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Probeklausur

Was haben Zahnarztspritze, Menthol und Bienensterben gemeinsam? Sieben Aufgaben, 60 Punkte, 135 Minuten — eine komplette Klausur mit Auswertung in Notenpunkten.

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Bearbeitungszeit135 Minuten

Hilfsmittel: Taschenrechner. Alle Zahlenwerte in den Materialien sind Modellwerte, sofern nicht anders angegeben. Geben Sie Zahlen mit Komma ein. Die Lösungen werden nach dem Auswerten freigeschaltet.

AFB I

Wissen und Reproduzieren

16 Punkte
A1
Ein Motoneuron in Ruhe
AFB I 8 Punkte
Material 1: Ein Motoneuron und seine Ionenverteilung (Schema, Modellwerte)

Das Axon eines Motoneurons zieht vom Rückenmark bis zu einem Skelettmuskel. Die Tabelle nennt die Ionenkonzentrationen an seiner Membran; in Ruhe misst man ein Membranpotenzial von −70 mV.

1234Richtung Skelettmuskel →
Motoneuron mit vier markierten Strukturen (nicht maßstäblich)
Ioninnen in mmol/Laußen in mmol/L
K⁺1405
Na⁺15145
Cl⁻10120
organische Anionen A⁻130—
a) Ordnen Sie den Ziffern 1 bis 4 in Material 1 die Fachbegriffe zu. 3 P
b) Entnehmen Sie Material 1, wievielmal so hoch die K⁺-Konzentration innen ist wie außen. 1 P
c) Nennen Sie die Hauptursache für das negative Ruhepotenzial. (eine Antwort richtig) 2 P
d) Geben Sie für jede Struktur an, ob sie zur Nervenzelle selbst oder zu einer Gliazelle gehört. 2 P
Lösung anzeigen (nach Auswerten freigeschaltet)

Erwartungshorizont: a) 1 Dendrit, 2 Axonhügel, 3 Ranvier-Schnürring, 4 Endknöpfchen; Zellkern und Myelinscheide sind im Schema zu sehen, aber nicht markiert (3 P). b) 140 mmol/L : 5 mmol/L = 28 — K⁺ ist innen 28-mal so hoch konzentriert wie außen (1 P). c) In Ruhe sind vor allem K⁺-Kanäle (Leckkanäle) offen. K⁺ diffundiert entlang seines Konzentrationsgefälles nach außen, die großen organischen Anionen können nicht folgen. Die Innenseite lädt sich negativ auf, bis das Ladungsgefälle den Ausstrom ausgleicht (E(K⁺) ≈ −90 mV); ein kleiner Na⁺-Leckstrom macht das Ruhepotenzial mit −70 mV etwas weniger negativ. Die Pumpe erhält nur die Konzentrationsgefälle (2 P). d) Nervenzelle: Axonhügel, Endknöpfchen; Gliazelle: Myelinscheide im Muskelnerv (Schwann-Zellen) und Hülle um Axone im Rückenmark (Oligodendrocyten) (2 P).

A2
Reize an einem Axon
AFB I 8 Punkte
Material 2: Reize an einem isolierten Axon (vereinfachte Modellwerte)

Ein myelinisiertes Axon aus einem Beinnerv einer Ratte liegt in einer Nährlösung und wird an einer Stelle mit kurzen Stromstößen gereizt. Zwei Mikroelektroden messen das Membranpotenzial: E1 liegt nahe am Reizort, E2 liegt 40 mm weiter entfernt. Das Diagramm zeigt die Messung für den Reiz R2, die Tabelle die höchsten Messwerte für drei unterschiedlich starke Reize.

