Aufgabenblock — AFB III
Zehn Aufgaben zum Beurteilen, Planen und Stellungnehmen. Lösen Sie zuerst die Auswahl, formulieren Sie Ihre Antwort dann in eigenen Worten und vergleichen Sie erst danach mit der Musterlösung.
Jonas (16) hat Mukoviszidose, homozygot für ΔF508.
A CFTR-Modulator als Tablette: verbessert Faltung und Öffnung des Kanals.
B Inhalation von AAV-Vektoren mit einer intakten CFTR-Genkopie für die Epithelzellen der Atemwege.
C Korrektur des CFTR-Gens mit CRISPR/Cas9 im frühen Embryo.
Beurteilen Sie die drei Vorschläge: Markieren Sie alle zutreffenden Urteile.
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Musterlösung: A ist sinnvoll: Der Modulator hilft dem fehlgefalteten CFTR-Protein, in die Membran zu gelangen und Chlorid durchzulassen. Er wirkt auf Proteinebene; das Gen bleibt mutiert, die Tabletten müssen dauerhaft genommen werden.
B setzt an der Ursache an, aber nur in den erreichten Zellen. Da Atemwegsepithel ständig erneuert wird und AAV-Genkopien nicht mitgeteilt werden, müsste die Inhalation wiederholt werden. Als somatische Therapie wird sie nicht vererbt. C betrifft nur Embryonen, hilft Jonas also nicht, und ist in Deutschland nach dem Embryonenschutzgesetz verboten. Urteil: A ist derzeit die praktikable Wahl, B eine mögliche Ergänzung, C ungeeignet.
Eine alte Lehrbuchregel lautet: „Jedes Gen codiert genau ein Protein.“ Nehmen Sie Stellung zur These: Prüfen Sie zuerst jede Aussage, die in Ihre Stellungnahme eingehen soll.
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Musterlösung: Die These beschreibt den Grundgedanken der Genexpression — ein Genabschnitt wird transkribiert und in eine Polypeptidkette übersetzt — und war historisch hilfreich. In ihrer strengen Form ist sie aber falsch: Durch alternatives Spleißen entstehen aus einem Gen mehrere Proteine (beim Menschen aus rund 20 000 Genen weit mehr Proteinvarianten). Gene für tRNA und rRNA liefern gar kein Protein. Umgekehrt setzt sich Hämoglobin aus Ketten verschiedener Gene zusammen.
Stellungnahme: Die These ist als Faustregel brauchbar, fachlich korrekt ist „Ein Gen — ein oder mehrere Genprodukte (RNA oder Polypeptid)“. Die Eindeutigkeit des genetischen Codes ist dafür kein Argument, denn sie betrifft nur die Zuordnung Codon → Aminosäure.
Eine Probe enthält 2000 Kopien der Zielsequenz eines Erregers. Das Gerät erkennt das Produkt ab 10⁹ Kopien. Ein Zyklus dauert 3 min; das Ergebnis soll nach höchstens 75 min vorliegen.
Legen Sie die nötige Zahl an Zyklen für den Idealfall und für den realistischen Fall fest und geben Sie die Dauer im Idealfall an.
| Festlegung | Ihre Angabe |
|---|---|
| Mindestzahl an Zyklen bei idealer Verdopplung | |
| Dauer dieser Zyklen in min | |
| Mindestzahl an Zyklen, wenn die Menge je Zyklus nur auf das 1,9-Fache steigt |
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Musterlösung: Im Idealfall verdoppelt jeder Zyklus die Menge: 2000 · 2ⁿ ≥ 10⁹ ⇒ 2ⁿ ≥ 500 000. Da 2¹⁸ = 262 144 zu klein und 2¹⁹ = 524 288 ausreichend ist, sind 19 Zyklen nötig, also 57 min.
Real ist die Effizienz geringer: 2000 · 1,9ⁿ ≥ 10⁹ ⇒ n ≥ 20,4, also 21 Zyklen (63 min). Festlegung: Man programmiert mindestens 21 Zyklen; das Ergebnis liegt dann innerhalb von 75 min vor. Mehr als etwa 30 Zyklen brächten wegen des Plateaus kaum Gewinn.
