Gene gezielt anschalten
Alle Körperzellen eines Menschen gehen durch Mitose aus der Zygote hervor und tragen dieselben Gene. Welche Proteine eine Zelle bildet, hängt davon ab, welche Gene sie abliest — und das lässt sich von außen steuern.
- Genexpression:Umsetzung der Information eines Gens in ein Genprodukt (RNA, Protein) über Transkription und Translation.
- Promotor:DNA-Abschnitt vor einem Gen, an den die RNA-Polymerase bindet; dort beginnt die Transkription.
- Transkriptionsfaktoren:Proteine, die an bestimmte DNA-Sequenzen binden und die Transkription eines Gens fördern (Aktivatoren) oder hemmen (Repressoren).
- Steroidhormone:z. B. Cortisol, Östrogen, Testosteron; lipophil, diffundieren deshalb durch die Zellmembran und binden an einen Rezeptor im Cytoplasma oder Zellkern.
- Hormon-Rezeptor-Komplex:gelangt in den Zellkern und bindet an ein Hormon-Response-Element (HRE), eine kurze DNA-Sequenz vor dem Promotor der Zielgene — er wirkt selbst als Transkriptionsfaktor.
- Wirkung:Der Komplex erleichtert die Bindung der RNA-Polymerase am Promotor; das Zielgen wird verstärkt transkribiert, die Zelle bildet mehr des codierten Proteins.
- Zielzellen:Nur Zellen mit passendem Rezeptor reagieren — ein Hormon im Blut wirkt so gezielt auf bestimmte Gewebe.
- Zelldifferenzierung:Zellen spezialisieren sich, indem sie unterschiedliche Gene exprimieren — bei identischem Genom.
Steroidhormon als Transkriptionsfaktor: Hormon + Rezeptor in der Zelle → Komplex bindet an das HRE der DNA → RNA-Polymerase transkribiert das Zielgen
Gene dauerhaft stummschalten
Neben kurzfristigen Signalen gibt es chemische Markierungen, die festlegen, welche Gene über viele Zellteilungen abgeschaltet bleiben — ohne dass sich die Basenfolge ändert.
- DNA-Methylierung:Enzyme (DNA-Methyltransferasen) hängen Methylgruppen (–CH₃) an Cytosin, vor allem an CpG-Stellen: ein C, auf das im selben Strang ein G folgt.
- Methylierter Promotor:Transkriptionsfaktoren und RNA-Polymerase binden schlechter; das Gen wird nicht transkribiert — es ist stumm.
- Weitergabe:Nach der Replikation übertragen Methyltransferasen das Muster auf den neuen Strang; Tochterzellen erben es.
- Umwelteinfluss:Ernährung, Stress oder Schadstoffe verändern Methylierungsmuster, teils dauerhaft; die Basensequenz bleibt dabei gleich.
- Epigenetik:Forschung zu vererbbaren Veränderungen der Genaktivität, die nicht auf einer Änderung der Basensequenz beruhen.
- Honigbiene:Königin und Arbeiterinnen haben dasselbe Genom. Larven, die mit Gelée royale gefüttert werden, werden Königinnen; wird eine Methyltransferase in Larven experimentell ausgeschaltet, entstehen ebenfalls vermehrt Königinnen (KUCHARSKI et al. 2008).
- Eineiige Zwillinge:gleiche Basensequenz, aber mit zunehmendem Alter immer verschiedenere Methylierungsmuster, besonders bei unterschiedlicher Lebensweise (FRAGA et al. 2005).
Ziehe Cortisol durch die Membran zum Rezeptor und den Hormon-Rezeptor-Komplex an das HRE — schaltet das Gen an? Setze dann Methylgruppen auf die CpG-Stellen im Promotor. Mit der Tastatur: Tab zu einem Objekt, Pfeiltasten bewegen es.
Halte fest: Das Hormon schaltet ein Gen nur in Zielzellen mit Rezeptor an. Ist der Promotor methyliert, bleibt das Gen trotz Hormon stumm — die Methylierung überstimmt das kurzfristige Signal.
DNA-Methylierung: methylierte CpG-Stellen im Promotor → Gen stumm; das Muster wird bei Zellteilungen weitergegeben und von der Umwelt beeinflusst
Allgemeine Hinweise
Rezeptor im Zellinneren
Steroidhormone binden nicht an Rezeptoren der Zellmembran, sondern an Rezeptoren im Cytoplasma oder Zellkern. Hydrophile Peptidhormone wie Insulin wirken dagegen über Membranrezeptoren.
Methylierung ist keine Mutation
Eine Methylgruppe verändert die Basensequenz nicht — Cytosin bleibt Cytosin. Deshalb ist die Methylierung grundsätzlich umkehrbar, eine Mutation dagegen nicht.
Gleiche Gene, andere Proteine
Unterschiede zwischen Zelltypen eines Organismus erklären Sie über die Genexpression, nicht über unterschiedliche Gene. Nennen Sie dabei, welche Gene abgelesen und welche abgeschaltet sind.
