen Fehler kennt, macht ihn seltener.

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Die 12 häufigsten Fehler

1Ökosystem = Lebensraum

Biotopabiotisch+Biozönosebiotisch+Wechsel-wirkungenÖkosystemDer See allein ist nur das Biotop.
Ohne Lebewesen kein Ökosystem.

So wird es oft notiert: „Ein Ökosystem ist der Lebensraum einer Art, zum Beispiel ein See.“

Richtig ist: Der Lebensraum mit seinen abiotischen Faktoren ist das Biotop, die Gemeinschaft aller Lebewesen darin die Biozönose. Erst Biotop und Biozönose zusammen mit ihren Wechselwirkungen bilden das Ökosystem.

Merksatz: Ökosystem = Biotop + Biozönose + Wechselwirkungen.

2Optimum = Präferendum

Temperatur in °CAnteil / Vitalität048121620242832Präferendum19 °COptimum 24 °C
Gewählt ist nicht gleich am vitalsten.

So wird es oft notiert: „Im Wahlversuch halten sich die Tiere meist bei 19 °C auf — dort liegt ihr Optimum.“

Richtig ist: Das Präferendum ist der Bereich, den Tiere im Wahlversuch bevorzugt aufsuchen. Das Optimum ist der Bereich höchster Vitalität, z. B. bei Wachstum oder Fortpflanzung. Beide werden mit verschiedenen Versuchen bestimmt und müssen nicht übereinstimmen.

Merksatz: Präferendum = bevorzugt, Optimum = am vitalsten.

3Biodiversität = Artenzahl

Wiese A: 5 ArtenD ≈ 0,35Wiese B: 5 ArtenD ≈ 0,80
Gleiche Artenzahl, ungleiche Vielfalt.

So wird es oft notiert: „Beide Wiesen haben fünf Arten, also dieselbe Biodiversität.“

Richtig ist: Biodiversität umfasst genetische Vielfalt, Artenvielfalt und Ökosystemvielfalt. Schon die Artenvielfalt hängt neben der Artenzahl davon ab, wie gleichmäßig die Individuen verteilt sind — Diversitätsindizes wie der Simpson-Index berücksichtigen beides.

Merksatz: Artenzahl und Gleichverteilung zählen.

4Konkurrenz endet mit Aussterben

starke Überlappungnach EinnischungNahrungsgrößeNahrungsgrößeBeide Arten bleiben — mit verschobenen Nischen.
Ausweichen statt Aussterben.

So wird es oft notiert: „Nach dem Konkurrenzausschlussprinzip stirbt bei Konkurrenz immer eine der beiden Arten aus.“

Richtig ist: Das Prinzip sagt nur: Zwei Arten mit identischer Nische können nicht dauerhaft nebeneinander bestehen. In der Natur nutzen konkurrierende Arten oft verschiedene Nahrung, Zeiten oder Bereiche (Einnischung) und koexistieren. Konkurrenz ist meist ein indirekter Wettbewerb um knappe Ressourcen, kein Kampf.

Merksatz: Gleiche Nische: kein Nebeneinander — ähnliche Nische: Einnischung.

5Nische = Ort

HabitatFlussufernur der OrtEisvogelkleine Fischeklares WasserSitzwarteSteilwandStoßtaucheneisfreie WinterNische = Beziehungsgefüge
Die Nische ist eine Rolle, kein Platz.

So wird es oft notiert: „Die ökologische Nische des Eisvogels ist das Flussufer.“

Richtig ist: Der Ort, an dem eine Art lebt, ist ihr Habitat. Die ökologische Nische ist die Gesamtheit der Beziehungen einer Art zu den biotischen und abiotischen Faktoren ihrer Umwelt: was sie frisst, wie sie jagt, wo sie brütet, welche Bedingungen sie toleriert.

Merksatz: Habitat = Adresse, Nische = Beruf.

6Wo sie wächst, wächst sie am besten

Bodenfeuchte: trocken → nassWachstum Waldkieferohne Konkurrenz (physiol.)im Wald (ökologisch)hier: Buche
Konkurrenz verschiebt das Vorkommen.

So wird es oft notiert: „Die Waldkiefer wächst vor allem auf trockenem Sand und im Moor — dort liegt ihr Optimum.“

Richtig ist: Ohne Konkurrenz (physiologische Potenz) wächst die Kiefer auf mittelfeuchten Böden am besten. Dort wird sie im Wald von der konkurrenzstärkeren Buche verdrängt; ihr tatsächliches Vorkommen (ökologische Potenz) liegt deshalb an den trockenen und nassen Rändern.

