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Zusammenfassung

Wie wird aus Ionen an einer Membran eine Nachricht, die in Millisekunden durch den Körper jagt? Alles Wichtige zur Neurobiologie auf einen Blick.

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6.1 Die Nervenzelle

Nervenzellen halten in Ruhe eine Spannung an ihrer Membran und bilden daraus Aktionspotenziale, die sie entlang des Axons weiterleiten.

  • Bau des Neurons:Dendriten (empfangen) → Zellkörper mit Zellkern → Axonhügel (hier entsteht das AP) → Axon → Endknöpfchen mit Transmitter-Vesikeln; die Erregung läuft nur in diese Richtung.
  • Gliazellen:stützen, versorgen und isolieren Neuronen; ihre Membranlagen bilden die Myelinscheide (PNS: Schwann-Zellen, ZNS: Oligodendrocyten), dazwischen liegen Ranvier-Schnürringe.
  • Ruhepotenzial:etwa −70 mV, innen negativ; innen viel K⁺ und A⁻, außen viel Na⁺ und Cl⁻. Ionen passieren die Lipiddoppelschicht nur durch Kanalproteine.
  • Entstehung:In Ruhe sind vor allem K⁺-Kanäle offen: K⁺ diffundiert aus, A⁻ bleiben zurück, bis das Ladungsgefälle den Ausstrom ausgleicht (E(K⁺) ≈ −90 mV); ein kleiner Na⁺-Leckstrom macht das Potenzial weniger negativ.
  • Na⁺-K⁺-Pumpe:befördert unter ATP-Verbrauch je Zyklus 3 Na⁺ hinaus und 2 K⁺ hinein; sie erhält die Konzentrationsgefälle (Fließgleichgewicht), erzeugt aber kein AP.
  • Aktionspotenzial:Erreicht die Depolarisation den Schwellenwert (≈ −50 mV), folgt ein stets gleich hohes AP bis ≈ +30 mV (Alles-oder-Nichts); Dauer ≈ 1–2 ms.
  • Ionenkanäle beim AP:spannungsgesteuerte Na⁺-Kanäle öffnen schnell (Na⁺-Einstrom, Depolarisation) und inaktivieren; K⁺-Kanäle öffnen verzögert (K⁺-Ausstrom, Repolarisation) und schließen langsam (Hyperpolarisation).
  • Refraktärzeit:solange die Na⁺-Kanäle inaktiviert sind, ist kein neues AP möglich (absolut, ≈ 1–2 ms), danach nur bei stärkerem Reiz (relativ).
  • Kontinuierliche Leitung:an marklosen Axonen depolarisieren Ausgleichsströme die jeweils benachbarte Stelle über den Schwellenwert; die Refraktärzeit legt die Richtung fest; dicker = schneller (≈ 1 m/s bis 25 m/s).
  • Saltatorische Leitung:an myelinisierten Axonen entstehen APs nur an den Schnürringen; die Erregung „springt“ von Ring zu Ring: bis ≈ 100 m/s, energiesparend und platzsparend.
DendritenZellkörper mit ZellkernAxonhügelMyelinscheide (Gliazelle)Ranvier-SchnürringAxonEndknöpfchenRichtung der Erregung
Bau einer myelinisierten Nervenzelle (Schema, nicht maßstäblich)
−90−70−500+3001234567Ruhepotenzial −70 mVSchwellenwert −50 mVDepolarisationOvershootRepolarisationHyperpolarisationReizabsolut | relativ refraktärMembranpotenzial in mVZeit in ms →
Phasen eines Aktionspotenzials mit Refraktärzeiten (Modellwerte)
Kennwerte der Erregung (Modellwerte)
\(U_\text{Ruhe}\approx-70\,\text{mV}\) · \(U_\text{Schwelle}\approx-50\,\text{mV}\) · \(U_\text{Spitze}\approx+30\,\text{mV}\)
Gleichgewichtspotenziale: E(K⁺) ≈ −90 mV, E(Na⁺) ≈ +60 mV · AP-Dauer ≈ 1–2 ms · Leitungsgeschwindigkeit \(v=\tfrac{s}{t}\): marklos ≈ 1 m/s, myelinisiert bis ≈ 100 m/s.

