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Biodiversität erfassen

Zwei Wiesen mit gleich vielen Pflanzen je Quadratmeter können sich in ihrer Vielfalt stark unterscheiden — doch wie macht man diesen Unterschied messbar?

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Arten im Freiland erfassen

Wer den Zustand eines Ökosystems beschreiben will, muss wissen, welche Arten dort vorkommen und wie häufig sie sind. Weil nie alle Lebewesen eines Gebiets gezählt werden können, arbeitet die Freilandbiologie mit Stichproben.

  • Biodiversität:Vielfalt des Lebens auf drei Ebenen: genetische Vielfalt (verschiedene Allele innerhalb einer Art), Artenvielfalt und Vielfalt der Ökosysteme in einer Landschaft.
  • Qualitative Erfassung:stellt fest, welche Arten in einem abgegrenzten Areal vorkommen; das Ergebnis ist eine Artenliste.
  • Bestimmung:Zuordnung eines Fundes zu seiner Art anhand von Merkmalen, z. B. mit einem Bestimmungsschlüssel, der Schritt für Schritt zwischen zwei Merkmalen wählen lässt.
  • Quantitative Erfassung:stellt fest, wie viele Individuen je Art vorkommen; gezählt wird in Stichproben, die für das ganze Areal stehen.
  • Quadratmethode:Probeflächen gleicher Größe (auf Wiesen meist 1 m²) werden zufällig verteilt abgesteckt; darin werden alle Pflanzen je Art gezählt oder ihre Deckung geschätzt.
  • Linientaxierung:Aufnahme in festen Abständen entlang einer Linie (Transekt); zeigt Veränderungen entlang eines Gefälles, etwa vom Waldrand in die Wiese.
  • Fallen und Kescher:Bodenfallen (Barberfallen) fangen laufende Bodentiere wie Laufkäfer, der Kescher streift Insekten aus der Krautschicht; gleiche Fangdauer bzw. gleiche Zahl von Kescherschlägen macht Fänge vergleichbar.
  • Abundanz:Individuenzahl einer Art bezogen auf eine Flächen- oder Raumeinheit, z. B. 12 Pflanzen je m².
  • Dominanz:Anteil der Individuen \(n_i\) einer Art an allen gezählten Individuen \(N\) einer Stichprobe, in Prozent.
Merke

Abundanz und Dominanz: Abundanz \(= \dfrac{\text{Individuen einer Art}}{\text{Fläche}}\) Dominanz \(= \dfrac{n_i}{N} \cdot 100\,\%\)

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Vielfalt in einer Kennzahl

Eine Artenliste allein sagt wenig: Zwei Flächen mit gleich vielen Arten unterscheiden sich stark, wenn auf der einen eine Art fast alles einnimmt. Diversitätsindizes fassen Artenzahl und Verteilung der Individuen in einer Zahl zusammen.

  • Artenzahl \(S\):Zahl der in der Stichprobe gefundenen Arten (Artenreichtum); sie wächst mit der Größe der untersuchten Fläche.
  • Relative Häufigkeit \(p_i\):Anteil der Art \(i\) an allen Individuen, \(p_i = n_i : N\); als Prozentwert ist das die Dominanz.
  • Gleichverteilung:beschreibt, wie gleichmäßig sich die Individuen auf die Arten verteilen; sie ist maximal, wenn alle Arten gleich häufig sind.
  • Simpson-Index \(D\):Wahrscheinlichkeit, dass zwei zufällig gezogene Individuen zu verschiedenen Arten gehören; 0 bei nur einer Art, nahe 1 bei vielen gleich häufigen Arten.
  • Shannon-Index \(H\):\(H = -\sum p_i \cdot \ln p_i\); steigt mit der Artenzahl und mit der Gleichverteilung; bei \(S\) gleich häufigen Arten erreicht er seinen Höchstwert \(\ln S\).
  • Evenness \(E\):Maß für die Gleichverteilung, \(E = H : \ln S\); liegt zwischen 0 (eine Art dominiert völlig) und 1 (alle Arten gleich häufig).
  • Aussagen ableiten:Indizes nur vergleichen, wenn Methode, Flächengröße und Jahreszeit gleich sind; ein hoher Index verrät nicht, ob seltene, gefährdete oder gebietsfremde Arten darunter sind.

Klicke in der Probefläche jede Pflanze einmal an oder wandere mit den Pfeiltasten und zähle mit Enter. Rechts laufen die Zähler je Art mit, oben die Indizes. Zähle beide Wiesen vollständig aus und vergleiche.

Probefläche auszählen

Halte fest: Beide Probeflächen enthalten gleich viele Pflanzen. Die extensiv genutzte Wiese hat aber mehr Arten, und ihre Individuen verteilen sich gleichmäßiger — deshalb liegen Simpson-Index, Shannon-Index und Evenness dort deutlich höher. (Zahlen sind Modellwerte.)

Herleitung:
\(p_i = \dfrac{n_i}{N}\)
| Anteil

Ein zufällig gezogenes Individuum gehört mit der Wahrscheinlichkeit \(p_i\) zur Art \(i\).

\(P(\text{beide Art } i) = p_i \cdot p_i = p_i^2\)
| zweimal ziehen

Zwei Züge unabhängig nacheinander (mit Zurücklegen; bei großen Stichproben macht das kaum einen Unterschied).

\(P(\text{gleiche Art}) = p_1^2 + p_2^2 + \dots + p_S^2 = \sum p_i^2\)
| alle Arten

Die Fälle „beide Art 1“, „beide Art 2“ … schließen sich gegenseitig aus und werden addiert.

\(D = 1 - \sum p_i^2\)
Ergebnis

Gegenereignis: Die beiden Individuen gehören zu verschiedenen Arten.

Merke

Diversitätsindizes: \(D = 1 - \sum p_i^2\) \(H = -\sum p_i \cdot \ln p_i\) \(E = \dfrac{H}{\ln S}\)

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Allgemeine Hinweise

Artenzahl ist nicht Diversität

Zwei Flächen mit derselben Artenzahl können sehr verschiedene Indizes haben. Wer nur Arten zählt, übersieht, dass eine einzige Art die Fläche beherrschen kann.

Mehrere Stichproben nehmen

Eine einzelne Probefläche kann zufällig besonders artenreich oder artenarm liegen. Erst mehrere zufällig verteilte Flächen und ihr Mittelwert machen eine Aussage belastbar.

Indizes nicht vermischen

Simpson- und Shannon-Index haben verschiedene Skalen: \(D\) bleibt unter 1, \(H\) kann deutlich größer werden. Vergleichen lassen sich nur Werte desselben Index.

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