Merksatz: Physiologisch = ohne Konkurrenz, ökologisch = im Freiland mit Konkurrenz.

7Räuber und Beute gleichzeitig

ZeitIndividuenBeuteRäuberRäuber später
Erst die Beute, dann der Räuber.

So wird es oft notiert: „Nach der 1. Lotka-Volterra-Regel erreichen Räuber und Beute ihre Maxima gleichzeitig — und die Räuber rotten die Beute schließlich aus.“

Richtig ist: Die Populationen schwanken periodisch und phasenverschoben: Das Maximum der Räuber folgt dem der Beute; die Mittelwerte bleiben konstant. Die Regeln gelten für ein Modell mit einer Räuber- und einer Beuteart — im Freiland wirken zusätzlich Nahrung, Krankheiten, Witterung und weitere Räuber.

Merksatz: Räuber folgen der Beute — und nur im Modell so regelmäßig.

8Symbiose: gleicher Nutzen für beide

Kiefergibt ZuckerMykorrhizapilzgibt Mineralsalzebis ca. 20 %viel oder wenig?nährstoffarmer Boden: großer Nutzengedüngter Boden: Nutzen gering
Beide gewinnen — aber nicht gleich viel.

So wird es oft notiert: „Bei einer Symbiose profitieren beide Partner immer gleich stark.“

Richtig ist: Symbiose heißt: Beide Partner haben einen Vorteil — wie groß er ist, hängt von den Bedingungen ab. Bei der Mykorrhiza gibt die Pflanze bis zu etwa 20 % ihrer Fotosyntheseprodukte ab; auf nährstoffreichem Boden lohnt sich der Tausch für sie kaum. Übergänge zum Parasitismus sind möglich.

Merksatz: Symbiose = beidseitiger Nutzen, nicht gleicher Nutzen.

9Pfeil bedeutet „frisst“

FuchsKaninchen„frisst“KaninchenFuchsEnergie-flussPfeil = „wird gefressen von“
Die Pfeilrichtung folgt der Energie.

So wird es oft notiert: „Fuchs → Kaninchen, denn der Fuchs frisst das Kaninchen.“

Richtig ist: Pfeile in Nahrungsketten und -netzen zeigen die Richtung des Stoff- und Energieflusses: vom Gefressenen zum Fressenden. Richtig ist also Gras → Kaninchen → Fuchs.

Merksatz: Der Pfeil bedeutet „wird gefressen von“.

10Energie wird recycelt

SonnePflanzenTiereDestr.Wärme verlässt das SystemStoffe (C, N, Mineralsalze) kreisen
Stoffe kreisen, Energie fließt.

So wird es oft notiert: „Die Destruenten führen die Energie der toten Lebewesen an die Pflanzen zurück.“

Richtig ist: Destruenten mineralisieren Stoffe: Kohlenstoff, Stickstoff und Mineralsalze kehren in den Kreislauf zurück. Energie dagegen wird auf jeder Ebene — auch bei den Destruenten — durch Zellatmung als Wärme abgegeben und ist für Lebewesen verloren. Deshalb brauchen Ökosysteme ständig Sonnenenergie.

Merksatz: Stoffe kreisen, Energie fließt hindurch.

11Pflanzen atmen nicht

TagFotos.AtmungNachtFotos.Atmungnetto CO₂-Aufnahmenetto CO₂-Abgabe
Fotosynthese nur im Licht, Atmung immer.

So wird es oft notiert: „Pflanzen nehmen CO₂ auf, Tiere geben CO₂ ab.“

Richtig ist: Pflanzen betreiben Tag und Nacht Zellatmung und geben dabei CO₂ ab. Nur im Licht übertrifft die Fotosynthese die Zellatmung, sodass netto CO₂ aufgenommen wird; nachts sind Pflanzen CO₂-Quellen.

Merksatz: Fotosynthese nur im Licht, Zellatmung rund um die Uhr.

12Nachhaltig = gar nicht nutzen

JahreBestandFang = ZuwachsFang > Zuwachsohne Nutzung
Nutzen ja — im Rahmen des Zuwachses.

So wird es oft notiert: „Nachhaltige Fischerei bedeutet, keine Fische mehr zu fangen.“

Richtig ist: Nachhaltig ist eine Nutzung, die die Regenerationsfähigkeit nicht übersteigt: Man entnimmt höchstens so viel, wie nachwächst, sodass Bestand und Biodiversität erhalten bleiben — unter Abwägung ökologischer, ökonomischer und sozialer Folgen.

Merksatz: Nicht mehr entnehmen, als nachwächst.