−100−80−60−40−2002040012345678Membranpotenzial in mVZeit in msE1E2Reiz R2
Membranpotenzial an E1 und E2 nach dem Reiz R2
ReizStärkehöchster Wert an E1höchster Wert an E2
R1schwach−62 mV−70 mV
R2mittel+30 mV+30 mV
R3doppelt so stark wie R2+30 mV+30 mV
a) Beschreiben Sie die Messergebnisse der drei Reize: Welche Aussagen treffen zu? (mehrere Antworten richtig) 2 P
b) Berechnen Sie aus Material 2 die Leitungsgeschwindigkeit des Axons. 3 P
m/s
c) Stellen Sie die Vorgänge an den Ionenkanälen während des AP an E1 dar: Welche Aussagen treffen zu? (mehrere Antworten richtig) 2 P
d) Bestimmen Sie die Amplitude des AP an E1 (vom Ruhepotenzial bis zur Spitze). 1 P
mV
Lösung anzeigen (nach Auswerten freigeschaltet)

Erwartungshorizont: a) R1 ist unterschwellig: An E1 steigt das Potenzial nur auf −62 mV und klingt wieder ab, an E2 bleibt es bei −70 mV. R2 und R3 lösen an E1 und E2 gleich hohe APs bis +30 mV aus: Alles-oder-Nichts-Prinzip; das AP wird an jeder Stelle neu gebildet und kommt ungeschwächt an (2 P). b) Spitze an E1 bei 2,0 ms, an E2 bei 4,0 ms: \(v=\dfrac{s}{t}=\dfrac{40\,\text{mm}}{2{,}0\,\text{ms}}=20\,\tfrac{\text{m}}{\text{s}}\) (3 P). c) Depolarisation durch Na⁺-Einstrom über spannungsgesteuerte Na⁺-Kanäle (positive Rückkopplung), danach Inaktivierung; verzögert öffnende spannungsgesteuerte K⁺-Kanäle: K⁺-Ausstrom → Repolarisation; weil sie langsam schließen, folgt eine kurze Hyperpolarisation. Die Pumpe ist am AP nicht beteiligt, Cl⁻ spielt keine Rolle (2 P). d) +30 mV − (−70 mV) = 100 mV (1 P).

AFB II

Zusammenhänge herstellen

28 Punkte
A3
Betäubung beim Zahnarzt
AFB II 12 Punkte
Material 3: Lokalanästhesie mit Lidocain (vereinfachte Modellwerte)

Vor dem Bohren spritzt die Zahnärztin das Lokalanästhetikum Lidocain in die Nähe eines Nervs im Kiefer. Lidocain gelangt in die Axone und blockiert dort spannungsgesteuerte Na⁺-Kanäle; nach einigen Stunden ist es abtransportiert und abgebaut. Im Nerv verlaufen verschieden dicke Fasern: dünne Schmerzfasern (Aδ und C, etwa 1–3 µm), Aβ-Fasern für Druck und Berührung (myelinisiert, etwa 10 µm) und Aα-Fasern von Motoneuronen der Kaumuskulatur (myelinisiert, etwa 15 µm). An einem isolierten Nerv wurde gemessen, welcher Anteil der Fasern nach Zugabe von Lidocain noch Aktionspotenziale leitet.

0255075100012345678910noch leitende Fasern in %Zeit nach der Injektion in minSchmerzfasern (Aδ, C)Aβ-Fasern (Druck, Berührung)Aα-Fasern (Motoneurone)
Anteil der Fasern, die nach der Lidocain-Gabe noch Aktionspotenziale leiten
a) Vergleichen Sie die Wirkung von Lidocain auf die drei Fasertypen: Welche Aussagen treffen zu? (mehrere Antworten richtig) 3 P
b) Ermitteln Sie aus Material 3, um wie viele Minuten später als bei den Schmerzfasern die Hälfte der Aα-Fasern blockiert ist. 2 P
min
c) Erklären Sie die Beobachtungen: Ordnen Sie jeder Beobachtung die passende Erklärung zu. 3 P
d) Begründen Sie mit Material 3, warum eine Patientin etwa 3 min nach der Spritze beim Bohren zwar Druck spürt, aber keinen Schmerz. (eine Antwort richtig) 2 P
e) Ordnen Sie die Wirkung von Lidocain in Ihr Wissen über Stoffe ein, die an Ionenkanälen und Synapsen angreifen. (eine Antwort richtig) 2 P
Lösung anzeigen (nach Auswerten freigeschaltet)

