Variabilität im Genpool
Evolution betrifft nicht das einzelne Lebewesen, sondern Populationen: Über Generationen ändert sich, welche Allele wie häufig vorkommen.
- Population:alle Individuen einer Art, die zur selben Zeit in einem Gebiet leben und sich untereinander fortpflanzen.
- Genpool:Gesamtheit aller Allele aller Individuen einer Population.
- Allelfrequenz:Anteil eines Allels an allen Allelen desselben Gens im Genpool; bei diploiden Lebewesen trägt jedes Individuum zwei Allele jedes Gens.
- Genetische Variabilität:Vielfalt der Genotypen in einer Population — Grundlage dafür, dass sich eine Population verändern kann.
- Phänotypische Variation:Unterschiede im Erscheinungsbild; sie entstehen aus Genotyp und Umwelt. Rein umweltbedingte Unterschiede heißen Modifikationen und werden nicht vererbt, etwa kleinwüchsiger Löwenzahn im Hochgebirge.
- Synthetische Evolutionstheorie:verbindet DARWINs Selektionstheorie mit Genetik und Populationsgenetik: Evolutionsfaktoren — Mutation, Rekombination, Selektion, Gendrift und Isolation — verändern die Allelfrequenzen im Genpool.
100 diploide Individuen tragen zusammen 200 Allele dieses Gens.
Reinerbige Individuen tragen A zweimal, mischerbige einmal.
Anzahl der A-Allele geteilt durch alle Allele des Gens.
Die Frequenzen aller Allele eines Gens ergeben zusammen 1.
Evolution: Veränderung der Allelfrequenzen im Genpool einer Population über Generationen. Allelfrequenz = Anzahl eines Allels : Anzahl aller Allele dieses Gens.
Quellen der Vielfalt
Neue Allele entstehen nur durch Mutation. Rekombination mischt die vorhandenen Allele in jeder Generation neu — deshalb gleicht kein Nachkomme genau einem Elternteil.
- Mutation:zufällige, ungerichtete Veränderung der Erbinformation und einzige Quelle neuer Allele; vererbt werden nur Mutationen in Keimbahnzellen.
- Mutationstypen:Genmutation verändert die Basenfolge eines Gens, Chromosomenmutation die Struktur eines Chromosoms (z. B. Verlust oder Verdopplung eines Abschnitts), Genommutation die Anzahl der Chromosomen (z. B. Trisomie 21).
- Wirkung:Die meisten Mutationen sind neutral oder nachteilig, wenige vorteilhaft; ob eine Mutation nützt, hängt von der Umwelt ab.
- Interchromosomale Rekombination:In der Meiose I ordnen sich die homologen Chromosomen zufällig an und werden zufällig auf die Tochterzellen verteilt; beim Menschen mit 23 Paaren ergibt das 223 ≈ 8,4 Millionen Kombinationen.
- Intrachromosomale Rekombination:beim Crossing-over brechen zwei Nicht-Schwesterchromatiden (je eine vom väterlichen und vom mütterlichen Chromosom) an derselben Stelle und tauschen die Stücke; nach Meiose II erhält jede Keimzelle eine der vier Chromatiden.
- Zufällige Befruchtung:Welche Eizelle mit welchem Spermium verschmilzt, ist zufällig; schon ohne Crossing-over sind beim Menschen rund 7 · 1013 Kombinationen möglich.
Ziehe die rote Bruchstelle an eine Stelle zwischen den Genorten und dann den violetten Griff tauschen nach unten (Tastatur: Punkt anwählen, ←/→ bzw. Enter). Dreh anschließend Paar 2 um. Rechts siehst du, welche Allele in den vier Keimzellen landen.
Halte fest: Beim Crossing-over tauschen zwei Nicht-Schwesterchromatiden Stücke aus; nur die Allele zwischen Bruchstelle und Chromosomenende wechseln. So entstehen Chromatiden mit Allelkombinationen, die keiner der Eltern weitergegeben hat. Die zufällige Lage der Paare in der Metaphase I mischt zusätzlich ganze Chromosomen von Vater und Mutter. Neue Allele entstehen dabei nie.
Quellen der Variabilität: Mutation erzeugt neue Allele; Rekombination — interchromosomal, intrachromosomal durch Crossing-over und durch zufällige Befruchtung — kombiniert vorhandene Allele neu.
Allgemeine Hinweise
Mutationen haben kein Ziel
Eine Mutation tritt nicht auf, weil ein Merkmal gerade gebraucht wird. Erst die Umwelt entscheidet, ob sich ein zufällig entstandenes Allel ausbreitet.
Individuum oder Population
Ein einzelnes Lebewesen behält seine Allele ein Leben lang, es evolviert also nicht. Evolution beschreibt Veränderungen im Genpool einer Population über Generationen.
Rekombination erzeugt keine neuen Allele
Crossing-over und zufällige Verteilung mischen nur Allele, die schon im Genpool vorhanden sind. Neue Allele kommen durch Mutation hinzu.
