Ressourcen nachhaltig nutzen
Fischbestände, Wälder und Grundwasser wachsen nach — aber nur in einem bestimmten Tempo. Wer dauerhaft ernten will, muss sich nach diesem Tempo richten.
- Ressourcen:natürliche Güter, die der Mensch nutzt; erneuerbare Ressourcen wie Fischbestände oder Holz wachsen nach, nicht erneuerbare wie Erdöl oder Torf entstehen nur in sehr langen Zeiträumen neu (Torf wächst etwa 1 mm pro Jahr).
- Nachhaltigkeit:Nach dem Brundtland-Bericht der Vereinten Nationen (1987) ist eine Entwicklung nachhaltig, wenn sie die Bedürfnisse der heutigen Generation befriedigt, ohne künftigen Generationen die Möglichkeit zu nehmen, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.
- Drei-Säulen-Modell:Nachhaltigkeit hat eine ökologische (Ökosysteme und Biodiversität erhalten), eine ökonomische (dauerhaftes Einkommen, tragbare Kosten) und eine soziale Dimension (Arbeit, Versorgung, Gerechtigkeit); alle drei gelten als gleichrangig.
- Regenerationsfähigkeit:Fähigkeit einer Population, Verluste durch Fortpflanzung und Wachstum auszugleichen; ihr Maß ist der Zuwachs, die Zunahme der Biomasse pro Jahr ohne Entnahme.
- Kapazität:größte Bestandsgröße, die ein Lebensraum mit seinen Ressourcen dauerhaft tragen kann.
- Zuwachs und Bestand:Ein kleiner Bestand wächst wenig, weil es wenige Fortpflanzungstiere gibt; ein Bestand nahe der Kapazität wächst ebenfalls kaum, weil intraspezifische Konkurrenz um Nahrung die Fortpflanzung senkt und die Sterblichkeit erhöht. Am größten ist der Zuwachs bei mittlerer Bestandsgröße.
- Übernutzung:Entnahme größer als der Zuwachs: Der Bestand schrumpft, liefert dadurch noch weniger Zuwachs und kann zusammenbrechen — so geschehen beim Kabeljau vor Neufundland, dessen Fischerei 1992 eingestellt werden musste.
- Nachhaltiger Höchstertrag:größte Fangmenge, die sich Jahr für Jahr dauerhaft entnehmen lässt; er entspricht dem größten Zuwachs und wird bei mittlerer Bestandsgröße erreicht. Fangquoten in der EU orientieren sich an ihm.
Ziehe den blauen Punkt auf der grünen Zuwachskurve, um den Startbestand zu wählen, und die orange Fangmenge am Griff rechts nach oben oder unten. Rechts siehst du, wie sich der Bestand in den nächsten 30 Jahren entwickelt. Mit der Tastatur: Punkt mit Tab wählen, mit den Pfeiltasten verschieben (mit Shift feiner). Suche die Fangmenge, die dauerhaft den größten Ertrag bringt.
Halte fest: Ist der Fang größer als der Zuwachs, schrumpft der Bestand — und weil ein kleinerer Bestand weniger nachwächst, beschleunigt sich der Rückgang bis zum Zusammenbruch. Dauerhaft am meisten lässt sich bei mittlerem Bestand fangen, genau dort, wo die Zuwachskurve ihren Gipfel hat; dort gibt es allerdings keinen Puffer mehr.
Nachhaltige Nutzung: Entnahme ≤ Zuwachs; der nachhaltige Höchstertrag liegt beim größten Zuwachs, also bei mittlerer Bestandsgröße.
Ökosysteme erhalten
Nutzung verändert nicht nur einzelne Bestände, sondern ganze Ökosysteme. Ob sie Belastungen verkraften, hängt von ihrer Stabilität ab — und Schutz oder Wiederherstellung müssen sich an allen drei Säulen der Nachhaltigkeit messen lassen.
- Stabilität:Fähigkeit eines Ökosystems, Artenzusammensetzung und Stoffkreisläufe trotz Störungen wie Dürre, Schädlingsbefall oder Nutzung zu bewahren. Resistenz heißt, dass es sich bei einer Störung kaum verändert; Resilienz heißt, dass es nach einer Störung in seinen Ausgangszustand zurückkehrt.
- Kipppunkt:Schwelle, ab der ein Ökosystem nicht mehr zurückkehrt, sondern in einen anderen stabilen Zustand wechselt — etwa ein klarer See, der durch Nährstoffeintrag dauerhaft trüb und algenreich wird.
- Bedeutung der Biodiversität:Viele Arten mit ähnlicher Funktion können den Ausfall einer Art ausgleichen (Versicherungseffekt); genetische Vielfalt ermöglicht Anpassung an neue Bedingungen. Artenreiche Ökosysteme sind deshalb meist stabiler.
- Ökosystemleistungen:Nutzen, den Ökosysteme dem Menschen bringen, etwa Nahrung, Bestäubung, sauberes Wasser, Hochwasserschutz und die Speicherung von Kohlenstoff.
- Erhaltungsmaßnahmen:schützen einen bestehenden Zustand, z. B. Schutzgebiete wie der Nationalpark Wattenmeer oder Meeresgebiete, in denen nicht gefischt werden darf.
- Renaturierung:stellt einen naturnahen Zustand wieder her. Bei der Moor-Wiedervernässung wird der Wasserstand angehoben, damit der Torf nicht weiter zersetzt wird; statt Grünland und Acker entstehen nasse Flächen, die sich nur mit angepassten Pflanzen wie Schilf oder Rohrkolben bewirtschaften lassen (Paludikultur). Bei der Auenrenaturierung werden Deiche zurückverlegt und Altarme wieder angeschlossen, sodass der Fluss seine Aue wieder überfluten kann.
- Folgen abschätzen:Eine Maßnahme wirkt kurz- und langfristig sowie lokal und global unterschiedlich: Ein wiedervernässtes Moor kostet Landwirte vor Ort sofort Einnahmen, bindet aber langfristig Kohlenstoff und nützt so dem Klima weltweit.
- Bewerten:Vor- und Nachteile werden aus ökologischer, ökonomischer und sozialer Perspektive gegenübergestellt und gewichtet; Zielkonflikte werden offen benannt, statt eine Perspektive auszublenden.
Maßnahmen bewerten: ökologische, ökonomische und soziale Folgen — jeweils kurz- und langfristig, lokal und global.
Allgemeine Hinweise
Großer Bestand, kleiner Zuwachs
Ein Bestand an der Kapazitätsgrenze wächst kaum noch nach, weil die Konkurrenz um Nahrung stark ist. Wer „möglichst viel Fisch im Meer“ mit „möglichst viel Ertrag“ gleichsetzt, übersieht den Gipfel der Zuwachskurve.
Drei Säulen, nicht eine
Nachhaltig ist eine Maßnahme erst, wenn ökologische, ökonomische und soziale Folgen bedacht sind. In Bewertungsaufgaben wird deshalb jede Perspektive ausdrücklich genannt und gegen die anderen abgewogen.
Stabil heißt nicht unverändert
Auch stabile Ökosysteme schwanken, etwa mit den Zyklen von Räuber und Beute. Entscheidend ist, dass sie nach einer Störung zurückkehren, statt einen Kipppunkt zu überschreiten.