Erwartungshorizont: a) Die Schmerzfasern fallen zuerst aus (Hälfte nach etwa 1,6 min, nach 4 min praktisch alle), dann die Aβ-Fasern (Hälfte nach etwa 4,5 min), zuletzt die Aα-Fasern (Hälfte nach 6 min); nach 10 min leitet keine Faser mehr. Dünne Fasern werden also schneller blockiert als dicke (3 P). b) 6,0 min − 1,6 min ≈ 4,4 min (2 P). c) Ohne offene Na⁺-Kanäle bildet die betäubte Strecke keine neuen APs, die Erregung bricht dort ab; außerhalb der Spritzstelle, z. B. an den Nervenendigungen im Zahn, entstehen weiter APs, sie werden aber nicht weitergeleitet; nach Abtransport und Abbau von Lidocain sind die Kanäle wieder funktionsfähig (3 P). d) Nach 3 min sind die meisten dünnen Schmerzfasern blockiert, von den Aβ-Fasern leiten dagegen noch rund 90 %. Druck wird weiter gemeldet, Schmerz nicht (2 P). e) Wie TTX verhindert Lidocain den Na⁺-Einstrom über spannungsgesteuerte Na⁺-Kanäle, sodass kein AP entsteht; anders als ein Gift wird es örtlich begrenzt dosiert und wirkt nur vorübergehend. Curare wirkt am ACh-Rezeptor, TEA an K⁺-Kanälen, E 605 an der Acetylcholinesterase (2 P).

A4
Frische durch Menthol
AFB II 10 Punkte
Material 4: Eine Kältefaser der Haut (vereinfachte Modellwerte)

Kälterezeptoren sind freie Nervenendigungen sensorischer Nervenzellen. An der Zunge einer narkotisierten Katze wurde die AP-Frequenz einer einzelnen Kältefaser gemessen. Bis 4 s lag die Oberflächentemperatur bei 34 °C, dann wurde sie schlagartig auf 24 °C gesenkt und dort gehalten (Diagramm). In einem zweiten Versuch wurde die Oberfläche mit einer Menthol-Lösung benetzt, ohne die Temperatur zu verändern (Tabelle).

01020304050607002468101214161820AP-Frequenz in HzZeit in s34 °C24 °C
AP-Frequenz der Kältefaser vor und nach dem Abkühlen
TemperaturAP-Frequenz ohne MentholAP-Frequenz mit Menthol
34 °C2 Hz10 Hz
24 °C (nach 20 s)12 Hz22 Hz
a) Werten Sie das Diagramm in Material 4 aus: Welche Aussagen treffen zu? (mehrere Antworten richtig) 3 P
b) Untersuchen Sie das Diagramm: Um wie viel Prozent sinkt die AP-Frequenz vom Höchstwert bis 16 s? 2 P
%
c) Erläutern Sie den Frequenzverlauf nach dem Abkühlen. (eine Antwort richtig) 2 P
d) Leiten Sie aus Material 4 her, warum Menthol ein Kältegefühl hervorruft, obwohl die Haut nicht kälter wird. (eine Antwort richtig) 3 P
Lösung anzeigen (nach Auswerten freigeschaltet)

Erwartungshorizont: a) Bis 4 s feuert die Faser mit etwa 2 Hz; nach dem Abkühlen steigt die Frequenz binnen 0,5 s auf etwa 60 Hz, fällt dann ab und bleibt ab etwa 12 s bei rund 12 Hz. Über die Höhe der einzelnen APs sagt ein Frequenzdiagramm nichts aus; nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip ist sie gleich (3 P). b) \(\dfrac{60\,\text{Hz}-12\,\text{Hz}}{60\,\text{Hz}}\cdot100\,\%=80\,\%\) (2 P). c) Adaptation: Bei gleichbleibendem Reiz nehmen Rezeptorpotenzial und damit die AP-Frequenz ab, ohne dass die Faser geschädigt oder erschöpft ist. Weil eine Dauerfrequenz bleibt, meldet die Faser sowohl die Änderung (phasischer Anteil) als auch die anhaltende Temperatur (tonischer Anteil) (2 P). d) Mit Menthol steigt die Frequenz bei unveränderten 34 °C von 2 auf 10 Hz — fast so viel wie ohne Menthol bei 24 °C (12 Hz). Menthol wirkt also als chemischer Reiz auf die Transduktion der Kältefaser (es öffnet denselben kälteempfindlichen Kationenkanal): Das Rezeptorpotenzial und damit die AP-Frequenz steigen. Das Gehirn kann nicht unterscheiden, wodurch die Faser erregt wurde; jede Erregung dieser Bahn wird als „kalt“ empfunden (3 P).

