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Probeklausur

Fünf Aufgaben, 50 Punkte, 90 Minuten — eine komplette Klausur zur Evolution mit Auswertung in Notenpunkten.

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Bearbeitungszeit90 Minuten

Hilfsmittel: Taschenrechner. Alle Zahlenwerte in den Materialien sind Modellwerte, sofern nicht anders angegeben. Geben Sie Zahlen mit Komma ein. Die Lösungen werden nach dem Auswerten freigeschaltet.

AFB I

Wissen und Reproduzieren

16 Punkte
A1
Belege der Evolution
AFB I 8 Punkte
Material 1: Vier Befunde
StrukturBauFunktion
Flügel des PinguinsOberarm, Elle, Speiche, Handwurzel, verkürzte Mittelhand und FingerRudern unter Wasser
Arm des MenschenOberarm, Elle, Speiche, Handwurzel, Mittelhand, fünf FingerGreifen, Tragen
Flügel eines SchmetterlingsChitinhaut mit Adern, keine KnochenFliegen
Flügel einer SchwalbeKnochen der Vorderextremität, FedernFliegen
Steißbein des Menschen4–5 verwachsene Wirbel am Ende der WirbelsäuleAnsatz von Muskeln und Bändern
seltener Befund beim Neugeborenenkurzer, weicher Schwanzanhang—
Material 2: Ein Proteinvergleich (Modellwerte)

In einem Protein unterscheiden sich Pinguin und Haushuhn an 27 Positionen. Die Substitutionsrate dieses Proteins beträgt r = 0,15 Unterschiede je Linie und Million Jahre.

Material 3: Ein Kladogramm
LachsFroschEidechseKrokodilPinguin1 vier Gliedmaßen2 Eihaut (Amnion)3 Vierkammerherz4 Federn
Kladogramm einiger Wirbeltiere; Außengruppe Lachs, Striche = neu entstandene Merkmale
a) Ordnen Sie die Befunde aus Material 1 zu. 3 P
b) Geben Sie das Homologiekriterium an, das die Homologie von Pinguinflügel und Menschenarm begründet. (eine Antwort richtig) 1 P
c) Berechnen Sie mit den Werten aus Material 2, vor wie vielen Millionen Jahren sich die Linien von Pinguin und Huhn trennten. 2 P
Mio. Jahre
d) Entnehmen Sie Material 3: Welche Aussagen treffen zu? (mehrere Antworten richtig) 2 P
Lösung anzeigen (nach Auswerten freigeschaltet)

Erwartungshorizont: a) Pinguinflügel und Menschenarm: gleicher Bauplan der Vorderextremität trotz verschiedener Funktion — homolog. Schmetterlings- und Schwalbenflügel: gleiche Funktion, völlig verschiedener Bau (Chitin gegenüber Knochen und Federn) — analog, konvergent entstanden. Steißbein: zurückgebildeter Schwanz — Rudiment. Schwanzanhang beim Neugeborenen: gelegentlich auftretendes Ahnenmerkmal — Atavismus (3 P). b) Die Knochen liegen in derselben Abfolge im Bauplan: Kriterium der Lage (1 P). c) \(t=\dfrac{d}{2r}=\dfrac{27}{2\cdot0{,}15}=90\) Mio. Jahre; der Faktor 2 berücksichtigt, dass beide Linien Unterschiede ansammeln (2 P). d) Krokodil und Pinguin teilen das Vierkammerherz als Synapomorphie und gehen aus derselben Verzweigung hervor. Die Eihaut entstand vor der Abzweigung der Eidechse und ist innerhalb dieser Gruppe ursprünglich. Die Eidechse zweigt früher ab, ist also mit dem Krokodil nicht näher verwandt als dieses mit dem Pinguin; heutige Arten sind keine Vorfahren (2 P).

