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Gentherapie

Eine Genschere aus dem Immunsystem von Bakterien kann heute Erbkrankheiten behandeln — doch wie findet sie unter Milliarden Basenpaaren genau die richtige Stelle?

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Gene als Therapie

Wenn ein Allel defekt ist, fehlt der Zelle ein funktionsfähiges Protein. Gentherapien setzen nicht am Symptom, sondern an der genetischen Ursache an.

  • Gentherapie:Behandlung einer Krankheit, bei der genetisches Material in Zellen gebracht oder die DNA gezielt verändert wird — ein fehlendes Genprodukt wird ersetzt oder ein schädliches abgeschaltet.
  • Somatische Gentherapie:verändert Körperzellen; die Veränderung wirkt nur bei der behandelten Person und wird nicht vererbt.
  • Keimbahntherapie:verändert Ei- oder Samenzellen bzw. frühe Embryonen; alle Nachkommen erben die Veränderung — in Deutschland nach dem Embryonenschutzgesetz verboten.
  • Ex vivo und in vivo:Ex vivo werden Zellen, z. B. Blutstammzellen, entnommen, im Labor verändert und zurückgegeben; in vivo gelangt das genetische Material direkt in das Organ, z. B. in die Netzhaut.
  • Vektoren:Transportmittel („Genfähren“), meist entschärfte, nicht mehr vermehrungsfähige Viren: AAV (adeno-assoziierte Viren) bleiben neben den Chromosomen im Zellkern, Lentiviren bauen ihre Fracht fest ins Genom ein.
  • Genaddition:Eine intakte Genkopie wird zusätzlich eingebracht, das defekte Allel bleibt erhalten; Beispiel: Luxturna bringt per AAV ein intaktes RPE65-Gen in Netzhautzellen (EU-Zulassung 2018).
  • Genom-Editierung:Die DNA-Sequenz selbst wird an einer festgelegten Stelle verändert — ein Gen ausgeschaltet oder ein Abschnitt ausgetauscht.
Merke

Somatisch oder Keimbahn: somatische Gentherapie = Körperzellen, nicht vererbbar · Keimbahntherapie = vererbbar, in Deutschland verboten

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DNA gezielt umschreiben

Mit CRISPR/Cas9 lässt sich eine DNA-Sequenz an einer frei wählbaren Stelle schneiden. Was danach geschieht, bestimmt die Reparatur der Zelle.

  • CRISPR/Cas9:Werkzeug zur Genom-Editierung, abgeleitet aus dem Abwehrsystem von Bakterien gegen Phagen (Nobelpreis Chemie 2020 für CHARPENTIER und DOUDNA).
  • Guide-RNA:kurze RNA, deren Leitsequenz (rund 20 Basen) komplementär mit dem Zielabschnitt der DNA paart und Cas9 dorthin führt.
  • PAM:kurze Erkennungssequenz in der Ziel-DNA direkt hinter dem Zielabschnitt, bei Cas9 5′-NGG-3′ (N = beliebige Base); ohne PAM bindet Cas9 nicht.
  • Cas9:Endonuclease, die beide DNA-Stränge drei Basenpaare vor der PAM schneidet — es entsteht ein Doppelstrangbruch.
  • NHEJ:nicht-homologe Endverknüpfung: Die Zelle verbindet die Enden direkt, oft mit kleinen Insertionen oder Deletionen; das Leseraster verschiebt sich, das Gen wird ausgeschaltet.
  • HDR:homologiegerichtete Reparatur: Die Zelle kopiert eine Reparaturvorlage, deren Enden (Homologiearme) zur DNA am Bruch passen — so wird eine Sequenz gezielt ausgetauscht, vor allem in sich teilenden Zellen.
  • Casgevy (EU 2024):erste zugelassene CRISPR-Therapie (Sichelzellkrankheit, β-Thalassämie, ab 12 Jahren): Cas9 zerstört ex vivo in Blutstammzellen per NHEJ einen Enhancer des Repressor-Gens BCL11A; rote Blutzellen bilden dann wieder fetales Hämoglobin (HbF) statt des defekten — die Sichelzell-Mutation selbst bleibt.
  • Risiken:Off-Target-Schnitte an ähnlichen Sequenzen, Mosaike (nur ein Teil der Zellen verändert), belastende Chemotherapie vor der Rückgabe der Zellen, sehr hohe Kosten.

Ziehe die Guide-RNA am Griff (oder mit Tab und ←/→) an die Stelle, an der sie vollständig paart und Cas9 bindet. Starte mit ▶ den Schnitt, wähle einen Reparaturweg und setze bei HDR eine der drei Vorlagen in die Lücke (Ziehen oder Enter). Vereinfacht: Die Lücke steht für die abgebauten Enden am Bruch.

Genschere CRISPR/Cas9

Halte fest: Die Guide-RNA bestimmt den Ort, die PAM erlaubt das Binden. Nach dem Doppelstrangbruch entscheidet der Reparaturweg: NHEJ schaltet ein Gen aus, nur HDR mit passender Vorlage tauscht eine Sequenz gezielt aus.

Merke

CRISPR/Cas9: Guide-RNA + PAM → Cas9 bindet → Doppelstrangbruch → NHEJ: Gen ausgeschaltet · HDR mit Vorlage: Sequenz ausgetauscht

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Allgemeine Hinweise

Casgevy repariert nicht

Casgevy tauscht die Sichelzell-Mutation nicht aus. Es schaltet einen Enhancer von BCL11A aus, sodass fetales Hämoglobin die Aufgabe des defekten Hämoglobins übernimmt.

Somatisch heißt nicht vererbbar

Auch eine erfolgreich behandelte Person gibt das defekte Allel an ihre Kinder weiter. Verändert wurden nur Körperzellen, nicht die Keimbahn.

Die PAM gehört zur DNA

Die PAM ist Teil der Ziel-DNA, nicht der Guide-RNA. Fehlt sie, schneidet Cas9 auch bei vollständig passender Leitsequenz nicht.

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