Ein Forschungsteam vermutet, dass ein Steroidhormon in Zellkulturen die Transkription von Gen X erhöht. Entwickeln Sie ein Experiment, mit dem sich das prüfen lässt — ordnen Sie dazu die Schritte.
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Musterlösung: Hypothese: Das Hormon erhöht die Transkription von Gen X. Drei gleichartige Zellkulturen werden unter gleichen Bedingungen gehalten; nur eine Größe wird verändert. Gruppe 1 erhält das Hormon, Gruppe 2 nur das Lösungsmittel (Negativkontrolle), Gruppe 3 Hormon und Transkriptionshemmstoff.
Nach gleicher Zeit wird die mRNA-Menge von Gen X gemessen. Steigt sie nur in Gruppe 1, nicht aber in 2 und 3, beruht der Anstieg auf vermehrter Transkription durch das Hormon — die Hypothese ist gestützt. Steigt sie auch in Gruppe 3, wirkt das Hormon auf eine andere Ebene, etwa die Stabilität der mRNA.
Widerlegen Sie jede Behauptung, indem Sie das passende Gegenbeispiel wählen.
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Musterlösung: „Jede Mutation schadet“: Eine stumme Substitution ändert das Codon, aber nicht die Aminosäure — ohne Folgen. „Mutationen werden immer vererbt“: Eine somatische Mutation, z. B. durch UV-Licht in einer Hautzelle, erreicht die Keimzellen nicht.
„Deletionen verschieben immer das Raster“: Bei ΔF508 fehlen genau drei Basenpaare, das Raster bleibt, nur ein Phenylalanin fehlt. „Allelträger sind krank“: Heterozygote für HbS sind meist gesund und sogar besser vor Malaria geschützt. „Gleiche Gene — gleiche Aktivität“: Eineiige Zwillinge unterscheiden sich mit dem Alter zunehmend in ihren Methylierungsmustern.
Lena (25) weiß, dass ihr Vater an Chorea Huntington erkrankt ist, einer autosomal-dominant vererbten Erkrankung des Gehirns, die meist zwischen 35 und 50 Jahren ausbricht und bislang nicht heilbar ist. Soll sie einen prädiktiven Gentest machen?
Diskutieren Sie Lenas Frage: Ordnen Sie zuerst die Argumente.
| Merkmal | spricht für den Test | spricht gegen den Test | fachlich falsch |
|---|---|---|---|
| Ein Ergebnis ermöglicht Lebens- und Familienplanung. | |||
| Ein positives Ergebnis kann stark belasten, weil es keine Heilung gibt. | |||
| Ein negatives Ergebnis befreit von jahrelanger Unsicherheit. | |||
| Ein positives Ergebnis verrät auch etwas über Verwandte, die nichts wissen wollen. | |||
| Bei positivem Ergebnis verhindert eine Gentherapie die Krankheit sicher. | |||
| Da Lenas Vater erkrankt ist, trägt sie das Allel mit Sicherheit. |
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Musterlösung: Fachlich: Der Vater ist heterozygot, Lena hat das Allel mit 50 % Wahrscheinlichkeit geerbt; eine heilende Gentherapie gibt es nicht. Für den Test spricht, dass ein Ergebnis Klarheit für Beruf, Partnerschaft und Kinderwunsch schafft und ein negatives Ergebnis entlastet.
Dagegen spricht das Recht auf Nichtwissen: Ein positives Ergebnis ohne Behandlungsmöglichkeit kann schwer belasten; außerdem erfahren Geschwister indirekt etwas über ihr eigenes Risiko. Das Gendiagnostikgesetz schreibt deshalb eine genetische Beratung vor. Die Entscheidung trifft Lena selbstbestimmt — es gibt kein allgemein richtiges Ergebnis.
Die CRISPR-Therapie Casgevy gegen Sichelzellkrankheit (EU-Zulassung 2024, ab 12 Jahren) kostet pro Person rund zwei Millionen Euro. Blutstammzellen werden entnommen, ex vivo verändert und nach einer Chemotherapie zurückgegeben. Die meisten Erkrankten leben in Afrika südlich der Sahara.
Bewerten Sie die Therapie, indem Sie jede Aussage dem ethischen Kriterium zuordnen, das sie berührt.