A2
Gras auf Kupfer
AFB I 8 Punkte
Material 4: Straußgras auf einer alten Kupfermine (Modellwerte)

Auf dem kupferhaltigen Abraum einer ehemaligen Mine wächst Rotes Straußgras. Vereinfacht wird angenommen, dass ein Gen mit den Allelen T (Kupfertoleranz) und t die Toleranz bestimmt. Eine Stichprobe von 400 Pflanzen auf dem Abraum ergab: 256 TT, 128 Tt und 16 tt. Auf einer benachbarten Wiese ohne Kupfer ist das Allel T selten. Auf dem nährstoffarmen Abraum bleiben die Pflanzen zudem kleiner als auf der Wiese; zieht man ihre Samen auf der Wiese an, werden die Nachkommen normal groß.

a) Berechnen Sie die Allelfrequenz p(T) auf dem Abraum. 2 P
b) Ordnen Sie jeder Beschreibung den passenden Fachbegriff zu. 2 P
c) Nennen Sie die Form der Selektion, die auf dem Abraum wirkte. (eine Antwort richtig) 2 P
d) Beschreiben Sie die Entstehung der hohen Frequenz von T fachlich korrekt: Welche Aussagen treffen zu? (mehrere Antworten richtig) 2 P
Lösung anzeigen (nach Auswerten freigeschaltet)

Erwartungshorizont: a) \(n(T)=2\cdot256+128=640\) von \(2\cdot400=800\) Allelen: \(p(T)=0{,}8\), \(q(t)=0{,}2\) (2 P). b) Genpool; Mutation als einzige Quelle neuer Allele; Rekombination bei der Keimzellbildung; der kleinere Wuchs ist umweltbedingt und wird nicht vererbt — Modifikation (2 P). c) Das Optimum liegt am Rand der ursprünglichen Verteilung (hohe Toleranz); die Allelfrequenz verschiebt sich — gerichtete Selektion (2 P). d) Toleranz-Allele entstanden zufällig und waren selten vorhanden; Kupfer wirkte als abiotischer Selektionsfaktor, tolerante Pflanzen hatten mehr Nachkommen. Finale Begründungen und gezielte Mutationen sind fachlich falsch (2 P).

AFB II

Zusammenhänge herstellen

22 Punkte
A3
Taufliegen auf Hawaii
AFB II 12 Punkte
Material 5: Taufliegen auf Hawaii

Auf den Hawaii-Inseln leben rund 1000 Taufliegenarten (Drosophila). Die Inseln sind vulkanisch und verschieden alt; neue Inseln wurden oft von wenigen Tieren besiedelt, manchmal von einem einzigen befruchteten Weibchen. Die Männchen vieler Arten zeigen auffällige, artspezifische Balztänze.

ArtenpaarBefund
Paar 1Männchen balzen mit verschiedenen Flügelbewegungen; Weibchen lehnen Männchen der anderen Art ab.
Paar 2Die Larven entwickeln sich in verschiedenen Pflanzen; die Paarung findet an der Brutpflanze statt.
Paar 3Die Begattungsorgane der Männchen passen nicht zu den Weibchen der anderen Art.
Paar 4Paarung und Befruchtung gelingen, die Hybridmännchen sind aber unfruchtbar.
Material 6: Zwei Arten im selben Wald

Drosophila silvestris und Drosophila heteroneura leben auf der Insel Hawaii in denselben Wäldern. Männchen von D. heteroneura haben einen breiten „Hammerkopf“. Im Labor lassen sich beide kreuzen, die Hybriden sind fruchtbar. Im Freiland findet man Hybriden nur sehr selten, weil Weibchen die Balz fremder Männchen meist ablehnen.

