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Wissen und Reproduzieren
16 PunkteDas Axon eines Motoneurons zieht vom Rückenmark bis zu einem Skelettmuskel. Die Tabelle nennt die Ionenkonzentrationen an seiner Membran; in Ruhe misst man ein Membranpotenzial von −70 mV.
| Ion | innen in mmol/L | außen in mmol/L |
|---|---|---|
| K⁺ | 140 | 5 |
| Na⁺ | 15 | 145 |
| Cl⁻ | 10 | 120 |
| organische Anionen A⁻ | 130 | — |
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Erwartungshorizont: a) 1 Dendrit, 2 Axonhügel, 3 Ranvier-Schnürring, 4 Endknöpfchen; Zellkern und Myelinscheide sind im Schema zu sehen, aber nicht markiert (3 P). b) 140 mmol/L : 5 mmol/L = 28 — K⁺ ist innen 28-mal so hoch konzentriert wie außen (1 P). c) In Ruhe sind vor allem K⁺-Kanäle (Leckkanäle) offen. K⁺ diffundiert entlang seines Konzentrationsgefälles nach außen, die großen organischen Anionen können nicht folgen. Die Innenseite lädt sich negativ auf, bis das Ladungsgefälle den Ausstrom ausgleicht (E(K⁺) ≈ −90 mV); ein kleiner Na⁺-Leckstrom macht das Ruhepotenzial mit −70 mV etwas weniger negativ. Die Pumpe erhält nur die Konzentrationsgefälle (2 P). d) Nervenzelle: Axonhügel, Endknöpfchen; Gliazelle: Myelinscheide im Muskelnerv (Schwann-Zellen) und Hülle um Axone im Rückenmark (Oligodendrocyten) (2 P).
Ein myelinisiertes Axon aus einem Beinnerv einer Ratte liegt in einer Nährlösung und wird an einer Stelle mit kurzen Stromstößen gereizt. Zwei Mikroelektroden messen das Membranpotenzial: E1 liegt nahe am Reizort, E2 liegt 40 mm weiter entfernt. Das Diagramm zeigt die Messung für den Reiz R2, die Tabelle die höchsten Messwerte für drei unterschiedlich starke Reize.
| Reiz | Stärke | höchster Wert an E1 | höchster Wert an E2 |
|---|---|---|---|
| R1 | schwach | −62 mV | −70 mV |
| R2 | mittel | +30 mV | +30 mV |
| R3 | doppelt so stark wie R2 | +30 mV | +30 mV |
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Erwartungshorizont: a) R1 ist unterschwellig: An E1 steigt das Potenzial nur auf −62 mV und klingt wieder ab, an E2 bleibt es bei −70 mV. R2 und R3 lösen an E1 und E2 gleich hohe APs bis +30 mV aus: Alles-oder-Nichts-Prinzip; das AP wird an jeder Stelle neu gebildet und kommt ungeschwächt an (2 P). b) Spitze an E1 bei 2,0 ms, an E2 bei 4,0 ms: \(v=\dfrac{s}{t}=\dfrac{40\,\text{mm}}{2{,}0\,\text{ms}}=20\,\tfrac{\text{m}}{\text{s}}\) (3 P). c) Depolarisation durch Na⁺-Einstrom über spannungsgesteuerte Na⁺-Kanäle (positive Rückkopplung), danach Inaktivierung; verzögert öffnende spannungsgesteuerte K⁺-Kanäle: K⁺-Ausstrom → Repolarisation; weil sie langsam schließen, folgt eine kurze Hyperpolarisation. Die Pumpe ist am AP nicht beteiligt, Cl⁻ spielt keine Rolle (2 P). d) +30 mV − (−70 mV) = 100 mV (1 P).
Zusammenhänge herstellen
28 PunkteVor dem Bohren spritzt die Zahnärztin das Lokalanästhetikum Lidocain in die Nähe eines Nervs im Kiefer. Lidocain gelangt in die Axone und blockiert dort spannungsgesteuerte Na⁺-Kanäle; nach einigen Stunden ist es abtransportiert und abgebaut. Im Nerv verlaufen verschieden dicke Fasern: dünne Schmerzfasern (Aδ und C, etwa 1–3 µm), Aβ-Fasern für Druck und Berührung (myelinisiert, etwa 10 µm) und Aα-Fasern von Motoneuronen der Kaumuskulatur (myelinisiert, etwa 15 µm). An einem isolierten Nerv wurde gemessen, welcher Anteil der Fasern nach Zugabe von Lidocain noch Aktionspotenziale leitet.
