MINT lernen

AbituraufgabenDer Calvin-Zyklus

Ein erstaunlich langsames Enzym und ein Weizenfeld am Mittag: Was kostet es, Kohlenstoff aus der Luft festzuhalten?

Dein Fortschritt:
0 / 0 Aufgaben
1

Rubisco — ein langsames Enzym

AFB I–III

Rubisco gilt als das häufigste Protein der Erde. Das Enzym katalysiert den ersten Schritt des Calvin-Zyklus, arbeitet aber auffallend langsam. Zudem setzt es neben CO₂ auch O₂ um; Rubisco-Varianten mit höherer Wechselzahl binden CO₂ meist weniger bevorzugt gegenüber O₂. M1 fasst Literaturwerte (gerundet, C3-Pflanzen) zusammen. Ein Laubblatt fixiert bei vollem Licht etwa 20 µmol CO₂ pro m² Blattfläche und Sekunde (Modellwert).

M1Kenndaten von Rubisco
EigenschaftWert
Wechselzahl Rubisco (fixierte CO₂ je aktivem Zentrum)ca. 3 pro Sekunde
Wechselzahl Carboanhydrase (zum Vergleich)ca. 1 000 000 pro Sekunde
aktive Zentren je Rubisco-Molekül8
molare Masse von Rubiscoca. 550 000 g/mol
Anteil am löslichen Protein eines Laubblattsbis zu 50 %
CO₂-Konzentration im Stromaca. 8 µmol/L
CO₂-Konzentration, bei der Rubisco halbmaximal arbeitetca. 10 µmol/L
Die Wechselzahl gibt an, wie viele Substratmoleküle ein aktives Zentrum bei Sättigung pro Sekunde umsetzt.
  1. Beschreiben Sie die Fixierungsphase des Calvin-Zyklus (Ort, Reaktionspartner, Produkte).
  2. Berechnen Sie mit M1, welche Masse Rubisco ein Quadratmeter Blatt mindestens enthalten muss, um 20 µmol CO₂ pro Sekunde zu fixieren.
  3. Erklären Sie mithilfe von M1, warum der tatsächliche Rubisco-Gehalt von Blättern (etwa 1–2 g pro m²) deutlich über dem Ergebnis aus b) liegt.
  4. Züchter wollen eine „schnellere“ Rubisco in Nutzpflanzen einbauen, um die Fotosyntheseleistung zu verdoppeln. Beurteilen Sie dieses Vorhaben.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Nennen Sie Enzym, Akzeptor, Zwischenprodukt und Produkt — mit Zahl der C-Atome.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erst die Anzahl aktiver Zentren (Fixierungsrate : Wechselzahl), dann die Anzahl Moleküle (: 8), dann die Masse (· M).
Hinweis zu Aufgabe c)
Vergleichen Sie die CO₂-Konzentration im Stroma mit dem Wert für halbmaximale Aktivität.Erklären: auf Ursachen und Gesetzmäßigkeiten zurückführen.
Hinweis zu Aufgabe d)
Welche Voraussetzungen braucht der Zyklus außer Rubisco? Und was sagt der Materialtext über schnelle Varianten?Beurteilen: ein begründetes Urteil mit Fachwissen formulieren.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Die Fixierung läuft im Stroma der Chloroplasten ab. Das Enzym Rubisco bindet ein CO₂ an den Akzeptor Ribulose-1,5-bisphosphat (RuBP, C5). Das entstehende C6-Zwischenprodukt ist instabil und zerfällt sofort in zwei Moleküle 3-Phosphoglycerat (3-PG, C3): RuBP + CO₂ → 2 Moleküle 3-PG. CO₂ wird dabei an ein organisches Molekül gebunden, aber noch nicht reduziert.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

aktive Zentren: \(20\,\mathrm{µmol\,s^{-1}} : 3\,\mathrm{s^{-1}} \approx 6{,}7\,\mathrm{µmol}\)

Rubisco-Moleküle: \(6{,}7\,\mathrm{µmol} : 8 \approx 0{,}83\,\mathrm{µmol}\)

Masse: \(0{,}83\cdot10^{-6}\,\mathrm{mol}\cdot 550\,000\,\mathrm{g\,mol^{-1}} \approx 0{,}46\,\mathrm{g}\) pro m² Blattfläche.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die Wechselzahl von 3 s⁻¹ gilt nur bei CO₂-Sättigung. Im Stroma liegt die CO₂-Konzentration (ca. 8 µmol/L) sogar unter dem Wert, bei dem Rubisco halbmaximal arbeitet (ca. 10 µmol/L). Jedes Enzymmolekül arbeitet deshalb nur mit weniger als der Hälfte seiner Höchstgeschwindigkeit (Modellrechnung: \(8/(10+8) \approx 0{,}44\)) — für dieselbe Fixierungsrate braucht das Blatt mindestens gut doppelt so viel Rubisco, etwa 1 g pro m². Zusätzlich setzt Rubisco einen Teil seiner Zeit mit O₂ statt CO₂ um, und nicht alle Enzymmoleküle sind gleichzeitig aktiv. Die Pflanze gleicht die geringe Leistung jedes einzelnen Moleküls also durch eine sehr große Enzymmenge aus — daher der hohe Proteinanteil.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Pro: Wenn Rubisco der begrenzende Schritt ist (z. B. bei starkem Licht), könnte eine schnellere Variante mehr CO₂ je Zeit fixieren oder dieselbe Leistung mit weniger Enzymprotein (und damit weniger Stickstoffbedarf) erreichen.