a) Analysieren Sie die Befunde in Material 5 hinsichtlich des Isolationsmechanismus. 4 P
b) Eine neue Insel wird von einem einzigen befruchteten Weibchen besiedelt. Erläutern Sie, welcher Effekt den Genpool der neuen Population zuerst prägt. (eine Antwort richtig) 2 P
c) Auf der Ausgangsinsel hat das Allel A die Frequenz 0,7. Das Gründerweibchen hat den Genotyp Aa und trägt nur Spermien eines aa-Männchens. Die Nachkommen treten genau im erwarteten Zahlenverhältnis auf. Ermitteln Sie p(A) in der ersten Generation auf der neuen Insel. 2 P
d) Erklären Sie mit Material 6, ob D. silvestris und D. heteroneura zwei Arten sind: Welche Aussagen treffen zu? (mehrere Antworten richtig) 3 P
e) Ordnen Sie die Artbildung durch Besiedlung neuer Inseln ein. (eine Antwort richtig) 1 P
Lösung anzeigen (nach Auswerten freigeschaltet)

Erwartungshorizont: a) Paar 1: verschiedene Balz — ethologische Isolation; Paar 2: verschiedene Brutpflanzen als Paarungsort — ökologische Isolation; Paar 3: nicht passende Begattungsorgane — mechanische Isolation; alle drei präzygotisch. Paar 4: Hybride unfruchtbar — postzygotisch, Hybridsterilität (4 P). b) Ein Weibchen mit den Spermien eines Männchens trägt höchstens vier Allele eines Gens in die neue Population; deren Frequenzen weichen zufällig von denen der Ausgangsinsel ab — Gründereffekt als Sonderfall der Gendrift (2 P). c) Aa × aa ergibt je zur Hälfte Aa und aa: \(p(A)=\tfrac12\cdot\tfrac12=0{,}25\) statt 0,7 auf der Ausgangsinsel (2 P). d) Maßstab ist die Fortpflanzung unter natürlichen Bedingungen: Die Ablehnung der fremden Balz (ethologische Isolation) verhindert den Genfluss fast vollständig — zwei Arten. Fruchtbare Laborhybride heben das nicht auf; die Formen sehen zudem verschieden aus (Hammerkopf) (3 P). e) Besiedlung einer anderen Insel trennt die Populationen räumlich — allopatrische Artbildung; wiederholt ergibt sich eine adaptive Radiation (1 P).

A4
Ameisen und Akazien
AFB II 10 Punkte
Material 7: Ameisen und Akazien

Die Büffelhorn-Akazie Mittelamerikas bildet große hohle Dornen, in denen Ameisen einer bestimmten Art leben. Sie scheidet an den Blattstielen Nektar aus und bildet an den Blattspitzen eiweißreiche Futterkörperchen, die die Ameisen an ihre Larven verfüttern. Die Ameisen greifen Pflanzenfresser an und beißen Kletterpflanzen und Keimlinge rund um die Akazie ab. JANZEN entfernte in einem Freilandversuch die Ameisen von einem Teil der Akazien.

mit Ameisenohne Ameisen
Überlebensrate nach 10 Monaten75 %40 %
Anteil angefressener Blätter5 %55 %

Werte gerundet, Modellwerte nach Freilanddaten.

a) Berechnen Sie, um welchen Faktor die Überlebensrate der Akazien mit Ameisen höher ist als ohne. 2 P
b) Analysieren Sie die Beziehung nach Kosten und Nutzen für beide Partner. 4 P
c) Ordnen Sie die Beziehung zwischen Akazie und Ameisen ein. (eine Antwort richtig) 1 P
d) Erklären Sie die Angepasstheit beider Partner ultimat, ohne finale Begründung: Welche Aussagen treffen zu? (mehrere Antworten richtig) 3 P
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Erwartungshorizont: a) \(75\,\%:40\,\%\approx1{,}9\) (genau 1,875) (2 P). b) Die Akazie investiert Stoffe und Energie in Nektar und Futterkörperchen (Kosten) und wird dafür geschützt (Nutzen: weniger Fraß, weniger Konkurrenz). Die Ameisen erhalten Wohnraum und Nahrung (Nutzen) und tragen Energieaufwand und Risiko der Verteidigung (Kosten) (4 P). c) Beide Partner profitieren — Mutualismus; da jede Art für die andere als Selektionsfaktor wirkt, kann er durch Koevolution entstanden sein (1 P). d) Ultimat: Erbliche Varianten mit stärkerer Belohnung bzw. stärkerer Verteidigung hatten mehr Nachkommen; die Allele wurden häufiger. „Damit“ und „wollen“ unterstellen Absicht — finale Aussagen (3 P).