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Erwartungshorizont: a) Die Schmerzfasern fallen zuerst aus (Hälfte nach etwa 1,6 min, nach 4 min praktisch alle), dann die Aβ-Fasern (Hälfte nach etwa 4,5 min), zuletzt die Aα-Fasern (Hälfte nach 6 min); nach 10 min leitet keine Faser mehr. Dünne Fasern werden also schneller blockiert als dicke (3 P). b) 6,0 min − 1,6 min ≈ 4,4 min (2 P). c) Ohne offene Na⁺-Kanäle bildet die betäubte Strecke keine neuen APs, die Erregung bricht dort ab; außerhalb der Spritzstelle, z. B. an den Nervenendigungen im Zahn, entstehen weiter APs, sie werden aber nicht weitergeleitet; nach Abtransport und Abbau von Lidocain sind die Kanäle wieder funktionsfähig (3 P). d) Nach 3 min sind die meisten dünnen Schmerzfasern blockiert, von den Aβ-Fasern leiten dagegen noch rund 90 %. Druck wird weiter gemeldet, Schmerz nicht (2 P). e) Wie TTX verhindert Lidocain den Na⁺-Einstrom über spannungsgesteuerte Na⁺-Kanäle, sodass kein AP entsteht; anders als ein Gift wird es örtlich begrenzt dosiert und wirkt nur vorübergehend. Curare wirkt am ACh-Rezeptor, TEA an K⁺-Kanälen, E 605 an der Acetylcholinesterase (2 P).
Kälterezeptoren sind freie Nervenendigungen sensorischer Nervenzellen. An der Zunge einer narkotisierten Katze wurde die AP-Frequenz einer einzelnen Kältefaser gemessen. Bis 4 s lag die Oberflächentemperatur bei 34 °C, dann wurde sie schlagartig auf 24 °C gesenkt und dort gehalten (Diagramm). In einem zweiten Versuch wurde die Oberfläche mit einer Menthol-Lösung benetzt, ohne die Temperatur zu verändern (Tabelle).
| Temperatur | AP-Frequenz ohne Menthol | AP-Frequenz mit Menthol |
|---|---|---|
| 34 °C | 2 Hz | 10 Hz |
| 24 °C (nach 20 s) | 12 Hz | 22 Hz |
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Erwartungshorizont: a) Bis 4 s feuert die Faser mit etwa 2 Hz; nach dem Abkühlen steigt die Frequenz binnen 0,5 s auf etwa 60 Hz, fällt dann ab und bleibt ab etwa 12 s bei rund 12 Hz. Über die Höhe der einzelnen APs sagt ein Frequenzdiagramm nichts aus; nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip ist sie gleich (3 P). b) \(\dfrac{60\,\text{Hz}-12\,\text{Hz}}{60\,\text{Hz}}\cdot100\,\%=80\,\%\) (2 P). c) Adaptation: Bei gleichbleibendem Reiz nehmen Rezeptorpotenzial und damit die AP-Frequenz ab, ohne dass die Faser geschädigt oder erschöpft ist. Weil eine Dauerfrequenz bleibt, meldet die Faser sowohl die Änderung (phasischer Anteil) als auch die anhaltende Temperatur (tonischer Anteil) (2 P). d) Mit Menthol steigt die Frequenz bei unveränderten 34 °C von 2 auf 10 Hz — fast so viel wie ohne Menthol bei 24 °C (12 Hz). Menthol wirkt also als chemischer Reiz auf die Transduktion der Kältefaser (es öffnet denselben kälteempfindlichen Kationenkanal): Das Rezeptorpotenzial und damit die AP-Frequenz steigen. Das Gehirn kann nicht unterscheiden, wodurch die Faser erregt wurde; jede Erregung dieser Bahn wird als „kalt“ empfunden (3 P).
