Hemmung an der Postsynapse
An vielen Synapsen im Gehirn und Rückenmark löst die Transmitterausschüttung keine Depolarisation aus, sondern macht die Postsynapse noch negativer.
- Hemmende Synapse:inhibitorische Synapse: Ihre Erregung senkt die Wahrscheinlichkeit, dass die nachgeschaltete Nervenzelle ein Aktionspotenzial bildet.
- Transmitter:meist GABA (γ-Aminobuttersäure), vor allem im Gehirn, oder die Aminosäure Glycin, vor allem im Rückenmark und Hirnstamm. Freisetzung wie an der cholinergen Synapse: AP, Ca²⁺-Einstrom, Exocytose.
- Rezeptor:GABA- bzw. Glycin-Rezeptor der postsynaptischen Membran ist ein ligandengesteuerter Cl⁻-Kanal; bindet der Transmitter, öffnet sich die Pore.
- Cl⁻-Einstrom:Cl⁻ ist außen viel höher konzentriert. Das Cl⁻-Gleichgewichtspotenzial liegt meist etwas negativer als das Ruhepotenzial (Modellwert −80 mV); daher strömt Cl⁻ ein, das Zellinnere wird negativer.
- K⁺-Ausstrom:An anderen hemmenden Synapsen steuert der Rezeptor K⁺-Kanäle; K⁺ strömt aus und die Membran nähert sich dem K⁺-Gleichgewichtspotenzial (≈ −90 mV).
- IPSP:inhibitorisches postsynaptisches Potenzial: kurze, abgestufte Hyperpolarisation der Postsynapse, z. B. von −70 auf −76 mV; es klingt nach einigen Millisekunden ab.
- Beendigung:GABA und Glycin werden durch Transporter in die Präsynapse und in Gliazellen zurückgeholt (Wiederaufnahme); ein spaltendes Enzym wie die Acetylcholinesterase gibt es hier nicht.
IPSP: Hemmende Transmitter (GABA, Glycin) öffnen ligandengesteuerte Cl⁻-Kanäle (oder K⁺-Kanäle); Cl⁻-Einstrom bzw. K⁺-Ausstrom hyperpolarisiert die Postsynapse — es entsteht ein inhibitorisches postsynaptisches Potenzial.
Wirkung und Störungen
Ob eine Synapse erregt oder hemmt, lässt sich an der Präsynapse nicht erkennen — dort läuft immer dasselbe Aktionspotenzial ab.
- Abstand zum Schwellenwert:Ein IPSP entfernt das Membranpotenzial vom Schwellenwert (−50 mV); erregende Eingänge müssen nun stärker depolarisieren, um ein AP auszulösen.
- Rezeptor entscheidet:Der Unterschied zwischen erregend und hemmend liegt im Rezeptor-Ionenkanal der Postsynapse: Na⁺-Einstrom ergibt ein EPSP, Cl⁻-Einstrom oder K⁺-Ausstrom ein IPSP.
- Strychnin:Gift der Brechnuss; besetzt die Glycin-Rezeptoren, ohne sie zu öffnen. Die Hemmung der Motoneurone im Rückenmark fällt aus — schwere Muskelkrämpfe.
- Tetanustoxin:Gift des Wundstarrkrampf-Bakteriums; gelangt ins Rückenmark und verhindert in hemmenden Nervenzellen die Freisetzung von Glycin und GABA — Dauerkrämpfe.
- Benzodiazepine:Beruhigungsmittel (z. B. Diazepam); binden am GABA-Rezeptor und verstärken die Wirkung von GABA, der Cl⁻-Kanal öffnet häufiger. Ohne GABA wirken sie nicht.
Ziehe den Griff am Papierstreifen nach links (oder →) oder starte mit ▶: Der Schreiber zeichnet oben das Aktionspotenzial der Präsynapse, unten das Membranpotenzial der Postsynapse auf. Vergleiche die drei Transmitter und gib dann Strychnin hinzu.
Halte fest: Das präsynaptische Aktionspotenzial und die Freisetzung laufen an allen drei Synapsen gleich ab. Erst der Rezeptor-Ionenkanal der Postsynapse entscheidet: Na⁺-Einstrom depolarisiert (EPSP), Cl⁻-Einstrom hyperpolarisiert (IPSP). Strychnin besetzt nur Glycin-Rezeptoren — dort bleibt das IPSP aus. (Modell mit gerundeten Werten und gedehnter Zeitachse.)
Erregend oder hemmend: entscheidet allein der postsynaptische Rezeptor-Ionenkanal: Depolarisation (EPSP) bringt die Membran dem Schwellenwert näher, Hyperpolarisation (IPSP) entfernt sie davon.
Allgemeine Hinweise
Hemmend heißt nicht „schwach“
An einer hemmenden Synapse wird der Transmitter genauso kräftig freigesetzt wie an einer erregenden. Hemmung ist eine eigene Wirkung, nicht eine abgeschwächte Erregung.
Die Stromrichtung prüfen
Vergleichen Sie das Membranpotenzial mit dem Gleichgewichtspotenzial des Ions: Liegt E(Cl⁻) negativer, strömt Cl⁻ ein und die Membran wird negativer. Liegt E(Cl⁻) genau am Ruhepotenzial, ändert sich die Spannung kaum — die offenen Cl⁻-Kanäle halten die Membran aber dort fest und dämpfen jede Depolarisation.
Hemmung der Hemmung
Fällt eine Hemmung aus, wie bei Strychnin oder Tetanustoxin, überwiegen die erregenden Eingänge. Das Ergebnis ist deshalb Übererregung mit Krämpfen, nicht Lähmung.
