Was die Dichte reguliert
Natürliche Populationen wachsen selten ungebremst. Meist schwanken sie um einen Mittelwert, weil Umweltfaktoren Geburten- und Sterberate verändern — manche davon abhängig von der Dichte, andere nicht.
- Dichteabhängige Faktoren:wirken umso stärker, je dichter die Population ist; meist biotisch: Konkurrenz unter Artgenossen um Nahrung, Reviere und Nistplätze (intraspezifische Konkurrenz), Fressfeinde, Parasiten und Krankheitserreger, die sich bei hoher Dichte leichter ausbreiten.
- Dichtestress:bei sehr hoher Dichte, z. B. bei Nagetieren: Hormonsystem und Verhalten ändern sich, die Fortpflanzung geht zurück, die Aggression steigt.
- Dichteunabhängige Faktoren:töten oder schwächen einen gleichen Anteil der Population, egal wie dicht sie ist; meist abiotisch: Witterung (Spätfrost, Dürre, Hochwasser) und Katastrophen wie Waldbrände.
- Negative Rückkopplung:Dichte steigt → dichteabhängige Faktoren wirken stärker → Geburtenrate sinkt, Sterberate steigt → Dichte sinkt (und umgekehrt).
- Regelkreis:Regelgröße ist die Populationsdichte, der Sollwert entspricht etwa der Kapazität K, Stellgrößen sind Geburten- und Sterberate; dichteunabhängige Faktoren wirken als Störgrößen.
- Massenwechsel:starke, oft wiederkehrende Schwankungen, etwa bei Borkenkäfern oder Lemmingen: Ausgelöst oft dichteunabhängig (warme, trockene Jahre), beendet dichteabhängig (Nahrungsmangel, Parasiten, Krankheiten).
Regulation: Nur dichteabhängige Faktoren regulieren eine Population durch negative Rückkopplung; dichteunabhängige Faktoren verändern ihre Größe, ohne sie zu regulieren.
Zwei Strategien der Fortpflanzung
Energie und Stoffe für die Fortpflanzung sind begrenzt. Arten unterscheiden sich darin, ob sie sie auf viele kleine oder auf wenige gut versorgte Nachkommen verteilen — benannt nach den Größen r und K der Wachstumsgleichung.
- Kompromiss (Trade-off):Jede Ressource kann nur einmal verteilt werden: Viele Nachkommen bedeuten wenig Investition je Nachkomme, intensive Brutpflege bedeutet wenige Nachkommen.
- r-Strategie:Selektion auf eine hohe Zuwachsrate r: viele kleine Nachkommen, kaum Brutpflege, frühe Geschlechtsreife, kurze Lebensdauer, geringe Körpergröße; Populationsgröße schwankt stark, meist weit unter K.
- Wo r-Strategen im Vorteil sind:in schwankenden, unvorhersehbaren oder neu entstandenen Lebensräumen: Sie besiedeln freie Flächen schnell (Pionierarten) und überstehen Einbrüche durch massenhafte Vermehrung.
- K-Strategie:Selektion auf Konkurrenzstärke nahe der Kapazität K: wenige große Nachkommen, intensive Brutpflege, späte Geschlechtsreife, lange Lebensdauer, großer Körper; Populationsgröße relativ stabil.
- Wo K-Strategen im Vorteil sind:in stabilen, vorhersehbaren Lebensräumen mit dauerhaft hoher Dichte: Dort überlebt, wer sich gegen Artgenossen durchsetzt.
- Überlebenskurven:Anteil der Überlebenden gegen das Alter: Typ I — hohe Sterblichkeit erst im Alter (typisch K); Typ II — gleichbleibende Sterberate; Typ III — sehr hohe Jugendsterblichkeit (typisch r).
- Kontinuum:Die meisten Arten liegen zwischen den Extremen oder mischen Merkmale; die Einordnung gilt nur im Vergleich mehrerer Arten.
Lies die fünf Steckbriefe und lege jede Art auf einen Platz der Achse — links die ausgeprägtesten r-Merkmale, rechts die ausgeprägtesten K-Merkmale. Ziehen, oder Karte antippen und dann den Platz; mit der Tastatur Enter zum Auswählen, dann 1–5 oder ←/→, 0 legt zurück. Dann „Prüfen“.
Halte fest: Die Merkmale ändern sich gemeinsam und stufenlos — je später die Geschlechtsreife, desto länger das Leben, desto weniger Nachkommen und desto länger die Brutpflege. „r“ und „K“ sind die Enden eines Kontinuums; die Kohlmeise ist im Vergleich zur Maus eher K-, im Vergleich zum Hirsch eher r-Strategin.
r- und K-Strategie: r-Strategen: viele Nachkommen, schnelle Vermehrung, schwankende Lebensräume · K-Strategen: wenige, gut versorgte Nachkommen, Konkurrenzstärke, stabile Lebensräume
Allgemeine Hinweise
Kein Entweder-oder
Eine Art ist nie „der“ r- oder K-Stratege schlechthin. Ohne Vergleichsart ist die Einordnung wertlos, und viele Arten mischen Merkmale beider Strategien.
Die Namen erklären die Strategie
r steht für die Zuwachsrate, K für die Kapazität der logistischen Gleichung. r-Strategen profitieren vom schnellen Anstieg, K-Strategen vom Leben nahe der Obergrenze.
Dichteunabhängig heißt nicht harmlos
Ein Spätfrost kann die Hälfte einer Population töten. Er reguliert sie trotzdem nicht, weil er in einer dünnen Population denselben Anteil tötet wie in einer dichten.