Pumpe und Kanäle trennen

Das AP entsteht durch spannungsgesteuerte Na⁺- und K⁺-Kanäle innerhalb von Millisekunden. Die Na⁺-K⁺-Pumpe arbeitet langsam und dauernd; sie hält nur die Konzentrationsgefälle aufrecht.

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6.2 Synapsen

An der Synapse wird das elektrische Signal chemisch übertragen — und genau dort greifen viele Gifte und Arzneimittel an.

  • Chemische Synapse:Endknöpfchen (Präsynapse) mit Vesikeln, synaptischer Spalt (≈ 20–50 nm), postsynaptische Membran mit Rezeptoren; an cholinergen Synapsen ist der Transmitter Acetylcholin (ACh).
  • Übertragung:AP → spannungsgesteuerte Ca²⁺-Kanäle öffnen → Ca²⁺-Einstrom → Exocytose → ACh diffundiert und bindet an ligandengesteuerte Kanäle → Na⁺-Einstrom → EPSP.
  • Beendigung:die Acetylcholinesterase spaltet ACh in Acetat und Cholin; Cholin wird zurückgeholt und zu neuem ACh verknüpft. Transmitter nur präsynaptisch, Rezeptoren nur postsynaptisch → Einbahnstraße; Verzögerung ≈ 0,5 ms.
  • EPSP:abgestufte Depolarisation der Postsynapse, deren Höhe von der ACh-Menge abhängt; ein AP entsteht erst, wenn am Axonhügel der Schwellenwert erreicht wird.
  • Motorische Endplatte:cholinerge Synapse zwischen Motoneuron und Muskelfaser; eine motorische Einheit = ein Motoneuron mit allen seinen Muskelfasern.
  • Endplattenpotenzial:EPSP der Muskelfaser, mehrfach größer als nötig (Sicherheitsfaktor): Jedes AP des Motoneurons löst ein Muskel-AP aus (1:1); das EPP selbst ist lokal und wird mit dem Abstand kleiner.
  • Agonist und Antagonist:ein Agonist aktiviert den Rezeptor wie der Transmitter (Nikotin), ein Antagonist blockiert ihn (Curare, kompetitiv).
  • Wirkung abgeschwächt:Botulinumtoxin (keine Exocytose) und Curare (Rezeptor blockiert) → schlaffe Lähmung, Tod durch Atemlähmung.
  • Wirkung verstärkt:α-Latrotoxin (alle Vesikel entleert), E 605 und Sarin (Acetylcholinesterase gehemmt) → Dauererregung, Krämpfe, dann Lähmung durch Dauerdepolarisation.
  • Gegenmittel:Atropin blockiert muskarinische ACh-Rezeptoren (Herz, Drüsen), nicht die Endplatte; Neostigmin hemmt die Acetylcholinesterase reversibel und hebt Curare auf.
Ca²⁺Na⁺123456EndknöpfchenSpaltpostsynaptische Zelle1AP erreicht das Endknöpfchen2Ca²⁺-Kanäle öffnen, Ca²⁺ strömt ein3Exocytose: ACh gelangt in den Spalt4ACh bindet, Na⁺ strömt ein → EPSP5Acetylcholinesterase spaltet ACh6Cholin wird zurückgeholtAChCa²⁺-KanalEnzym
Erregungsübertragung an einer cholinergen Synapse (Schema)
Übertragung an der Synapse
AP → Ca²⁺-Einstrom → Exocytose → ACh bindet → Na⁺-Einstrom → EPSP
synaptische Verzögerung ≈ 0,5 ms · Endplatte: jedes Motoneuron-AP → ein Muskel-AP · Gift schwächt die ACh-Wirkung → schlaffe Lähmung; Gift verstärkt sie → Krämpfe, dann Lähmung.

