Hier sind die 12 häufigsten Fehler aus Klausuren zur Molekulargenetik — von Strangrichtung und Code-Sonne über Mutationen bis zu PCR, Stammbaum und CRISPR. Lesen Sie sie durch: Wer einen Fehler kennt, macht ihn seltener.
Die 12 häufigsten Fehler
1mRNA = Kopie des codogenen Strangs
So wird es oft notiert: „Die mRNA ist eine Kopie des codogenen Strangs, nur mit U statt T.“
Richtig ist: Die RNA-Polymerase liest den codogenen Strang als Matrize und baut die mRNA komplementär und antiparallel dazu. Die gleiche Basenfolge (mit U statt T) hat der codierende Strang.
Merksatz: Codogen = Matrize, codierend = gleiche Sequenz.2Neue Stränge wachsen 3′→5′
So wird es oft notiert: „Am Folgestrang arbeitet die DNA-Polymerase in 3′→5′-Richtung.“
Richtig ist: Die DNA-Polymerase hängt Nucleotide nur an ein freies 3′-OH-Ende. Jeder neue Strang wächst 5′→3′, die Matrize wird 3′→5′ gelesen; deshalb entsteht der Folgestrang in Okazaki-Fragmenten mit jeweils neuem Primer.
Merksatz: Neu immer 5′→3′ — bei Replikation, Transkription und PCR.3Code-Sonne mit DNA-Tripletts
So wird es oft notiert: „Das Triplett 3′-TAC-5′ im codogenen Strang codiert Tyrosin.“
Richtig ist: Die Code-Sonne gilt nur für mRNA-Codons, gelesen 5′→3′. Aus 3′-TAC-5′ wird die mRNA 5′-AUG-3′ — das Startcodon für Methionin.
Merksatz: Code-Sonne nur mit mRNA-Codons.4Spleißen entfernt die Exons
So wird es oft notiert: „Beim Spleißen werden die Exons herausgeschnitten; die Introns bleiben als Bauplan übrig.“
Richtig ist: Das Spleißosom schneidet die Introns heraus und verknüpft die Exons zur reifen mRNA (mit Cap und Poly-A-Schwanz). Beim alternativen Spleißen werden Exons verschieden kombiniert — ein Gen, mehrere Proteine.
Merksatz: Exons werden exprimiert, Introns entfernt.5Jede Punktmutation ändert das Protein
So wird es oft notiert: „Eine Substitution führt immer zu einer anderen Aminosäure.“
Richtig ist: Weil der Code degeneriert ist, kann das neue Codon dieselbe Aminosäure codieren (stumme Mutation), z. B. GAA → GAG, beides Glutaminsäure — besonders oft an der 3. Base. Sonst entsteht Missense (andere Aminosäure) oder Nonsense (Stopp).
Merksatz: Substitution: stumm, Missense oder Nonsense — im Code nachsehen.6Jede Deletion verschiebt das Raster
So wird es oft notiert: „Bei ΔF508 fehlen drei Basen — das Leseraster ist verschoben, alle folgenden Aminosäuren sind falsch.“
Richtig ist: Fehlen drei Basen (oder ein Vielfaches davon), bleibt das Raster erhalten: Dem Protein fehlt eine Aminosäure, bei ΔF508 das Phenylalanin. Nur Insertionen oder Deletionen von 1, 2, 4 … Basen verschieben das Raster.
Merksatz: Durch 3 teilbar → Raster bleibt.7Methylierung ist eine Mutation
So wird es oft notiert: „Durch die Methylierung wird Cytosin zu einer anderen Base — das Gen ist mutiert.“
Richtig ist: Die Methylgruppe hängt nur an Cytosin; die Basenfolge bleibt gleich. Das Gen wird schlechter abgelesen (epigenetisch). Das Muster wird bei Zellteilungen weitergegeben und kann sich durch Umwelteinflüsse ändern.
Merksatz: Epigenetisch: Aktivität ändert sich, Sequenz nicht.8Jede Mutation wird vererbt
So wird es oft notiert: „Die durch UV-Strahlung mutierten Hautzellen gibt man an seine Kinder weiter.“
Richtig ist: Somatische Mutationen betreffen nur die Zellen, die aus der mutierten Körperzelle hervorgehen. An Nachkommen gelangen nur Keimbahnmutationen in Ei- oder Samenzellen bzw. deren Vorläufern.
Merksatz: Somatisch bleibt im Körper, Keimbahn geht weiter.9Lange Fragmente wandern weiter
So wird es oft notiert: „DNA wandert zum Minuspol; lange Fragmente kommen am weitesten, weil sie mehr Ladung tragen.“
Richtig ist: Die Phosphatreste machen DNA negativ, sie wandert zum Pluspol. Die Ladung je Nucleotid ist gleich, deshalb entscheidet die Länge: Kurze Fragmente schlüpfen leichter durch das Gel und wandern weiter. Die Länge liest man am Größenmarker ab.
Merksatz: Kurz kommt weit — DNA läuft zum Plus.10PCR: sofort 2ⁿ Zielfragmente
So wird es oft notiert: „Nach dem ersten Zyklus liegen zwei Zielfragmente vor; nach n Zyklen sind es genau 2ⁿ.“
Richtig ist: In Zyklus 1 und 2 entstehen nur zu lange Stränge. Genau von Primer zu Primer reichende Doppelstränge gibt es erst ab Zyklus 3; ihre Zahl ist 2ⁿ − 2n je Ausgangsmolekül und nähert sich 2ⁿ erst bei vielen Zyklen. Später begrenzen Primer, dNTPs und Enzym (Plateau).
Merksatz: 2ⁿ zählt alle Doppelstränge, Zielfragmente: 2ⁿ − 2n.11Gesundes Geschwister: ½ Anlageträger
So wird es oft notiert: „Die gesunde Schwester eines Erkrankten (Eltern Aa × Aa) ist mit der Wahrscheinlichkeit ½ Anlageträgerin.“
Richtig ist: Bei Aa × Aa ist das Verhältnis AA : Aa : aa = 1 : 2 : 1. Weil die Schwester gesund ist, entfällt aa; von den drei verbleibenden Feldern sind zwei Aa. Also P(Aa) = 2/3.
Merksatz: Gesund bekannt → Nenner 3.12Die Guide-RNA schneidet
So wird es oft notiert: „Die Guide-RNA schneidet die DNA; danach repariert die Zelle den Bruch fehlerfrei.“
Richtig ist: Die Guide-RNA paart mit dem Zielabschnitt und führt Cas9 dorthin; Cas9 schneidet beide Stränge — nur wenn eine PAM (5′-NGG-3′) folgt. NHEJ verknüpft die Enden fehleranfällig (Gen aus); gezielt ersetzt wird eine Sequenz nur per HDR mit Vorlage.
Merksatz: Guide-RNA findet, Cas9 schneidet, NHEJ zerstört, HDR ersetzt.