Hilfsmittel: Taschenrechner. Alle Zahlenwerte in den Materialien sind Modellwerte, sofern nicht anders angegeben. Geben Sie Zahlen mit Komma ein. Wahrscheinlichkeiten dürfen Sie als Bruch (z. B. 1/8) eingeben. Die Lösungen werden nach dem Auswerten freigeschaltet.
Wissen und Reproduzieren
16 PunkteDie Abbildung zeigt schematisch vier Basenpaare eines DNA-Doppelstrangs. Die gestrichelten Linien zwischen den Basen stehen für Bindungen zwischen den Basen.
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Erwartungshorizont: a) 1 Phosphatrest, 2 Desoxyribose, 3 Stickstoffbase (hier Thymin), 4 Wasserstoffbrücken (zwischen A und T zwei, zwischen G und C drei), 5 Nucleotid aus Phosphat, Zucker und Base, 6 3′-Ende mit freier OH-Gruppe am Zucker (3 P). b) Jedes G steht in genau einem G–C-Paar: 56 G–C-Paare und \(200-56=144\) A–T-Paare; \(56\cdot3+144\cdot2=168+288=456\) Wasserstoffbrücken (2 P). c) Semikonservativ: Die Helicase trennt die Stränge, beide dienen als Matrize; die DNA-Polymerase benötigt einen Primer und verlängert nur in 5′→3′-Richtung; jede Tochter-DNA enthält einen alten und einen neuen Strang, Uracil kommt nur in RNA vor (2 P). d) Der rechte Strang lautet von oben nach unten C–T–T–G; er läuft antiparallel, oben liegt sein 3′-Ende (OH). In 5′→3′-Richtung gelesen: 5′-GTTC-3′ (1 P).
Codogener Strang: 3′-TAC GGT CTA AAG TGC ATT-5′
Auszug aus der Codetabelle (Standardcode):
| mRNA-Codon | Aminosäure | mRNA-Codon | Aminosäure |
|---|---|---|---|
| AUG | Met (Start) | GGU | Gly |
| CCA | Pro | CUA | Leu |
| GAU | Asp | AAG | Lys |
| UUC | Phe | UGC | Cys |
| ACG | Thr | AUU | Ile |
| UAA | Stopp | UAC | Tyr |
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Erwartungshorizont: a) Komplementär und antiparallel, U statt T: 5′-AUG CCA GAU UUC ACG UAA-3′ (2 P). b) AUG → Met, CCA → Pro, GAU → Asp, UUC → Phe, ACG → Thr, UAA = Stopp: Met–Pro–Asp–Phe–Thr, also 5 Aminosäuren; das Stoppcodon codiert keine Aminosäure (2 P). c) Transkription und Spleißen: Zellkern; Beladen der tRNA durch die Aminoacyl-tRNA-Synthetase: Cytoplasma; Knüpfen der Peptidbindungen: Ribosom (2 P). d) Richtig: AUG als Start- und Methionin-Codon; Universalität. Falsch: Der Code ist eindeutig (ein Codon → eine Aminosäure) und nicht überlappend (2 P).
Zusammenhänge herstellen
22 PunkteDas Enzym Phenylalanin-Hydroxylase (PAH) wandelt in der Leber die Aminosäure Phenylalanin in Tyrosin um. Fehlt seine Aktivität, reichert sich Phenylalanin an und schädigt das Gehirn (Phenylketonurie, PKU). Die Tabelle zeigt den Beginn der mRNA verschiedener Allele (veränderte Basen fett; bei Allel 4 fehlt eine Base) und die Enzymaktivität homozygoter Zellen.
| Allel | mRNA (Beginn) | Aktivität |
|---|---|---|
| Wildtyp | 5′-AUG UCC ACU GCG GUC CUG GAA AAC CCA GGC UUG …-3′ | 100 % |
| Allel 1 | 5′-AUG UCC ACC GCG GUC CUG GAA AAC CCA GGC UUG …-3′ | 100 % |
| Allel 2 | 5′-AUG UCC ACU GCG GAC CUG GAA AAC CCA GGC UUG …-3′ | 30 % |
| Allel 3 | 5′-AUG UCC ACU GCG GUC CUG UAA AAC CCA GGC UUG …-3′ | 0 % |
| Allel 4 | 5′-AUG UCC ACU GCG UCC UGG AAA ACC CAG GCU UG …-3′ | 0 % |
Codons: AUG Met · UCC Ser · ACU/ACC Thr · GCG Ala · GUC Val · GAC Asp · CUG Leu · GAA Glu · AAC Asn · CCA Pro · GGC Gly · UAA Stopp · UGG Trp · AAA Lys · CAG Gln
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Erwartungshorizont: a) Allel 1: ACU → ACC in Codon 3, weiterhin Thr — stumm; Allel 2: GUC → GAC in Codon 5, Val → Asp — Missense; Allel 3: GAA → UAA in Codon 7 — Nonsense, vorzeitiges Stoppcodon; Allel 4: Deletion einer Base in Codon 4 — Rastermutation (4 P). b) Met–Ser–Thr–Ala–Val–Leu, dann Stopp: 6 Aminosäuren (2 P). c) Der Code ist degeneriert, daher bleibt die Kette bei Allel 1 gleich. Bei Allel 2 wird nur eine Aminosäure ausgetauscht; da Asp geladen und Val unpolar ist, ändern sich Faltung bzw. aktives Zentrum — das Enzym arbeitet schlechter (30 %%) (3 P). d) Nach der Deletion wird ab Codon 4 in neuen Tripletts gelesen (… GCG UCC UGG AAA …): Ab Codon 5 entsteht eine völlig andere Aminosäurefolge, meist folgt bald ein Stoppcodon — kein funktionsfähiges Enzym (2 P). e) Ein intaktes Allel liefert genug Enzym, um Phenylalanin abzubauen; PKU ist rezessiv (1 P).