Hyperekplexie ist eine seltene erbliche Erkrankung: Betroffene Neugeborene erschrecken bei plötzlichen Geräuschen oder Berührungen übermäßig stark, ihre Muskeln versteifen sich. Ursache ist meist eine Mutation im Gen für einen Baustein des Glycin-Rezeptors: Der veränderte Rezeptor lässt bei Bindung von Glycin weniger Cl⁻ einströmen. Hemmende Interneurone bilden im Rückenmark und Hirnstamm Glycin-Synapsen mit Motoneuronen. Das Diagramm zeigt IPSP eines Motoneurons nach Reizung eines solchen Interneurons.
Modell: Ruhepotenzial des Motoneurons −70 mV, Schwellenwert −50 mV. Ein plötzliches Geräusch erzeugt am Axonhügel gleichzeitig erregende Eingänge von zusammen +22 mV und über das hemmende Interneuron ein IPSP wie im Diagramm. Behandelt wird die Erkrankung meist mit Clonazepam, einem Benzodiazepin.
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Erwartungshorizont: a) Die Aussage ist falsch: Die Mutation betrifft den ligandengesteuerten Cl⁻-Kanal (Glycin-Rezeptor). Glycin wird normal freigesetzt, aber der Cl⁻-Einstrom ist kleiner, das IPSP beträgt nur −1,5 statt −6 mV. Übererregbar sind die Motoneurone, weil ein Teil der Hemmung fehlt (2 P). b) Gesund: −70 mV + 22 mV − 6 mV = −54 mV, unter dem Schwellenwert, kein AP. Hyperekplexie: −70 mV + 22 mV − 1,5 mV = −49,5 mV ≥ −50 mV, ein AP entsteht — der Muskel zuckt (2 P). c) Benzodiazepine binden am GABA-Rezeptor und verstärken die Wirkung von GABA: Der Cl⁻-Kanal öffnet häufiger, die IPSP an GABA-Synapsen werden größer. Das gleicht die schwächere Glycin-Hemmung teilweise aus, die Summe am Axonhügel bleibt öfter unter −50 mV. Den Glycin-Rezeptor selbst verändert Clonazepam nicht (2 P).
Verallgemeinern und Reflektieren
16 PunkteImidacloprid gehört zu den Neonicotinoiden, einer Gruppe von Insektiziden, mit denen z. B. Saatgut gebeizt wird: Die Pflanze nimmt den Stoff auf, saugende Schädlinge wie Blattläuse sterben. Im Gehirn von Insekten übertragen viele Synapsen die Erregung mit Acetylcholin auf nikotinische ACh-Rezeptoren. Imidacloprid bindet an diese Rezeptoren, wird aber von der Acetylcholinesterase nicht gespalten. Das Diagramm zeigt das Membranpotenzial einer Nervenzelle aus dem Gehirn einer Honigbiene, auf die kurz ACh bzw. Imidacloprid getropft wurde; aufgesetzte Aktionspotenziale sind weggelassen.
| nikotinischer ACh-Rezeptor | Imidacloprid-Konzentration, bei der die Hälfte der Rezeptoren besetzt ist |
|---|---|
| Gehirn der Honigbiene | 5 nmol/L |
| Gehirn des Menschen | 2 500 nmol/L |
In Feldversuchen fanden Bienen, die eine nicht tödliche Dosis eines Neonicotinoids aufgenommen hatten, seltener zu ihrem Stock zurück. Seit 2018 ist der Einsatz von Imidacloprid und zwei weiteren Neonicotinoiden im Freiland in der EU verboten; Landwirte bekämpfen die Schädlinge seither anders, z. B. mit Spritzmitteln oder durch Fruchtwechsel.
