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Probeklausur

Fünf Aufgaben, 50 Punkte, 90 Minuten — eine komplette Klausur zur Molekulargenetik mit Auswertung in Notenpunkten.

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Bearbeitungszeit90 Minuten

Hilfsmittel: Taschenrechner. Alle Zahlenwerte in den Materialien sind Modellwerte, sofern nicht anders angegeben. Geben Sie Zahlen mit Komma ein. Wahrscheinlichkeiten dürfen Sie als Bruch (z. B. 1/8) eingeben. Die Lösungen werden nach dem Auswerten freigeschaltet.

AFB I

Wissen und Reproduzieren

16 Punkte
A1
Bausteine der DNA
AFB I 8 Punkte
Material 1: Ein Ausschnitt aus der DNA

Die Abbildung zeigt schematisch vier Basenpaare eines DNA-Doppelstrangs. Die gestrichelten Linien zwischen den Basen stehen für Bindungen zwischen den Basen.

GCATATCGPPPPOHPPPPOH123456
DNA-Doppelstrang, in die Ebene ausgerollt (Schema, nicht maßstäblich)
a) Nennen Sie die Strukturen 1 bis 6. 3 P
b) Berechnen Sie die Zahl der Wasserstoffbrücken in einem DNA-Abschnitt aus 200 Basenpaaren, der insgesamt 56 Guanin-Nucleotide enthält. 2 P
Wasserstoffbrücken
c) Beschreiben Sie die Replikation dieses Doppelstrangs: Welche Aussagen treffen zu? (mehrere Antworten richtig) 2 P
d) Entnehmen Sie Material 1 die Basenfolge des rechten Strangs in 5′→3′-Richtung. (eine Antwort richtig) 1 P
Lösung anzeigen (nach Auswerten freigeschaltet)

Erwartungshorizont: a) 1 Phosphatrest, 2 Desoxyribose, 3 Stickstoffbase (hier Thymin), 4 Wasserstoffbrücken (zwischen A und T zwei, zwischen G und C drei), 5 Nucleotid aus Phosphat, Zucker und Base, 6 3′-Ende mit freier OH-Gruppe am Zucker (3 P). b) Jedes G steht in genau einem G–C-Paar: 56 G–C-Paare und \(200-56=144\) A–T-Paare; \(56\cdot3+144\cdot2=168+288=456\) Wasserstoffbrücken (2 P). c) Semikonservativ: Die Helicase trennt die Stränge, beide dienen als Matrize; die DNA-Polymerase benötigt einen Primer und verlängert nur in 5′→3′-Richtung; jede Tochter-DNA enthält einen alten und einen neuen Strang, Uracil kommt nur in RNA vor (2 P). d) Der rechte Strang lautet von oben nach unten C–T–T–G; er läuft antiparallel, oben liegt sein 3′-Ende (OH). In 5′→3′-Richtung gelesen: 5′-GTTC-3′ (1 P).

A2
Ein Gen wird übersetzt
AFB I 8 Punkte
Material 2: Ein kurzes Modellgen

Codogener Strang: 3′-TAC GGT CTA AAG TGC ATT-5′

Auszug aus der Codetabelle (Standardcode):

mRNA-CodonAminosäuremRNA-CodonAminosäure
AUGMet (Start)GGUGly
CCAProCUALeu
GAUAspAAGLys
UUCPheUGCCys
ACGThrAUUIle
UAAStoppUACTyr
a) Wenden Sie die Regeln der Basenpaarung an: Welche mRNA entsteht bei der Transkription? (eine Antwort richtig) 2 P
b) Geben Sie an, aus wie vielen Aminosäuren das Genprodukt besteht. 2 P
Aminosäuren
c) Ordnen Sie jedem Vorgang in einer menschlichen Zelle den Ort zu, an dem er abläuft. 2 P
d) Stellen Sie Eigenschaften des genetischen Codes dar: Welche Aussagen treffen zu? (mehrere Antworten richtig) 2 P
Lösung anzeigen (nach Auswerten freigeschaltet)

Erwartungshorizont: a) Komplementär und antiparallel, U statt T: 5′-AUG CCA GAU UUC ACG UAA-3′ (2 P). b) AUG → Met, CCA → Pro, GAU → Asp, UUC → Phe, ACG → Thr, UAA = Stopp: Met–Pro–Asp–Phe–Thr, also 5 Aminosäuren; das Stoppcodon codiert keine Aminosäure (2 P). c) Transkription und Spleißen: Zellkern; Beladen der tRNA durch die Aminoacyl-tRNA-Synthetase: Cytoplasma; Knüpfen der Peptidbindungen: Ribosom (2 P). d) Richtig: AUG als Start- und Methionin-Codon; Universalität. Falsch: Der Code ist eindeutig (ein Codon → eine Aminosäure) und nicht überlappend (2 P).