A5
Schreckhafte Neugeborene
AFB II 6 Punkte
Material 5: Hyperekplexie (vereinfachte Modellwerte)

Hyperekplexie ist eine seltene erbliche Erkrankung: Betroffene Neugeborene erschrecken bei plötzlichen Geräuschen oder Berührungen übermäßig stark, ihre Muskeln versteifen sich. Ursache ist meist eine Mutation im Gen für einen Baustein des Glycin-Rezeptors: Der veränderte Rezeptor lässt bei Bindung von Glycin weniger Cl⁻ einströmen. Hemmende Interneurone bilden im Rückenmark und Hirnstamm Glycin-Synapsen mit Motoneuronen. Das Diagramm zeigt IPSP eines Motoneurons nach Reizung eines solchen Interneurons.

−78−76−74−72−70−68−660510152025303540Membranpotenzial in mVZeit in msReiz am InterneurongesundHyperekplexie
IPSP eines Motoneurons bei einer gesunden Person und bei Hyperekplexie

Modell: Ruhepotenzial des Motoneurons −70 mV, Schwellenwert −50 mV. Ein plötzliches Geräusch erzeugt am Axonhügel gleichzeitig erregende Eingänge von zusammen +22 mV und über das hemmende Interneuron ein IPSP wie im Diagramm. Behandelt wird die Erkrankung meist mit Clonazepam, einem Benzodiazepin.

a) Überprüfen Sie die Aussage „Bei Hyperekplexie sind die Motoneurone übererregbar, weil ihre spannungsgesteuerten Na⁺-Kanäle zu leicht öffnen.“ (eine Antwort richtig) 2 P
b) Weisen Sie mit dem Modell nach, dass ein plötzliches Geräusch bei Hyperekplexie ein AP im Motoneuron auslöst: Geben Sie das Membranpotenzial am Axonhügel bei der erkrankten Person an. 2 P
mV
c) Deuten Sie die Wirkung von Clonazepam bei Hyperekplexie: Welche Aussagen treffen zu? (mehrere Antworten richtig) 2 P
Lösung anzeigen (nach Auswerten freigeschaltet)

Erwartungshorizont: a) Die Aussage ist falsch: Die Mutation betrifft den ligandengesteuerten Cl⁻-Kanal (Glycin-Rezeptor). Glycin wird normal freigesetzt, aber der Cl⁻-Einstrom ist kleiner, das IPSP beträgt nur −1,5 statt −6 mV. Übererregbar sind die Motoneurone, weil ein Teil der Hemmung fehlt (2 P). b) Gesund: −70 mV + 22 mV − 6 mV = −54 mV, unter dem Schwellenwert, kein AP. Hyperekplexie: −70 mV + 22 mV − 1,5 mV = −49,5 mV ≥ −50 mV, ein AP entsteht — der Muskel zuckt (2 P). c) Benzodiazepine binden am GABA-Rezeptor und verstärken die Wirkung von GABA: Der Cl⁻-Kanal öffnet häufiger, die IPSP an GABA-Synapsen werden größer. Das gleicht die schwächere Glycin-Hemmung teilweise aus, die Summe am Axonhügel bleibt öfter unter −50 mV. Den Glycin-Rezeptor selbst verändert Clonazepam nicht (2 P).