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Erwartungshorizont: a) Nach ACh steigt das Potenzial kurz auf etwa −52 mV und ist nach etwa einer halben Sekunde wieder bei −70 mV: ACh öffnet die Rezeptor-Kanäle und wird von der Acetylcholinesterase gespalten. Nach Imidacloprid steigt es auf etwa −42 mV und bleibt dort, weil das Insektizid wie ein Agonist die Kanäle öffnet, aber nicht abgebaut wird (3 P). b) 2 500 nmol/L : 5 nmol/L = 500 (2 P). c) Bindung → Kationenkanäle öffnen, Na⁺-Einstrom; Dauerdepolarisation → spannungsgesteuerte Na⁺-Kanäle bleiben inaktiviert, keine neuen APs; anfangs Dauerfeuer → Zittern, unkoordinierte Bewegungen; danach keine Erregungsleitung mehr → Lähmung und Tod. Ein Cl⁻-Einstrom tritt an diesen Rezeptoren nicht auf (3 P). d) Klassische Konditionierung des Rüsselreflexes: Duft + Zuckerlösung mehrmals gemeinsam darbieten, dann nur den Duft; gemessen wird der Anteil der Bienen, die den Rüssel ausstrecken. Versuchsgruppe mit nicht tödlicher Dosis, Kontrollgruppe ohne Imidacloprid, sonst gleiche Bedingungen, große Stichproben und Wiederholungen; eine tödliche Dosis oder eine Einzelbiene erlauben keine Aussage über das Lernen (2 P). e) Die Aussage ist zu stark: Imidacloprid bindet auch an menschliche Rezeptoren, jedoch erst bei etwa 500-fach höherer Konzentration. Bei üblichen Rückständen ist das Risiko gering, bei hohen Dosen (Vergiftung) sind Wirkungen möglich. Menschen besitzen nikotinische ACh-Rezeptoren (z. B. an der Endplatte und im Gehirn); die Acetylcholinesterase spaltet Imidacloprid nicht (2 P).
Mit der transkraniellen Magnetstimulation (TMS) reizt eine Magnetspule am Kopf kleine Bereiche der motorischen Hirnrinde von außen. So lässt sich die Fläche bestimmen, von der aus Fingermuskeln einer Hand erregt werden können. Erwachsene ohne Klaviererfahrung übten fünf Tage lang täglich zwei Stunden eine Fünffingerübung am Klavier. Eine zweite Gruppe stellte sich die Übung nur vor, eine Kontrollgruppe spielte ebenso lange ohne festes Muster auf der Tastatur.
| Gruppe | Fläche am Tag 1 | Fläche am Tag 5 |
|---|---|---|
| Übungsgruppe | 3,0 cm² | 5,1 cm² |
| nur vorgestellt | 3,0 cm² | 4,5 cm² |
| Kontrollgruppe | 3,0 cm² | 3,1 cm² |
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Erwartungshorizont: a) \(\dfrac{5{,}1\,\text{cm}^2-3{,}0\,\text{cm}^2}{3{,}0\,\text{cm}^2}\cdot100\,\%=70\,\%\) (2 P). b) Die Kontrollgruppe bewegte die Finger ebenso lange, ihre Fläche blieb fast gleich; die Vergrößerung hängt also mit dem Lernen des Musters zusammen. Als Grundlage kommen neuronale Plastizität, Verstärkung genutzter Synapsen (LTP) und neue Dornfortsätze in Frage; neue Nervenzellen erklären den Befund nicht. Mentales Üben wirkt ebenfalls, aber schwächer (4,5 statt 5,1 cm²) — daraus folgt nicht, dass körperliches Üben überflüssig ist. Einschränkungen: kleine Gruppen, TMS misst nur die Fläche, nicht die Ursache (2 P).
Ergebnis
| Aufgabe | Thema | Punkte |
|---|
Bewertung in Notenpunkten
| Punkte | Notenpunkte | Beurteilung |
|---|---|---|
| 57 – 60 P | 15 | sehr gut |
| 54 – 56 P | 14 | sehr gut |
| 51 – 53 P | 13 | sehr gut |
| 48 – 50 P | 12 | gut |
| 45 – 47 P | 11 | gut |
| 42 – 44 P | 10 | gut |
| 39 – 41 P | 9 | befriedigend |
| 36 – 38 P | 8 | befriedigend |
| 33 – 35 P | 7 | befriedigend |
| 30 – 32 P | 6 | ausreichend |
| 27 – 29 P | 5 | ausreichend |
| 24 – 26 P | 4 | ausreichend |
| 20 – 23 P | 3 | mangelhaft |
| 16 – 19 P | 2 | mangelhaft |
| 12 – 15 P | 1 | mangelhaft |
| 0 – 11 P | 0 | ungenügend |