Drei Fragen an jedes Gift

Wo greift der Stoff an — Freisetzung, Rezeptor oder Abbau? Wird die ACh-Wirkung dadurch verstärkt oder abgeschwächt? Daraus folgt, ob der Muskel verkrampft oder erschlafft.

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6.3 Codierung und Sinne

Die Stärke eines Signals steckt mal in der Höhe eines Potenzials, mal im Takt der Aktionspotenziale — und Sinneszellen stehen am Anfang dieser Kette.

  • Amplitudencodierung:bei abgestuften Potenzialen (Rezeptorpotenzial, EPSP, EPP) steckt die Stärke in der Höhe; sie breiten sich nur passiv aus und werden dabei kleiner.
  • Frequenzcodierung:am Axon sind alle APs gleich hoch; die Stärke steckt in der AP-Frequenz (Hz), die Dauer in der Dauer der AP-Folge; die Refraktärzeit begrenzt die Höchstfrequenz.
  • Umcodierung:Axonhügel: Amplitude → Frequenz; Endknöpfchen: Frequenz → Transmittermenge → Amplitude des EPSP.
  • Reiz und Sinneszelle:Sinneszellen sind auf ihren adäquaten Reiz spezialisiert (Foto-, Mechano-, Chemo-, Thermorezeptoren); ein inadäquater Reiz wirkt nur stark, gemeldet wird trotzdem die „eigene“ Empfindung.
  • Reizschwelle:kleinste Reizstärke, die gerade noch eine Erregung auslöst.
  • Transduktion:der Reiz öffnet Ionenkanäle, Kationen strömen ein: Das Rezeptorpotenzial ist eine abgestufte Depolarisation, die etwa logarithmisch mit der Reizstärke wächst.
  • Transformation:am Axonanfang wird das Rezeptorpotenzial in eine AP-Frequenz übersetzt: je größer das Rezeptorpotenzial, desto höher die Frequenz.
  • Adaptation:bei gleichbleibendem Reiz sinken Rezeptorpotenzial und AP-Frequenz; die Sinneszelle bleibt voll funktionsfähig.
  • Tonisch und phasisch:tonische Rezeptoren adaptieren langsam und melden Stärke und Dauer, phasische adaptieren rasch und melden vor allem Änderungen (Pacini-Körperchen).
ReizRezeptorpotenzial(Amplitude)Aktionspotenziale(Frequenz)schwacher Reizstarker Reiz
Amplituden- und Frequenzcodierung eines schwachen und eines starken Reizes (Schema)
ReiztonischerRezeptorphasischerRezeptormeldet Stärke und Dauermeldet nur die ÄnderungZeit →
Tonischer und phasischer Rezeptor bei gleichbleibendem Reiz (Schema)
Codierung
\(f=\dfrac{n}{\Delta t}\) · \(f_\text{max}\approx\dfrac{1}{t_\text{refraktär}}\)
n = Zahl der APs im Zeitabschnitt Δt (in s), f in Hz · Reiz → Transduktion → Rezeptorpotenzial (Amplitude) → Transformation → AP-Frequenz.

Transduktion oder Transformation?

Transduktion wandelt die Energieform: Reiz → Rezeptorpotenzial. Transformation wechselt den Code: Amplitude des Rezeptorpotenzials → AP-Frequenz.

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Die Regeln, an denen die Punkte hängen

Diese drei Stellen kosten in der Klausur am häufigsten Punkte.

Messkurven erst beschreiben, dann deuten

Achsen, Einheiten und markante Werte (Ruhepotenzial, Spitze, Zeitpunkte) nennen, bevor Sie Ionenströme erklären. Wer sofort deutet, verschenkt die Belege aus dem Material.

Jeden Ionenstrom begründen

Für jede Ionenart Konzentrations- und Ladungsgefälle angeben und sagen, welcher Kanal offen ist. „Na⁺ strömt ein“ allein bringt keinen vollen Punkt.

Ort und Code zusammen nennen

Sagen Sie immer, wo etwas passiert: Dendrit und Postsynapse arbeiten mit Amplituden, das Axon mit Frequenzen, der Axonhügel verrechnet. So lassen sich Messstellen sicher zuordnen.