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Musterlösung: Aus Sicht der Fürsorge ist die Therapie ein großer Fortschritt: Sie kann Schmerzkrisen und Organschäden verhindern. Nach dem Nichtschadensprinzip sind die belastende Chemotherapie mit möglicher Unfruchtbarkeit und unklare Langzeitfolgen von Off-Target-Schnitten zu bedenken; die Autonomie verlangt gründliche Aufklärung, auch Jugendlicher.
Am schwersten wiegt das Kriterium Gerechtigkeit: Bei rund zwei Millionen Euro erreicht die Therapie gerade die Länder mit den meisten Erkrankten kaum. Bewertung: medizinisch sinnvoll und für Einzelne gerechtfertigt, als Lösung für die Sichelzellkrankheit weltweit aber erst, wenn Preis und Verfahren den Zugang für alle ermöglichen.
In einer Schule gibt es einen Verdacht auf Masern. Masernviren enthalten RNA. Planen Sie den Nachweis per PCR, indem Sie die Elemente Ihrer Planung festlegen.
| Element | Ihre Planung |
|---|---|
| Probe | |
| erster Schritt im Labor | |
| Primer | |
| Negativkontrolle | |
| Positivkontrolle | |
| Auswertung |
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Musterlösung: Probe ist ein Rachenabstrich der erkrankten Person, da sich das Virus in den Atemwegen vermehrt. Weil das Virusgenom aus RNA besteht, schreibt die reverse Transkriptase es zuerst in DNA um. Die Primer passen zu einer Sequenz, die nur im Masernvirus vorkommt, sodass menschliche DNA nicht vervielfältigt wird.
Eine Negativkontrolle mit Wasser zeigt, ob Reagenzien verunreinigt sind; eine Positivkontrolle mit bekannter Masern-DNA zeigt, dass die Reaktion funktioniert. Anschließend werden die Produkte neben einem Größenmarker im Gel getrennt: Eine Bande der erwarteten Länge nur in Probe und Positivkontrolle bestätigt die Infektion.
Codogener Strang: 3′-TAC CGA AAT GTC ATT-5′
Tims mRNA: 5′-AUG GCU UUA CAG UAA-3′ → Met – Ala – Leu – Gln – Stopp
Tims Behauptung: „Wird im dritten Codon das A durch G ersetzt (UUA → UUG), entsteht ein anderes Peptid.“
Überprüfen Sie Tims Lösung und seine Behauptung, indem Sie den Lückentext vervollständigen — drei Wörter bleiben übrig.
Die mRNA ist abgeleitet, denn sie ist und antiparallel zum codogenen Strang und enthält U statt T. Auch die Übersetzung . Die Behauptung ist dagegen : UUG codiert ebenso wie UUA . Es handelt sich um eine Mutation — möglich, weil der genetische Code ist.
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Musterlösung: Die RNA-Polymerase liest den codogenen Strang 3′→5′ und baut die mRNA komplementär und antiparallel auf: 5′-AUG GCU UUA CAG UAA-3′ — Tims mRNA ist korrekt. Übersetzt ergibt sich Met–Ala–Leu–Gln, dann Stopp; auch das stimmt.
Die Behauptung ist falsch: UUG codiert wie UUA die Aminosäure Leucin. Die Substitution ist eine stumme Mutation; das Peptid bleibt gleich, weil der genetische Code degeneriert ist und Leucin von sechs Codons codiert wird.
Formulieren Sie präzise die Bedingung, unter der ein X-chromosomal-rezessiver Erbgang ausgeschlossen ist, indem Sie sie aus Bausteinen zusammensetzen.
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Musterlösung: „Ein X-chromosomal-rezessiver Erbgang ist ausgeschlossen, wenn eine erkrankte Frau einen gesunden Sohn oder einen gesunden Vater hat.“
Begründung: Eine erkrankte Frau muss XᵃXᵃ sein. Ihre Söhne erhalten eines ihrer X-Chromosomen und wären als Männer (XᵃY) krank; ihr Vater hat ihr sein einziges X-Chromosom vererbt und wäre ebenfalls krank. Ein gesunder Sohn oder Vater widerspricht dem also. Eine gesunde Tochter eines erkrankten Mannes schließt den Erbgang dagegen nicht aus — sie ist Anlageträgerin.
