Aufgabenblock — AFB III
Zehn Aufgaben zum Beurteilen, Planen und Stellungnehmen. Lösen Sie zuerst die Auswahl, formulieren Sie Ihre Antwort dann in eigenen Worten und vergleichen Sie erst danach mit der Musterlösung.
„Neuro-Kalium forte: Kalium ist das wichtigste Ion Ihrer Nerven! Zwei Kapseln täglich sorgen für mehr Kalium an Ihren Nervenzellen — für blitzschnelle Nervenleitung und spürbar kürzere Reaktionszeiten.“ Studien werden nicht genannt.
Beurteilen Sie das Werbeversprechen: Markieren Sie alle zutreffenden Urteile.
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Musterlösung: Das Versprechen verwechselt die Bedeutung von K⁺ für das Ruhepotenzial mit der Leitungsgeschwindigkeit. Wie schnell ein AP läuft, hängt von der Myelinscheide (saltatorische Leitung) und vom Axondurchmesser ab. Die Höhe der APs ist nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip ohnehin fest.
Stiege die K⁺-Konzentration außen tatsächlich, würde das K⁺-Gefälle kleiner, die Zellen würden depolarisiert — mit Risiken für Nerven und Herz. Weil zudem keine kontrollierte Studie genannt wird, ist das Versprechen fachlich nicht haltbar und als Werbung ohne Beleg abzulehnen.
Überprüfen Sie, ob die Schlussfolgerung jeweils aus dem Befund folgt.
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Musterlösung: Gültig sind die Schlüsse zu TTX, zur Frequenzcodierung und zu Curare: Jeweils schließt der Befund die Alternativen aus — bei Curare zeigt die direkte Reizung, dass die Muskelfaser selbst noch erregbar ist.
Ungültig ist der Schluss auf einen großen Durchmesser, weil auch dünne markhaltige Axone 80 m/s erreichen. Ca²⁺ ist nur der Auslöser der Exocytose, nicht der Transmitter. Eine sinkende AP-Frequenz bei gleichbleibendem Reiz ist Adaptation und kein Hinweis auf einen Schaden.
Taucht plötzlich ein Hindernis auf, vergehen bis zum Tritt auf die Bremse im Mittel etwa 0,7 s. Die Erregung für den Fuß läuft über Axone von insgesamt rund 1,2 m Länge mit etwa 60 m/s. Ein Anbieter wirbt: „Mit unserem Nerven-Training leiten Ihre Nerven schneller — so bremsen Sie viel früher!“
Nehmen Sie Stellung zu der Behauptung. Berechnen Sie dazu zuerst die Größen in der Tabelle.
| Größe | Ergebnis |
|---|---|
| Leitungszeit vom Gehirn zum Fuß in ms | |
| Anteil der Leitungszeit an der Reaktionszeit in % | |
| Restzeit für Wahrnehmen, Verarbeiten und Entscheiden in ms | |
| Zeitgewinn, wenn die Axone 10 % schneller leiteten, in ms |
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Musterlösung: Die Leitung vom Gehirn zum Fuß dauert nur etwa 20 ms, knapp 3 % der Reaktionszeit von 0,7 s. Selbst 10 % schnellere Axone brächten weniger als 2 ms — beim Bremsen aus 50 km/h entspricht das rund 2,5 cm Weg.
Die übrigen rund 680 ms entfallen auf Wahrnehmen, Erkennen, Entscheiden und Bewegungsplanung im Gehirn, also auf die Verarbeitung an sehr vielen Synapsen. Die Behauptung ist daher nicht haltbar: Training kann die Reaktionszeit verkürzen, aber über schnellere Verarbeitung und Übung, nicht über schnellere Nervenleitung. Zudem nennt die Werbung keinen Beleg.
Planen Sie einen Versuch, der klärt, ob Stoff Y am Axon, an der Endplatte oder an der Muskelfaser angreift. Bringen Sie die Schritte in eine sinnvolle Reihenfolge.
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Musterlösung: Nach den Hypothesen wird ein Nerv-Muskel-Präparat vorbereitet. Die Kontrollmessung ohne Y zeigt normales Nerven-AP, Endplattenpotenzial und Zuckung. Dann wird Y zugegeben und mit gleicher Reizstärke gereizt.
Bleibt die Zuckung aus, wird geprüft, wo die Kette abreißt: Fehlt schon das Nerven-AP, wirkt Y am Axon. Läuft das AP, fehlt aber das Endplattenpotenzial, wirkt Y an der Endplatte. Ist beides vorhanden, doch die Faser zuckt auch bei direkter Reizung nicht, liegt der Angriffsort in der Muskelfaser.
Frau K. klagt über Kribbeln und Taubheit in beiden Füßen. Ein Beinnerv wird nacheinander an zwei Stellen gereizt, die Antwort wird jeweils an einem Fußmuskel abgeleitet. Aus Abstand und Zeitdifferenz ergibt sich die Leitungsgeschwindigkeit. Die Messung erfasst die Summe der APs vieler Axone des Nervs (Summenpotenzial).
Entwickeln Sie Schritt für Schritt eine begründete Hypothese zur Ursache der Beschwerden.
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Musterlösung: Die halbierte Leitungsgeschwindigkeit bei normal großem Summenpotenzial spricht für eine Schädigung der Myelinscheiden: Die Axone sind vorhanden, leiten aber langsamer, weil die Ausgleichsströme unter der geschädigten Hülle versickern und die Schnürringe verspätet den Schwellenwert erreichen.
Weil die Geschwindigkeit aus der Zeitdifferenz zweier Reizorte berechnet wird, spielen Endplatte und Muskel keine Rolle. Ein Verlust ganzer Axone zeigte sich dagegen vor allem an einem kleineren Summenpotenzial. Zur Absicherung wären weitere Nerven und Verlaufsmessungen nötig.