Das Stresshormon Cortisol ist ein Steroid. In der Leber steigert es die Menge des Enzyms Tyrosin-Aminotransferase (TAT), das Aminosäuren für die Glucoseneubildung bereitstellt. Zellkulturen wurden 6 Stunden behandelt; angegeben sind relative Werte (Ansatz 1 = 1). Actinomycin D blockiert die RNA-Polymerase.
| Ansatz | TAT-mRNA | TAT-Aktivität |
|---|---|---|
| 1 Leberzellen ohne Cortisol | 1 | 1 |
| 2 Leberzellen + Cortisol | 9 | 6 |
| 3 Leberzellen + Cortisol + Actinomycin D | 1 | 1 |
| 4 Muskelzellen + Cortisol | 1 | 1 |
Zusatzbefund: Muskelzellen besitzen ebenfalls den Cortisol-Rezeptor. Die CpG-Stellen im TAT-Promotor sind in Leberzellen zu etwa 5 %, in Muskelzellen zu etwa 90 % methyliert.
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Erwartungshorizont: a) Cortisol ist lipophil, gelangt durch die Membran und bindet an den Rezeptor im Cytoplasma; der Komplex wandert in den Zellkern, bindet an das HRE und erleichtert der RNA-Polymerase die Bindung am Promotor; mehr TAT-mRNA wird translatiert, mehr Enzym entsteht (3 P). b) \(9:1=9\) (2 P). c) Ansatz 3: Ohne Transkription bleibt der Cortisol-Effekt aus — Cortisol wirkt auf der Ebene der Transkription. Ansatz 4: Trotz Rezeptor kein Anstieg; der zu 90 %% methylierte Promotor ist stummgeschaltet, das Gen ist vorhanden, aber nicht zugänglich (Zelldifferenzierung) (3 P). d) Ohne gebundenes Hormon entsteht kein Komplex, der an das HRE bindet: Werte wie in Ansatz 1 (2 P).
Verallgemeinern und Reflektieren
12 PunkteDas PAH-Gen liegt auf Chromosom 12. In Deutschland trägt etwa jeder 50. Mensch ein krank machendes PAH-Allel, ohne selbst zu erkranken. II-1 ist mit Familie K. nicht verwandt.
Für jede Person werden zwei PCR-Ansätze gemacht. In Ansatz N passt das 3′-Ende eines Primers nur auf das Normal-Allel, in Ansatz M nur auf das in der Familie vorkommende PKU-Allel. Nur wenn der Primer am 3′-Ende passt, verlängert die Polymerase ihn — es entsteht ein 250-bp-Produkt.
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Erwartungshorizont: a) Rezessiv, weil die gesunden Eltern I-1 und I-2 einen erkrankten Sohn II-3 haben; X-chromosomal-rezessiv wäre nach dem Stammbaum allein auch möglich, wird aber durch die Lage des Gens auf Chromosom 12 ausgeschlossen: autosomal-rezessiv (2 P). b) II-2 ist gesunde Schwester eines Erkrankten: \(P(\text{Aa})=\tfrac23\); II-1: \(\tfrac1{50}\); Kind aa: \(\tfrac14\). \(P=\tfrac23\cdot\tfrac1{50}\cdot\tfrac14=\tfrac1{300}\approx0{,}0033\) (3 P). c) Bande nur in N: NN; in N und M: NM; nur in M: MM. I-1 und II-2: heterozygot, II-1: homozygot gesund, II-3: homozygot erkrankt (3 P). d) II-1 ist NN und gibt immer N weiter; das Kind ist höchstens heterozygot (mit \(\tfrac12\) von II-2) und erkrankt nicht (2 P). e) Das Neugeborenen-Screening erkennt PKU sicher, und die Diät ist wirksam — das spricht gegen die Notwendigkeit. Ein Trägertest kann dennoch sinnvoll sein, um Ängste zu klären oder sich vorzubereiten; er ist freiwillig, das Recht auf Nichtwissen bleibt. Ein Gentest verändert keine Gene, und auch Kinder zweier Anlageträger können erkranken (2 P).
Ergebnis
| Aufgabe | Thema | Punkte |
|---|
Bewertung in Notenpunkten
| Punkte | Notenpunkte | Beurteilung |
|---|---|---|
| 48 – 50 P | 15 | sehr gut |
| 45 – 47 P | 14 | sehr gut |
| 43 – 44 P | 13 | sehr gut |
| 40 – 42 P | 12 | gut |
| 38 – 39 P | 11 | gut |
| 35 – 37 P | 10 | gut |
| 33 – 34 P | 9 | befriedigend |
| 30 – 32 P | 8 | befriedigend |
| 28 – 29 P | 7 | befriedigend |
| 25 – 27 P | 6 | ausreichend |
| 23 – 24 P | 5 | ausreichend |
| 20 – 22 P | 4 | ausreichend |
| 17 – 19 P | 3 | mangelhaft |
| 14 – 16 P | 2 | mangelhaft |
| 10 – 13 P | 1 | mangelhaft |
| 0 – 9 P | 0 | ungenügend |
