Arten nach dem Aussehen
Um Lebewesen zu benennen und zu ordnen, fasst man sie zu Arten zusammen. Die älteste Methode dafür ist der Vergleich des Körperbaus.
- Art:Grundeinheit der biologischen Systematik; jede Art trägt einen zweiteiligen wissenschaftlichen Namen aus Gattung und Artzusatz, etwa Anas platyrhynchos für die Stockente (nach LINNÉ).
- Morphologischer Artbegriff:Zu einer Art gehören alle Individuen, die in wesentlichen Merkmalen des Körperbaus untereinander und mit ihren Nachkommen übereinstimmen.
- Sexualdimorphismus:Männchen und Weibchen einer Art sehen deutlich verschieden aus, etwa beim Pfau; nach dem Aussehen allein würde man sie für zwei Arten halten.
- Polymorphismus:Eine Art tritt in mehreren erblich verschiedenen Formen auf, etwa die Hain-Bänderschnecke mit gelben, rosa oder braunen, gebänderten oder ungebänderten Gehäusen.
- Zwillingsarten:zwei Arten, die sich äußerlich kaum unterscheiden lassen, etwa Garten- und Waldbaumläufer; der Körperbau allein trennt sie nicht.
- Stärke:Der morphologische Artbegriff ist ohne Beobachtung der Fortpflanzung anwendbar — bei Fossilien, bei Museumsstücken und beim Bestimmen im Gelände.
Morphologischer Artbegriff: Art = Gesamtheit der Individuen, die in wesentlichen Merkmalen des Körperbaus übereinstimmen.
Arten als Fortpflanzungsgemeinschaft
Ob zwei Formen zu einer Art gehören, zeigt sich letztlich daran, ob ihre Erbanlagen sich über die Fortpflanzung mischen. Diese Sicht prägte vor allem Ernst MAYR (1942).
- Population:alle Individuen einer Art, die gleichzeitig in einem Gebiet leben und sich untereinander fortpflanzen können.
- Genpool und Genfluss:Der Genpool ist die Gesamtheit aller Allele einer Population; Genfluss ist der Austausch von Allelen zwischen Populationen durch Fortpflanzung.
- Populationsgenetischer Artbegriff:Eine Art ist die Gesamtheit der Populationen, deren Individuen sich unter natürlichen Bedingungen miteinander fortpflanzen und fruchtbare Nachkommen haben können; sie teilen einen gemeinsamen Genpool (auch biologischer Artbegriff).
- Reproduktive Isolation:Zwischen verschiedenen Arten findet kein dauerhafter Genfluss statt: Sie paaren sich in der Natur nicht, oder ihre Nachkommen sind unfruchtbar.
- Grenzen:Nicht anwendbar bei ungeschlechtlicher Fortpflanzung (etwa bei Bakterien) und bei Fossilien, deren Fortpflanzung sich nicht beobachten lässt.
- Ringarten und Hybridzonen:Bei einer Ringart paaren sich benachbarte Populationen, die Endformen des Rings aber nicht; in einer Hybridzone entstehen dort, wo zwei Formen aufeinandertreffen, Mischlinge (Hybriden). Beides sind unscharfe Übergänge.
- Unterart und Rasse:Unterarten sind geografisch getrennte Populationen einer Art mit erkennbaren Unterschieden, die sich bei Kontakt fruchtbar kreuzen; Rassen sind durch Zucht entstandene Formen von Haustieren oder Kulturpflanzen.
Sieh dir die beiden Lebewesen an und tippe zweimal: Wie würdest du sie nur nach dem Aussehen einordnen — und wie nach Fortpflanzung und Genpool? Starte dann mit ▶ die Auflösung. Mit „Nächster Fall“ oder dem Menü wechselst du zwischen sieben Fällen; der Zähler oben rechts sammelt deine Treffer.
Halte fest: Aussehen und Fortpflanzung führen oft zum selben Ergebnis, aber nicht immer: Zwillingsarten sehen gleich aus und sind getrennt, Männchen und Weibchen oder Hunderassen sehen verschieden aus und bilden einen Genpool. Bei Hybridzonen, Ringarten und ungeschlechtlicher Fortpflanzung stößt auch der populationsgenetische Artbegriff an seine Grenzen.
Populationsgenetischer Artbegriff: Art = Gesamtheit der Populationen, die sich unter natürlichen Bedingungen fruchtbar miteinander fortpflanzen können — ein gemeinsamer Genpool, reproduktiv isoliert von anderen Arten.
Allgemeine Hinweise
Natürlich, nicht erzwungen
Entscheidend ist, ob sich Populationen unter natürlichen Bedingungen fortpflanzen. Im Zoo erzeugte Mischlinge, etwa von Löwe und Tiger, heben eine Artgrenze nicht auf.
Rasse ist nicht Unterart
Rassen sind durch Zucht des Menschen entstanden und werden durch ihn getrennt gehalten. Unterarten sind durch geografische Trennung in der Natur entstanden.
Artgrenzen können unscharf sein
Weil Arten allmählich aus Populationen entstehen, gibt es Übergänge wie Ringarten und Hybridzonen. Kein Artbegriff erfasst alle Fälle, jeder ist ein Werkzeug für bestimmte Fragen.
