Wettbewerb um Ressourcen
Lebewesen brauchen Nahrung, Wasser, Licht oder Raum. Sind diese Güter knapp, geht jede Portion, die ein Individuum nutzt, einem anderen verloren — die Lebewesen konkurrieren.
- Ressource:Umweltfaktor, der von Lebewesen verbraucht oder besetzt wird und dadurch knapp werden kann, z. B. Nahrung, Wasser, Licht, Mineralstoffe, Nist- oder Versteckplätze; die Temperatur dagegen wird nicht verbraucht.
- Konkurrenz:Wechselbeziehung zwischen Individuen, die dieselbe knappe Ressource nutzen; beide Seiten haben Nachteile bei Wachstum, Überleben oder Fortpflanzung.
- Intraspezifische Konkurrenz:zwischen Individuen derselben Art; besonders stark, weil die Ansprüche übereinstimmen. Sie nimmt mit der Populationsdichte zu und bremst das Wachstum der Population.
- Interspezifische Konkurrenz:zwischen Individuen verschiedener Arten, deren Ansprüche sich überschneiden, z. B. Buche und Fichte im Mischwald um Licht.
- Ausbeutungskonkurrenz:indirekt — wer die Ressource schneller aufbraucht, lässt dem anderen weniger übrig.
- Interferenzkonkurrenz:direkt — Konkurrenten werden verdrängt, etwa durch Revierverteidigung oder durch Hemmstoffe, die manche Pflanzen in den Boden abgeben.
- Konkurrenzstärke:Fähigkeit einer Art, sich bei Knappheit gegen Konkurrenten durchzusetzen, z. B. durch schnellere Vermehrung oder geringeren Bedarf; sie hängt von den Umweltbedingungen ab.
Konkurrenz: Nutzung derselben knappen Ressource — intraspezifisch (gleiche Art) oder interspezifisch (verschiedene Arten); beide Konkurrenten haben einen Nachteil.
Ausschluss oder Koexistenz
Der russische Biologe GAUSE hielt 1934 Pantoffeltierchen (Gattung Paramecium) in Kulturgefäßen, die er regelmäßig mit Bakterien fütterte, und zählte täglich die Individuen — einmal jede Art allein, einmal zwei Arten zusammen.
- Einzelkulturen:P. aurelia und P. caudatum vermehren sich allein zunächst rasch; dann begrenzt das Futter das Wachstum, und die Dichte bleibt auf einem Höchstwert.
- Mischkultur:Beide Arten fressen dieselben Bakterien im freien Wasser. P. aurelia vermehrt sich bei knappem Futter schneller; P. caudatum nimmt ab und stirbt nach etwa zwei bis drei Wochen aus.
- Konkurrenzausschlussprinzip:Zwei Arten, die dieselbe begrenzte Ressource auf dieselbe Weise nutzen, können nicht dauerhaft nebeneinander bestehen; die konkurrenzstärkere verdrängt die andere.
- Koexistenz:dauerhaftes Zusammenleben zweier Arten im selben Lebensraum. P. caudatum und P. bursaria koexistieren: P. caudatum frisst vor allem im freien Wasser schwebende Bakterien, P. bursaria vor allem am Gefäßboden abgesunkene Nahrung.
- Konkurrenzvermeidung:Arten teilen eine Ressource auf, indem sie sie verschieden nutzen: andere Nahrung, anderer Ort oder andere Aktivitätszeit (z. B. Waldkauz nachts und Mäusebussard tagsüber auf Mäusejagd).
- Einnischung:evolutive Entwicklung solcher Unterschiede; wo zwei ähnliche Arten zusammenleben, begünstigt die Selektion Individuen, die dem Konkurrenten ausweichen.
Wähle ein Artenpaar, den Ansatz und das Futterangebot und starte mit ▶ den Zeitraffer oder gehe Tag für Tag weiter. Verändere danach eine Bedingung: Der vorige Lauf bleibt gestrichelt zum Vergleich stehen.
Halte fest: Allein erreicht jede Art ihre Höchstdichte. Zusammen verdrängt P. aurelia die Art P. caudatum — bei reichlichem wie bei knappem Futter. P. caudatum und P. bursaria nutzen die Nahrung an verschiedenen Orten und bleiben beide erhalten, wenn auch mit geringerer Dichte als allein. (Modell mit geschätzten Modellwerten.)
Konkurrenzausschlussprinzip: Arten mit gleichen Ansprüchen an dieselbe begrenzte Ressource können nicht dauerhaft koexistieren; Koexistenz setzt eine unterschiedliche Nutzung der Ressourcen voraus.
Allgemeine Hinweise
Nicht immer ein Kampf
Bei der Ausbeutungskonkurrenz begegnen sich die Konkurrenten oft nie, sie nutzen nur dieselbe Ressource. Konkurrenz zeigt sich dann an Folgen wie geringerem Wachstum oder weniger Nachkommen.
Stärke hängt von Bedingungen ab
Welche Art sich durchsetzt, kann sich mit Temperatur, Feuchtigkeit oder Nahrungsart umkehren. Konkurrenzstärke ist deshalb keine feste Eigenschaft einer Art.
Zusammenleben widerlegt nichts
Leben zwei ähnliche Arten dauerhaft zusammen, nutzen sie ihre Ressourcen meist auf verschiedene Weise. Das Konkurrenzausschlussprinzip gilt nur für völlig gleiche Ansprüche.
