Wachstum ohne Grenzen
Wie viele Individuen eine Population zählt, ändert sich ständig. Unter idealen Bedingungen hängt ihr Wachstum nur davon ab, wie viele Individuen schon da sind.
- Population:alle Individuen einer Art, die zur selben Zeit in einem Gebiet leben und sich miteinander fortpflanzen; Populationsgröße N = Individuenzahl, Populationsdichte = Individuen je Fläche oder Volumen.
- Geburten- und Sterberate:Geburten (b) bzw. Todesfälle (d) je Individuum und Zeiteinheit; Zu- und Abwanderung verändern N zusätzlich.
- Zuwachsrate r:r = b − d (ohne Wanderung); bei r > 0 wächst die Population, bei r = 0 bleibt sie gleich, bei r < 0 schrumpft sie.
- Exponentielles Wachstum:Bei unbegrenzten Ressourcen bleibt r konstant; der Zuwachs \(\tfrac{dN}{dt}\) ist proportional zu N, daraus folgt \(N(t) = N_0 \cdot e^{r \cdot t}\) — eine J-förmige Kurve.
- Verdopplungszeit td:Zeit, in der sich N verdoppelt; beim exponentiellen Wachstum immer gleich, egal wie groß die Population schon ist.
- Vorkommen:nur zeitweise: Bakterien in frischer Nährlösung, Besiedlung eines neuen Lebensraums, eingeschleppte Arten ohne Fressfeinde.
Nach der Verdopplungszeit td ist N doppelt so groß wie N0.
Der natürliche Logarithmus hebt die e-Funktion auf.
Je größer die Zuwachsrate, desto kürzer die Verdopplungszeit — N0 spielt keine Rolle.
Exponentielles Wachstum: \(\dfrac{dN}{dt} = r \cdot N\), \(N(t) = N_0 \cdot e^{r \cdot t}\), \(t_d = \dfrac{\ln 2}{r}\)
Wachstum mit Grenzen
Kein Lebensraum bietet unbegrenzt Nahrung und Platz. Je dichter eine Population wird, desto stärker bremst sie ihr eigenes Wachstum.
- Umweltkapazität K:größte Individuenzahl, die ein Lebensraum mit seinen Ressourcen (Nahrung, Raum, Nist- oder Versteckplätze) dauerhaft tragen kann; auch Kapazitätsgrenze.
- Logistisches Wachstum:\(\tfrac{dN}{dt} = r \cdot N \cdot \tfrac{K - N}{K}\); der Faktor \(\tfrac{K-N}{K}\) ist der noch freie Anteil der Kapazität und sinkt mit wachsendem N — die Kurve ist S-förmig (sigmoid).
- Phasen:Anlaufphase (wenige Individuen, kleiner Zuwachs) → exponentielle Phase → Verzögerungsphase (Zuwachs nimmt ab) → stationäre Phase (N ≈ K, Geburten und Todesfälle gleichen sich aus).
- Wendepunkt:Bei N = K/2 ist der Zuwachs am größten; danach wird er kleiner, obwohl N weiter steigt.
- Regulation:Mit steigender Dichte werden Nahrung und Raum je Individuum knapp, die Konkurrenz unter Artgenossen (intraspezifische Konkurrenz) wächst, Krankheiten breiten sich leichter aus: Die Geburtenrate sinkt, die Sterberate steigt.
- Absterbephase:in geschlossenen Kulturen ohne Nachschub, etwa Bakterien oder Hefe im Kolben: Nährstoffe gehen zur Neige, giftige Stoffwechselprodukte reichern sich an, die Sterberate übersteigt die Geburtenrate.
Stelle mit den Reglern die Zuwachsrate r, die Umweltkapazität K und die Anfangsgröße N0 ein und schalte zwischen exponentiellem und logistischem Modell um. Oben siehst du die Individuenzahl N, unten den Zuwachs dN/dt. Wo liegt der Wendepunkt — und was verschiebt ihn?
Halte fest: Im logistischen Modell wächst die Population anfangs fast exponentiell. Der Zuwachs erreicht bei N = K/2 sein Maximum und sinkt dann gegen null. r bestimmt, wie steil die Kurve ansteigt, K, wo sie endet — N0 verschiebt sie nur zeitlich.
Herleitung:Der Zuwachs ist eine nach unten geöffnete Parabel in N.
In den Zuwachs eingesetzt: \(r \cdot \tfrac{K}{2} \cdot \tfrac{1}{2}\).
Logistisches Wachstum: \(\dfrac{dN}{dt} = r \cdot N \cdot \dfrac{K - N}{K}\); größter Zuwachs im Wendepunkt bei \(N = \dfrac{K}{2}\)
Allgemeine Hinweise
Zuwachsrate ist nicht Zuwachs
Die Zuwachsrate r bezieht sich auf ein Individuum, der Zuwachs dN/dt auf die ganze Population. Im Wendepunkt ist dN/dt maximal, obwohl jedes Individuum nur noch halb so viel beiträgt wie am Anfang.
Logarithmus als Test
Trägt man ln N gegen die Zeit auf, wird exponentielles Wachstum zu einer Geraden mit der Steigung r. So lassen sich Messwerte schnell prüfen und r ablesen.
Stationär heißt nicht still
Auch in der stationären Phase werden Individuen geboren und sterben. Nur halten sich beide die Waage, sodass N konstant bleibt.