AFB II

Zusammenhänge herstellen

22 Punkte
A3
Mutationen im PAH-Gen
AFB II 12 Punkte
Material 3: Allele des PAH-Gens (Modellsequenzen)

Das Enzym Phenylalanin-Hydroxylase (PAH) wandelt in der Leber die Aminosäure Phenylalanin in Tyrosin um. Fehlt seine Aktivität, reichert sich Phenylalanin an und schädigt das Gehirn (Phenylketonurie, PKU). Die Tabelle zeigt den Beginn der mRNA verschiedener Allele (veränderte Basen fett; bei Allel 4 fehlt eine Base) und die Enzymaktivität homozygoter Zellen.

AllelmRNA (Beginn)Aktivität
Wildtyp5′-AUG UCC ACU GCG GUC CUG GAA AAC CCA GGC UUG …-3′100 %
Allel 15′-AUG UCC ACC GCG GUC CUG GAA AAC CCA GGC UUG …-3′100 %
Allel 25′-AUG UCC ACU GCG GAC CUG GAA AAC CCA GGC UUG …-3′30 %
Allel 35′-AUG UCC ACU GCG GUC CUG UAA AAC CCA GGC UUG …-3′0 %
Allel 45′-AUG UCC ACU GCG UCC UGG AAA ACC CAG GCU UG …-3′0 %

Codons: AUG Met · UCC Ser · ACU/ACC Thr · GCG Ala · GUC Val · GAC Asp · CUG Leu · GAA Glu · AAC Asn · CCA Pro · GGC Gly · UAA Stopp · UGG Trp · AAA Lys · CAG Gln

a) Analysieren Sie die Allele 1 bis 4 hinsichtlich des Mutationstyps. 4 P
b) Bestimmen Sie die Zahl der Aminosäuren im Genprodukt von Allel 3. 2 P
Aminosäuren
c) Erklären Sie die Aktivitäten von Allel 1 und Allel 2: Welche Aussagen treffen zu? (mehrere Antworten richtig) 3 P
d) Begründen Sie, warum Allel 4 trotz des Verlusts nur einer einzigen Base kein aktives Enzym liefert. (eine Antwort richtig) 2 P
e) Heterozygote Menschen mit einem Wildtyp-Allel und Allel 3 besitzen etwa 50 % PAH-Aktivität und sind gesund. Deuten Sie diesen Befund. (eine Antwort richtig) 1 P
Lösung anzeigen (nach Auswerten freigeschaltet)

Erwartungshorizont: a) Allel 1: ACU → ACC in Codon 3, weiterhin Thr — stumm; Allel 2: GUC → GAC in Codon 5, Val → Asp — Missense; Allel 3: GAA → UAA in Codon 7 — Nonsense, vorzeitiges Stoppcodon; Allel 4: Deletion einer Base in Codon 4 — Rastermutation (4 P). b) Met–Ser–Thr–Ala–Val–Leu, dann Stopp: 6 Aminosäuren (2 P). c) Der Code ist degeneriert, daher bleibt die Kette bei Allel 1 gleich. Bei Allel 2 wird nur eine Aminosäure ausgetauscht; da Asp geladen und Val unpolar ist, ändern sich Faltung bzw. aktives Zentrum — das Enzym arbeitet schlechter (30 %%) (3 P). d) Nach der Deletion wird ab Codon 4 in neuen Tripletts gelesen (… GCG UCC UGG AAA …): Ab Codon 5 entsteht eine völlig andere Aminosäurefolge, meist folgt bald ein Stoppcodon — kein funktionsfähiges Enzym (2 P). e) Ein intaktes Allel liefert genug Enzym, um Phenylalanin abzubauen; PKU ist rezessiv (1 P).

A4
Cortisol schaltet ein Gen an
AFB II 10 Punkte
Material 4: Cortisol und das Enzym TAT (Modellwerte)

Das Stresshormon Cortisol ist ein Steroid. In der Leber steigert es die Menge des Enzyms Tyrosin-Aminotransferase (TAT), das Aminosäuren für die Glucoseneubildung bereitstellt. Zellkulturen wurden 6 Stunden behandelt; angegeben sind relative Werte (Ansatz 1 = 1). Actinomycin D blockiert die RNA-Polymerase.

AnsatzTAT-mRNATAT-Aktivität
1 Leberzellen ohne Cortisol11
2 Leberzellen + Cortisol96
3 Leberzellen + Cortisol + Actinomycin D11
4 Muskelzellen + Cortisol11

Zusatzbefund: Muskelzellen besitzen ebenfalls den Cortisol-Rezeptor. Die CpG-Stellen im TAT-Promotor sind in Leberzellen zu etwa 5 %, in Muskelzellen zu etwa 90 % methyliert.

a) Erläutern Sie die Wirkung von Cortisol in Leberzellen: Welche Aussagen treffen zu? (mehrere Antworten richtig) 3 P
b) Vergleichen Sie Ansatz 1 und 2: Um welchen Faktor steigt die TAT-mRNA durch Cortisol? 2 P
c) Interpretieren Sie die Ergebnisse der Ansätze 3 und 4. 3 P
d) Leiten Sie her, welches Ergebnis ein Ansatz 5 liefert: Leberzellen + Cortisol + ein Stoff, der die Bindestelle des Cortisol-Rezeptors für das Hormon blockiert. (eine Antwort richtig) 2 P
Lösung anzeigen (nach Auswerten freigeschaltet)