Contra: Der Calvin-Zyklus ist auf ATP und NADPH aus den Primärreaktionen und auf die Regeneration von RuBP angewiesen; bei schwachem Licht oder geschlossenen Spaltöffnungen (wenig CO₂) begrenzen diese Faktoren, nicht Rubisco. Außerdem binden schnellere Varianten laut Material CO₂ weniger bevorzugt gegenüber O₂ — ein Teil der Mehrleistung ginge so wieder verloren.

Urteil: Eine Verdopplung der Fotosyntheseleistung allein durch eine schnellere Rubisco ist nicht zu erwarten; das Vorhaben kann nur zusammen mit einer besseren Versorgung mit ATP, NADPH, RuBP und CO₂ Erfolg haben.

2

Bilanz im Weizenfeld

AFB I–III

M2 zeigt den Calvin-Zyklus für die Fixierung von drei CO₂-Molekülen. Einige Stoffe sind durch die Buchstaben X und Y ersetzt, einige Molekülzahlen fehlen (1)–(5). Ein Weizenbestand bindet an einem Sommermittag netto 1,8 g CO₂ pro m² Blattfläche und Stunde (Modellwert). Das Herbizid Diuron blockiert den Elektronentransport zwischen Fotosystem II und Fotosystem I in der Thylakoidmembran.

M2Schema des Calvin-Zyklus (drei CO₂)
3 RuBP (C5)(1) 3-PG (C3)(4) G3P (C3)1 G3P → ZuckerPhase I+ 3 CO₂Phase II(2) X(3) YPhase III(5) XEntnahme
Die Zahl der C-Atome je Molekül steht in Klammern.
  1. Geben Sie die Namen der Phasen I–III sowie die Stoffe X und Y an.
  2. Bestimmen Sie die fehlenden Molekülzahlen (1)–(5) mithilfe einer Kohlenstoffbilanz.
  3. Ermitteln Sie für einen Quadratmeter Blattfläche und eine Stunde die gebildete Masse Glucose sowie die verbrauchten Stoffmengen an ATP und NADPH (\(M(\ce{CO2}) = 44\,\mathrm{g\,mol^{-1}}\), \(M(\ce{C6H12O6}) = 180\,\mathrm{g\,mol^{-1}}\)).
  4. Begründen Sie, warum Diuron auch die CO₂-Fixierung im Stroma zum Erliegen bringt, obwohl es kein Enzym des Calvin-Zyklus hemmt.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Welcher Stoff liefert Energie, welcher Elektronen? X wird in zwei Phasen gebraucht.
Hinweis zu Aufgabe b)
Beginnen Sie mit den C-Atomen: 3 · 5 + 3 · 1. Pro 3-PG ein X und ein Y.
Hinweis zu Aufgabe c)
Stoffmenge CO₂ berechnen; sechs CO₂ je Glucose, pro CO₂ 3 ATP und 2 NADPH.
Hinweis zu Aufgabe d)
Woher stammen ATP und NADPH, und was geschieht, wenn ihr Nachschub ausbleibt?Begründen: auf Regeln und kausale Zusammenhänge zurückführen.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Phase I: Fixierung (Carboxylierung), Phase II: Reduktion, Phase III: Regeneration des CO₂-Akzeptors RuBP.

X = ATP (Energie, in Phase II und III verbraucht), Y = NADPH (Reduktionsmittel, nur Phase II).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

C-Bilanz: \(3\cdot5 + 3\cdot1 = 18\) C \(= 6\cdot3\) C → (1) = 6 Moleküle 3-PG.

Je 3-PG ein ATP und ein NADPH: (2) = 6 ATP, (3) = 6 NADPH, (4) = 6 G3P.

Ein G3P wird entnommen, fünf bleiben: \(5\cdot3 = 15 = 3\cdot5\) → drei RuBP; dafür (5) = 3 ATP (je RuBP eines).

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(n(\ce{CO2}) = 1{,}8\,\mathrm{g} : 44\,\mathrm{g\,mol^{-1}} \approx 0{,}041\,\mathrm{mol}\)

\(n(\text{Glucose}) = 0{,}041\,\mathrm{mol} : 6 \approx 0{,}0068\,\mathrm{mol}\); \(m = 0{,}0068\,\mathrm{mol}\cdot180\,\mathrm{g\,mol^{-1}} \approx 1{,}2\,\mathrm{g}\)

ATP: \(3\cdot0{,}041\,\mathrm{mol} \approx 0{,}12\,\mathrm{mol}\); NADPH: \(2\cdot0{,}041\,\mathrm{mol} \approx 0{,}082\,\mathrm{mol}\).

(Glucose steht stellvertretend für alle gebildeten Kohlenhydrate.)

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Der Calvin-Zyklus ist über ATP/ADP + Pᵢ und NADPH/NADP⁺ an die Primärreaktionen gekoppelt. Diuron unterbricht den Elektronentransport: Ohne Elektronenfluss wird kein NADP⁺ zu NADPH reduziert, und es wird kein Protonengradient mehr aufgebaut, sodass die ATP-Synthase kein ATP bildet. Die Vorräte an ATP und NADPH im Stroma werden verbraucht; 3-PG kann nicht mehr reduziert und RuBP nicht mehr regeneriert werden. Ohne RuBP fehlt Rubisco der CO₂-Akzeptor — die Fixierung stoppt, obwohl das Enzym selbst intakt ist.