AFB III

Verallgemeinern und Reflektieren

16 Punkte
A6
Neonicotinoide und Honigbienen
AFB III 12 Punkte
Material 6: Ein Insektizid an Synapsen des Bienengehirns (vereinfachte Modellwerte)

Imidacloprid gehört zu den Neonicotinoiden, einer Gruppe von Insektiziden, mit denen z. B. Saatgut gebeizt wird: Die Pflanze nimmt den Stoff auf, saugende Schädlinge wie Blattläuse sterben. Im Gehirn von Insekten übertragen viele Synapsen die Erregung mit Acetylcholin auf nikotinische ACh-Rezeptoren. Imidacloprid bindet an diese Rezeptoren, wird aber von der Acetylcholinesterase nicht gespalten. Das Diagramm zeigt das Membranpotenzial einer Nervenzelle aus dem Gehirn einer Honigbiene, auf die kurz ACh bzw. Imidacloprid getropft wurde; aufgesetzte Aktionspotenziale sind weggelassen.

−80−70−60−50−40−30012345678910Membranpotenzial in mVZeit in sZugabeImidaclopridACh
Membranpotenzial einer Nervenzelle aus dem Bienengehirn nach Zugabe von ACh bzw. Imidacloprid
nikotinischer ACh-RezeptorImidacloprid-Konzentration, bei der die Hälfte der Rezeptoren besetzt ist
Gehirn der Honigbiene5 nmol/L
Gehirn des Menschen2 500 nmol/L

In Feldversuchen fanden Bienen, die eine nicht tödliche Dosis eines Neonicotinoids aufgenommen hatten, seltener zu ihrem Stock zurück. Seit 2018 ist der Einsatz von Imidacloprid und zwei weiteren Neonicotinoiden im Freiland in der EU verboten; Landwirte bekämpfen die Schädlinge seither anders, z. B. mit Spritzmitteln oder durch Fruchtwechsel.

a) Interpretieren Sie das Diagramm in Material 6: Welche Aussagen treffen zu? (mehrere Antworten richtig) 3 P
b) Wenden Sie die Tabelle an: Wievielmal höher muss die Imidacloprid-Konzentration beim Menschen sein, damit ebenso viele Rezeptoren besetzt sind wie bei der Biene? 2 P
c) Analysieren Sie die Folgen einer hohen Dosis für die Biene: Ordnen Sie jedem Vorgang seine Folge zu. 3 P
d) Entwickeln Sie einen Versuch, der prüft, ob eine nicht tödliche Imidacloprid-Dosis das Lernen von Bienen beeinträchtigt: Welche Planungsschritte sind sinnvoll? (mehrere Antworten richtig) 2 P
e) Nehmen Sie Stellung zur Aussage: „Imidacloprid ist für Menschen völlig ungefährlich, weil es an deren Rezeptoren nicht bindet.“ Welche Argumente sind fachlich richtig? (mehrere Antworten richtig) 2 P
Lösung anzeigen (nach Auswerten freigeschaltet)

Erwartungshorizont: a) Nach ACh steigt das Potenzial kurz auf etwa −52 mV und ist nach etwa einer halben Sekunde wieder bei −70 mV: ACh öffnet die Rezeptor-Kanäle und wird von der Acetylcholinesterase gespalten. Nach Imidacloprid steigt es auf etwa −42 mV und bleibt dort, weil das Insektizid wie ein Agonist die Kanäle öffnet, aber nicht abgebaut wird (3 P). b) 2 500 nmol/L : 5 nmol/L = 500 (2 P). c) Bindung → Kationenkanäle öffnen, Na⁺-Einstrom; Dauerdepolarisation → spannungsgesteuerte Na⁺-Kanäle bleiben inaktiviert, keine neuen APs; anfangs Dauerfeuer → Zittern, unkoordinierte Bewegungen; danach keine Erregungsleitung mehr → Lähmung und Tod. Ein Cl⁻-Einstrom tritt an diesen Rezeptoren nicht auf (3 P). d) Klassische Konditionierung des Rüsselreflexes: Duft + Zuckerlösung mehrmals gemeinsam darbieten, dann nur den Duft; gemessen wird der Anteil der Bienen, die den Rüssel ausstrecken. Versuchsgruppe mit nicht tödlicher Dosis, Kontrollgruppe ohne Imidacloprid, sonst gleiche Bedingungen, große Stichproben und Wiederholungen; eine tödliche Dosis oder eine Einzelbiene erlauben keine Aussage über das Lernen (2 P). e) Die Aussage ist zu stark: Imidacloprid bindet auch an menschliche Rezeptoren, jedoch erst bei etwa 500-fach höherer Konzentration. Bei üblichen Rückständen ist das Risiko gering, bei hohen Dosen (Vergiftung) sind Wirkungen möglich. Menschen besitzen nikotinische ACh-Rezeptoren (z. B. an der Endplatte und im Gehirn); die Acetylcholinesterase spaltet Imidacloprid nicht (2 P).

