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Typische Fehler

Pumpe, Alles-oder-Nichts, Synapse — die zwölf Stolperfallen, die in der Neurobiologie am meisten Punkte kosten.

Hier sind die 12 häufigsten Fehler aus Klausuren zur Neurobiologie — vom Ruhepotenzial über Aktionspotenzial und Erregungsleitung bis zu Synapse, Synapsengiften und Sinneszellen. Lesen Sie sie durch: Wer einen Fehler kennt, macht ihn seltener.

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Die 12 häufigsten Fehler

1Ionen durch die Lipidschicht

außeninnenK⁺K⁺Lipidschicht:kein DurchtrittK⁺-Kanal
Ionen brauchen einen Kanal.

So wird es oft notiert: „K⁺-Ionen diffundieren durch die Zellmembran nach außen.“

Richtig ist: Die Lipiddoppelschicht ist für geladene Teilchen praktisch undurchlässig, weil ihr Inneres hydrophob ist. Ionen gelangen nur durch Tunnelproteine: K⁺ durch K⁺-Kanäle, Na⁺ durch Na⁺-Kanäle, gegen das Gefälle durch Pumpen. Genau deshalb bestimmt die Zahl offener Kanäle, welche Ionen fließen.

Merksatz: Ionen passieren die Membran nur durch Kanal- oder Carrierproteine.

2Die Pumpe macht das AP

AktionspotenzialNa⁺-K⁺-PumpeNa⁺- und K⁺-Kanälein ≈ 1–2 msATP3 Na⁺2 K⁺hält die Gefälleüber Stunden
Schnell die Kanäle, langsam die Pumpe.

So wird es oft notiert: „Beim Aktionspotenzial pumpt die Na⁺-K⁺-Pumpe Na⁺ in die Zelle, danach pumpt sie K⁺ wieder hinaus.“

Richtig ist: Das AP entsteht durch spannungsgesteuerte Ionenkanäle: Na⁺ strömt passiv entlang seines Gefälles ein, danach strömt K⁺ passiv aus. Die Na⁺-K⁺-Pumpe arbeitet ständig und in umgekehrter Richtung (3 Na⁺ hinaus, 2 K⁺ hinein); sie ist viel zu langsam für ein AP und hält nur die Konzentrationsgefälle aufrecht.

Merksatz: Kanäle machen das AP, die Pumpe hält die Gefälle.

3Ruhe = kein Ionenfluss

außeninnenATPK⁺ strömt ausNa⁺ strömt einPumpepumpt zurück
Ruhe ist ein Fließgleichgewicht.

So wird es oft notiert: „Im Ruhezustand fließen keine Ionen über die Membran.“

Richtig ist: Auch in Ruhe strömt K⁺ durch Leckkanäle aus und Na⁺ in geringem Maß ein. Das Potenzial bleibt konstant, weil die Na⁺-K⁺-Pumpe die Ionen unter ATP-Verbrauch zurückbefördert: Ein- und Ausstrom jeder Ionenart sind gleich groß. Ohne Energiezufuhr bricht das Ruhepotenzial langsam zusammen.

Merksatz: Ruhepotenzial = Fließgleichgewicht, nicht Stillstand.

4Starker Reiz, großes AP

SchwelleReizkein APgleich hoch
Stärker heißt nicht höher.

So wird es oft notiert: „Ein stärkerer Reiz löst ein höheres Aktionspotenzial aus.“

Richtig ist: Das AP folgt dem Alles-oder-Nichts-Prinzip: Unterschwellige Reize lösen keines aus, jeder überschwellige Reiz ein stets gleich hohes. Die Stärke eines länger anhaltenden Reizes wird am Axon über die AP-Frequenz codiert — mehr APs je Sekunde, nicht größere.

Merksatz: Die Reizstärke steckt in der Frequenz, nicht in der Höhe.

5Na⁺ und K⁺ tauschen die Seiten

050100150vornachvornachK⁺ innenNa⁺ innenvor und nach einem AP (Modellwerte in mmol/L)mmol/L
Wenige Ionen genügen.

So wird es oft notiert: „Während des AP strömt so viel Na⁺ ein, dass innen danach mehr Na⁺ ist als außen.“

Richtig ist: Für die Umpolung genügt die Verschiebung eines winzigen Bruchteils der Ionen direkt an der Membran. Die Konzentrationen innen und außen ändern sich bei einem AP praktisch nicht; die Gefälle bleiben erhalten und werden langfristig von der Na⁺-K⁺-Pumpe gesichert. Deshalb kann ein Axon Tausende APs hintereinander bilden.

Merksatz: Das AP ändert die Spannung, kaum die Konzentrationen.

6Refraktär = hyperpolarisiert

absolutrelativ refraktärHyperpolarisationNa⁺-Kanäleinaktiviert
Refraktär schon beim Anstieg.

So wird es oft notiert: „Die Refraktärzeit ist die Hyperpolarisation: Weil das Potenzial so negativ ist, entsteht kein neues AP.“

Richtig ist: Die absolute Refraktärzeit beginnt schon während der Depolarisation, weil die spannungsgesteuerten Na⁺-Kanäle nach dem Öffnen inaktiviert werden; sie reicht bis in die Repolarisation. Die Hyperpolarisation entsteht durch langsam schließende K⁺-Kanäle und fällt nur mit einem Teil der relativen Refraktärzeit zusammen, in der ein stärkerer Reiz wieder ein AP auslöst.