Widerlegen Sie jede Aussage, indem Sie das passende Gegenbeispiel wählen.
| Aussage | Gegenbeispiel |
|---|---|
| „Jedes elektrische Signal im Nervensystem folgt dem Alles-oder-Nichts-Prinzip.“ | |
| „Von Zelle zu Zelle wird die Erregung immer elektrisch weitergegeben.“ | |
| „Ein dünneres Axon leitet immer langsamer als ein dickeres.“ | |
| „Sinneszellen melden einen gleichbleibenden Reiz, solange er andauert, gleich stark.“ |
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Musterlösung: „Alles-oder-Nichts“: Das EPSP ist abgestuft und wächst mit der Transmittermenge — es gilt nur für APs. „Immer elektrisch“: An der Endplatte überträgt ACh die Erregung chemisch über den Spalt.
„Dünner = langsamer“: Ein 10 µm dünnes markhaltiges Axon leitet mit saltatorischer Leitung schneller als das marklose Riesenaxon des Tintenfischs (≈ 25 m/s). „Gleich starke Meldung“: Phasische Rezeptoren adaptieren rasch und melden vor allem Änderungen.
Diskutieren Sie die These „Markhaltige Axone sind marklosen in jeder Hinsicht überlegen.“, indem Sie die Argumente zuordnen.
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Musterlösung: Für die These sprechen die hohe Geschwindigkeit, der geringere ATP-Bedarf, weil Ionen nur an den Schnürringen strömen, und der Platzvorteil dünner, schneller Axone. Deshalb sind lange Bahnen, die rasch leiten müssen, bei Wirbeltieren markhaltig.
Gegen „in jeder Hinsicht“ spricht, dass Myelin von Gliazellen gebildet und erhalten werden muss, dass die Leitung bei Entmarkung ganz ausfallen kann und dass sich auf sehr kurzen Wegen der Aufwand kaum lohnt. Fazit: Myelin ist dort überlegen, wo schnelle Leitung über weite Strecken zählt — nicht überall.
Hält man eine Hand einige Minuten in Eiswasser, fühlen sich die Finger taub an. Messungen zeigen: Sinkt die Temperatur eines Nervs, sinkt auch seine Leitungsgeschwindigkeit; nach dem Aufwärmen ist alles wie vorher.
Formulieren Sie eine Hypothese zur Beobachtung, indem Sie die Lücken füllen.
Wenn die des Nervs sinkt, dann öffnen sich die spannungsgesteuerten -Kanäle , weil in der Kälte alle Bewegungen von Proteinen verlangsamt sind. Der nächste erreicht deshalb später den , sodass die abnimmt.
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Musterlösung: Hypothese: Wenn die Temperatur eines Nervs sinkt, öffnen seine spannungsgesteuerten Na⁺-Kanäle langsamer, weil Konformationsänderungen von Proteinen — wie Enzymreaktionen — in der Kälte verlangsamt sind. Der nächste Schnürring erreicht später den Schwellenwert, die Leitungsgeschwindigkeit nimmt ab.
Prüfen ließe sich das mit der Leitungsgeschwindigkeit desselben Nervs bei verschiedenen Temperaturen: Sie müsste mit sinkender Temperatur abnehmen und nach dem Aufwärmen wieder den Ausgangswert erreichen. Die Taubheit entsteht zusätzlich, weil auch die Sinneszellen der Haut in der Kälte schwächer reagieren.
Entwickeln Sie eine vollständige Versuchslogik, indem Sie die Bausteine in die richtige Reihenfolge bringen. Zwei Bausteine gehören nicht dazu.
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Musterlösung: Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass ein zweiter Reiz nach 1 ms wirkungslos bleibt. Die Hypothese einer kurzen Unerregbarkeit führt zur Vorhersage, dass es einen Mindestabstand gibt und knapp darüber ein stärkerer Reiz nötig ist. Der Versuch variiert Abstand und Reizstärke systematisch.
Das Ergebnis (Modellwerte) unterscheidet zwei Bereiche: Unter 2 ms entsteht nie ein zweites AP — absolute Refraktärzeit durch inaktivierte Na⁺-Kanäle; zwischen 2 und 5 ms nur bei stärkerem Reiz — relative Refraktärzeit. Ermüdung über Sekunden oder höhere zweite APs widersprächen den Befunden und dem Alles-oder-Nichts-Prinzip.
Legen Sie für jede Frage fest, welche Messung sie am besten beantwortet.
| Frage | Membranpotenzial mit Mikroelektrode ableiten | Leitungsgeschwindigkeit mit zwei Elektroden messen | Muskelfaser direkt elektrisch reizen |
|---|---|---|---|
| Verändert ein Stoff das Ruhepotenzial? | |||
| Ist ein Axon myelinisiert? | |||
| Wirkt ein Gift an der Endplatte oder an der Muskelfaser? | |||
| Schädigt eine Krankheit das Myelin im Beinnerv? | |||
| Löst ein Transmitter an einem Neuron eine Hyperpolarisation aus? |
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Musterlösung: Ob ein Stoff das Ruhepotenzial verändert oder ob ein Transmitter hyperpolarisiert, zeigt nur die Ableitung des Membranpotenzials mit einer Mikroelektrode. Myelinisierung und Myelinschäden verraten sich über die Leitungsgeschwindigkeit, die mit zwei Elektroden aus Abstand und Zeitdifferenz bestimmt wird.
Ob ein Gift an der Endplatte oder an der Muskelfaser wirkt, klärt die direkte Reizung: Zuckt die Faser dann, ist sie selbst intakt, und der Angriffsort liegt an der Endplatte.