Erwartungshorizont: a) Cortisol ist lipophil, gelangt durch die Membran und bindet an den Rezeptor im Cytoplasma; der Komplex wandert in den Zellkern, bindet an das HRE und erleichtert der RNA-Polymerase die Bindung am Promotor; mehr TAT-mRNA wird translatiert, mehr Enzym entsteht (3 P). b) \(9:1=9\) (2 P). c) Ansatz 3: Ohne Transkription bleibt der Cortisol-Effekt aus — Cortisol wirkt auf der Ebene der Transkription. Ansatz 4: Trotz Rezeptor kein Anstieg; der zu 90 %% methylierte Promotor ist stummgeschaltet, das Gen ist vorhanden, aber nicht zugänglich (Zelldifferenzierung) (3 P). d) Ohne gebundenes Hormon entsteht kein Komplex, der an das HRE bindet: Werte wie in Ansatz 1 (2 P).

AFB III

Verallgemeinern und Reflektieren

12 Punkte
A5
Ein Gentest in Familie K.
AFB III 12 Punkte
Material 5: Familie K.
IIIIII?12123
Stammbaum; ausgefüllt = an PKU erkrankt, Pfeil = Ratsuchende II-2, ? = erwartetes Kind

Das PAH-Gen liegt auf Chromosom 12. In Deutschland trägt etwa jeder 50. Mensch ein krank machendes PAH-Allel, ohne selbst zu erkranken. II-1 ist mit Familie K. nicht verwandt.

Material 6: Ein Gentest mit allelspezifischer PCR

Für jede Person werden zwei PCR-Ansätze gemacht. In Ansatz N passt das 3′-Ende eines Primers nur auf das Normal-Allel, in Ansatz M nur auf das in der Familie vorkommende PKU-Allel. Nur wenn der Primer am 3′-Ende passt, verlängert die Polymerase ihn — es entsteht ein 250-bp-Produkt.

MarkerI-1NMII-1NMII-2NMII-3NM500 bp400 bp300 bp200 bp100 bp
Gel nach der PCR (schematisch)
a) Untersuchen Sie den Stammbaum und Material 5 hinsichtlich des Erbgangs. (eine Antwort richtig) 2 P
b) Ermitteln Sie die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind von II-1 und II-2 an PKU erkrankt — vor dem Gentest. Geben Sie das Ergebnis als Bruch (z. B. 1/8) oder als Dezimalzahl an. 3 P
c) Werten Sie das Gel aus: Ordnen Sie jeder Person ihren Genotyp zu. 3 P
d) Überprüfen Sie mithilfe des Testergebnisses das Erkrankungsrisiko des Kindes. (eine Antwort richtig) 2 P
e) Nehmen Sie Stellung zur Aussage: „Ein Gentest vor der Schwangerschaft ist bei PKU überflüssig.“ Welche Argumente sind fachlich richtig? (mehrere Antworten richtig) 2 P
Lösung anzeigen (nach Auswerten freigeschaltet)

Erwartungshorizont: a) Rezessiv, weil die gesunden Eltern I-1 und I-2 einen erkrankten Sohn II-3 haben; X-chromosomal-rezessiv wäre nach dem Stammbaum allein auch möglich, wird aber durch die Lage des Gens auf Chromosom 12 ausgeschlossen: autosomal-rezessiv (2 P). b) II-2 ist gesunde Schwester eines Erkrankten: \(P(\text{Aa})=\tfrac23\); II-1: \(\tfrac1{50}\); Kind aa: \(\tfrac14\). \(P=\tfrac23\cdot\tfrac1{50}\cdot\tfrac14=\tfrac1{300}\approx0{,}0033\) (3 P). c) Bande nur in N: NN; in N und M: NM; nur in M: MM. I-1 und II-2: heterozygot, II-1: homozygot gesund, II-3: homozygot erkrankt (3 P). d) II-1 ist NN und gibt immer N weiter; das Kind ist höchstens heterozygot (mit \(\tfrac12\) von II-2) und erkrankt nicht (2 P). e) Das Neugeborenen-Screening erkennt PKU sicher, und die Diät ist wirksam — das spricht gegen die Notwendigkeit. Ein Trägertest kann dennoch sinnvoll sein, um Ängste zu klären oder sich vorzubereiten; er ist freiwillig, das Recht auf Nichtwissen bleibt. Ein Gentest verändert keine Gene, und auch Kinder zweier Anlageträger können erkranken (2 P).

Ergebnis

Erreicht
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Notenpunkte
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AufgabeThemaPunkte

Bewertung in Notenpunkten

PunkteNotenpunkteBeurteilung
48 – 50 P15sehr gut
45 – 47 P14sehr gut
43 – 44 P13sehr gut
40 – 42 P12gut
38 – 39 P11gut
35 – 37 P10gut
33 – 34 P9befriedigend
30 – 32 P8befriedigend
28 – 29 P7befriedigend
25 – 27 P6ausreichend
23 – 24 P5ausreichend
20 – 22 P4ausreichend
17 – 19 P3mangelhaft
14 – 16 P2mangelhaft
10 – 13 P1mangelhaft
0 – 9 P0ungenügend