Merksatz: Refraktär wegen inaktivierter Na⁺-Kanäle, hyperpolarisiert wegen offener K⁺-Kanäle.

7Die Myelinscheide leitet

Schnürring: Na⁺-Kanäle, hier entsteht das APMyelinscheide: isoliert, keine Kanäle
Erregt wird nur der Schnürring.

So wird es oft notiert: „Bei der saltatorischen Erregungsleitung wird die Myelinscheide erregt und leitet das AP weiter.“

Richtig ist: Die Myelinscheide besteht aus Membranlagen von Gliazellen; sie isoliert das Axon und enthält keine spannungsgesteuerten Kanäle. Unter ihr fließen nur Ausgleichsströme im Axon. Neue APs entstehen ausschließlich an den Ranvier-Schnürringen, wo die Axonmembran frei liegt und dicht mit Na⁺-Kanälen besetzt ist.

Merksatz: Myelin isoliert, der Schnürring erregt sich.

8Die Synapse leitet rückwärts

✓Transmitter nur hierRezeptoren nur hier
Die Synapse ist eine Einbahnstraße.

So wird es oft notiert: „Wird die Muskelfaser gereizt, läuft die Erregung über die Endplatte zurück ins Motoneuron.“

Richtig ist: Ein AP kann sich zwar entlang eines Axons in beide Richtungen ausbreiten, wenn man es in der Mitte reizt. An der chemischen Synapse ist jedoch Schluss: Transmitter-Vesikel gibt es nur im präsynaptischen Endknöpfchen, Rezeptoren nur in der postsynaptischen Membran. Eine Übertragung von der Postsynapse zurück ist deshalb nicht möglich.

Merksatz: Vesikel nur vorn, Rezeptoren nur hinten — die Synapse richtet die Erregung.

9ACh gelangt in die Zelle

außen (Spalt)innenACh bleibt außenNa⁺nur Na⁺ gelangt hineinAcetat+ CholinAcetylcholinesterase
Der Botenstoff klopft nur an.

So wird es oft notiert: „Acetylcholin wandert durch den Spalt in die Muskelfaser und löst dort das AP aus.“

Richtig ist: ACh bindet außen an die Rezeptoren der postsynaptischen Membran; diese sind ligandengesteuerte Ionenkanäle. Durch die geöffneten Kanäle strömt Na⁺ ein, nicht das ACh. Das ACh bleibt im Spalt und wird dort von der Acetylcholinesterase in Acetat und Cholin gespalten; Cholin wird ins Endknöpfchen zurückgeholt.

Merksatz: ACh öffnet den Kanal — hindurch strömt Na⁺.

10Das EPP ist ein AP

EPP (mit Curare)Muskel-AP0 mm0 mm1 mm1 mm2 mm2 mmwird kleinerbleibt gleich
Das EPP wird unterwegs kleiner.

So wird es oft notiert: „Das Endplattenpotenzial ist das Aktionspotenzial der Muskelfaser.“

Richtig ist: Das Endplattenpotenzial entsteht an ligandengesteuerten ACh-Rezeptoren. Es ist abgestuft (kleiner mit Curare) und lokal: Es breitet sich nur passiv aus und wird mit dem Abstand zur Endplatte kleiner. Erst wenn es neben der Endplatte den Schwellenwert erreicht, öffnen spannungsgesteuerte Na⁺-Kanäle, und das Muskel-AP läuft ungeschwächt über die ganze Faser.

Merksatz: EPP = abgestuft und lokal; Muskel-AP = Alles-oder-Nichts.

11Jedes Synapsengift lähmt

ACh-WirkungabgeschwächtACh-WirkungverstärktBotulinumtoxinCurareE 605, SarinNikotinα-Latrotoxinschlaffe LähmungKrämpfe,dann Lähmung
Erst fragen: stärker oder schwächer?

So wird es oft notiert: „E 605 blockiert die Synapse, deshalb ist der Muskel sofort gelähmt — wie bei Curare.“

Richtig ist: Curare blockiert die ACh-Rezeptoren, Botulinumtoxin die Freisetzung: Die ACh-Wirkung fällt aus, es folgt eine schlaffe Lähmung. E 605 und Sarin hemmen dagegen die Acetylcholinesterase: ACh bleibt im Spalt, die Muskeln werden dauernd erregt und verkrampfen. Erst weil die Membran dauerhaft depolarisiert bleibt und die Na⁺-Kanäle inaktiviert sind, folgt später eine Lähmung.

Merksatz: ACh-Wirkung schwächer → Lähmung; stärker → erst Krampf, dann Lähmung.

12Adaptation = Ermüdung

ReizAPsFrequenz sinktReiz steigt:sofort wieder schnell
Adaptiert heißt nicht erschöpft.

So wird es oft notiert: „Die AP-Frequenz des Druckrezeptors sinkt, weil der Sinneszelle nach einiger Zeit die Energie ausgeht.“

Richtig ist: Adaptation ist eine Eigenschaft der Sinneszelle: Bei gleichbleibendem Reiz sinken Rezeptorpotenzial und AP-Frequenz. Ändert sich der Reiz, reagiert die Zelle sofort wieder mit hoher Frequenz. So werden gleichbleibende Reize ausgeblendet und Änderungen hervorgehoben; tonische Rezeptoren adaptieren langsam, phasische schnell.

Merksatz: Adaptation blendet Gleichbleibendes aus — Neues wird sofort gemeldet.