A7
Fingerübungen am Klavier
AFB III 4 Punkte
Material 7: Üben verändert die Hirnrinde (vereinfacht nach PASCUAL-LEONE u. a., 1995; Modellwerte)

Mit der transkraniellen Magnetstimulation (TMS) reizt eine Magnetspule am Kopf kleine Bereiche der motorischen Hirnrinde von außen. So lässt sich die Fläche bestimmen, von der aus Fingermuskeln einer Hand erregt werden können. Erwachsene ohne Klaviererfahrung übten fünf Tage lang täglich zwei Stunden eine Fünffingerübung am Klavier. Eine zweite Gruppe stellte sich die Übung nur vor, eine Kontrollgruppe spielte ebenso lange ohne festes Muster auf der Tastatur.

GruppeFläche am Tag 1Fläche am Tag 5
Übungsgruppe3,0 cm²5,1 cm²
nur vorgestellt3,0 cm²4,5 cm²
Kontrollgruppe3,0 cm²3,1 cm²
a) Bestätigen Sie durch Rechnung die Aussage „Bei der Übungsgruppe wuchs die Fläche in fünf Tagen um rund 70 %“: Geben Sie die Zunahme in Prozent an. 2 P
%
b) Bewerten Sie die Studie: Welche Aussagen sind fachlich haltbar? (mehrere Antworten richtig) 2 P
Lösung anzeigen (nach Auswerten freigeschaltet)

Erwartungshorizont: a) \(\dfrac{5{,}1\,\text{cm}^2-3{,}0\,\text{cm}^2}{3{,}0\,\text{cm}^2}\cdot100\,\%=70\,\%\) (2 P). b) Die Kontrollgruppe bewegte die Finger ebenso lange, ihre Fläche blieb fast gleich; die Vergrößerung hängt also mit dem Lernen des Musters zusammen. Als Grundlage kommen neuronale Plastizität, Verstärkung genutzter Synapsen (LTP) und neue Dornfortsätze in Frage; neue Nervenzellen erklären den Befund nicht. Mentales Üben wirkt ebenfalls, aber schwächer (4,5 statt 5,1 cm²) — daraus folgt nicht, dass körperliches Üben überflüssig ist. Einschränkungen: kleine Gruppen, TMS misst nur die Fläche, nicht die Ursache (2 P).

Ergebnis

Erreicht
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Prozent
0 %
Notenpunkte
—
AufgabeThemaPunkte

Bewertung in Notenpunkten

PunkteNotenpunkteBeurteilung
57 – 60 P15sehr gut
54 – 56 P14sehr gut
51 – 53 P13sehr gut
48 – 50 P12gut
45 – 47 P11gut
42 – 44 P10gut
39 – 41 P9befriedigend
36 – 38 P8befriedigend
33 – 35 P7befriedigend
30 – 32 P6ausreichend
27 – 29 P5ausreichend
24 – 26 P4ausreichend
20 – 23 P3mangelhaft
16 – 19 P2mangelhaft
12 – 15 P1mangelhaft
0 – 11 P0ungenügend