AFB III

Verallgemeinern und Reflektieren

12 Punkte
A5
Helfer am Bau
AFB III 12 Punkte
Material 8: Helfer bei Schabrackenschakalen

Schabrackenschakale leben in Ostafrika paarweise in Revieren. Viele Jungtiere bleiben ein Jahr länger bei ihren Eltern und helfen bei der Aufzucht des nächsten Wurfs: Sie bringen Nahrung, bewachen die Welpen und vertreiben Feinde. Nutznießer der Hilfe sind die Eltern des Helfers (r = 0,5), die dadurch mehr Welpen aufziehen.

Zahl der Helfer012
aufgezogene Welpen je Wurf1,03,24,0

Ein einjähriger Schakal, der stattdessen selbst ein Revier gründet, zieht im Mittel 1,0 eigene Welpen auf (Modellwerte).

a) Ermitteln Sie den Nutzen N (zusätzliche Welpen der Eltern), den ein einzelner Helfer bewirkt. 2 P
Welpen
b) Berechnen Sie r · N für einen einzelnen Helfer. 2 P
Welpen
c) Beurteilen Sie mit der HAMILTON-Regel, ob sich das Helfen eines einzelnen Helfers ausbreiten kann (K = 1,0). (eine Antwort richtig) 2 P
d) Ordnen Sie die Aussagen den beiden Erklärungsebenen zu. 2 P
e) Nehmen Sie Stellung zur Aussage „Helfer handeln selbstlos zum Wohl der Art.“ Welche Argumente sind fachlich haltbar? (mehrere Antworten richtig) 4 P
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Erwartungshorizont: a) \(N=3{,}2-1{,}0=2{,}2\) zusätzliche Welpen (2 P). b) \(r\cdot N=0{,}5\cdot2{,}2=1{,}1\) (2 P). c) \(1{,}1>1{,}0\): Der Helfer gewinnt über die indirekte Fitness etwas mehr, als er an direkter Fitness verliert — die Bedingung ist knapp erfüllt, Helfen kann sich ausbreiten (2 P). d) Proximat: Auslösung durch das Betteln der Welpen, hormonelle und erfahrungsbedingte Steuerung. Ultimat: indirekte Fitness über Geschwister, direkte Fitness durch spätere eigene Aufzucht (2 P). e) Die Aussage ist nicht haltbar. Helfen erhöht die Gesamtfitness (indirekt über Geschwister, direkt durch Erfahrung oder Reviererbe); Selektion wirkt über den Fortpflanzungserfolg von Individuen, nicht „zum Wohl der Art“. Der zweite Helfer zeigt die Grenze: \(0{,}5\cdot0{,}8=0{,}4<1{,}0\) — für ihn müssen direkte Vorteile hinzukommen. Die Fitness von Helfern ist nicht null, und Tiere wägen nicht bewusst ab (4 P).

Ergebnis

Erreicht
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Prozent
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Notenpunkte
—
AufgabeThemaPunkte

Bewertung in Notenpunkten

PunkteNotenpunkteBeurteilung
48 – 50 P15sehr gut
45 – 47 P14sehr gut
43 – 44 P13sehr gut
40 – 42 P12gut
38 – 39 P11gut
35 – 37 P10gut
33 – 34 P9befriedigend
30 – 32 P8befriedigend
28 – 29 P7befriedigend
25 – 27 P6ausreichend
23 – 24 P5ausreichend
20 – 22 P4ausreichend
17 – 19 P3mangelhaft
14 – 16 P2mangelhaft
10 – 13 P1mangelhaft
0 – 9 P0ungenügend