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Codierung von Information

Ob ein Signal schwach oder stark ist, verrät kein einzelnes Aktionspotenzial — Nervenzellen übersetzen Stärke abwechselnd in Höhe und in Takt.

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Zwei Codes im Neuron

Ein einzelnes Aktionspotenzial sieht bei einem schwachen und bei einem starken Signal gleich aus — die Information über die Stärke muss also anders verschlüsselt sein.

  • Codierung:Übersetzung einer Information (Stärke und Dauer eines Signals) in eine bestimmte Form des elektrischen oder chemischen Signals. Nervenzellen wechseln dabei zwischen zwei Codes.
  • Abgestufte Potenziale:lokale Änderungen des Membranpotenzials, deren Höhe stufenlos variieren kann, z. B. EPSP an Dendriten und Zellkörper oder das Endplattenpotenzial; sie folgen nicht dem Alles-oder-Nichts-Gesetz.
  • Amplitudencodierung:Die Stärke steckt in der Höhe (Amplitude) eines abgestuften Potenzials: Je mehr Transmitter wirkt, desto größer das EPSP.
  • Abschwächung:Abgestufte Potenziale breiten sich nur passiv aus und werden dabei mit jedem Millimeter kleiner; nach wenigen Millimetern sind sie verschwunden.
  • Frequenzcodierung:Am Axon sind alle Aktionspotenziale gleich hoch (Alles-oder-Nichts). Die Stärke steckt in der AP-Frequenz, der Anzahl der APs je Sekunde (Einheit Hertz, Hz); die Dauer des Signals steckt in der Dauer der AP-Folge.
  • Höchstfrequenz:Während der absoluten Refraktärzeit (etwa 1–2 ms) entsteht kein neues AP. Die Frequenz ist deshalb auf einige 100 Hz begrenzt; stärkere Signale lassen sie dann nicht weiter steigen.
  • Weite Strecken:Jedes AP wird entlang des Axons immer wieder neu gebildet und kommt unverändert an. Die Abstände zwischen den APs, also die Frequenz, bleiben über die ganze Länge erhalten — auch über einen Meter.
Merke

Amplitudencodierung: Die Stärke eines Signals wird durch die Höhe eines abgestuften Potenzials (EPSP, Endplattenpotenzial) verschlüsselt.

Frequenzcodierung: Die Stärke eines Signals wird durch die Anzahl gleich hoher Aktionspotenziale je Sekunde verschlüsselt, die Dauer durch die Dauer der AP-Folge.

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Umcodierung an Axonhügel und Synapse

Auf dem Weg durch eine Nervenzelle und über die Synapse wird die Information zweimal umgeschrieben.

  • Axonhügel:Hier kommt die Depolarisation aus Dendriten und Zellkörper an. Liegt sie unter dem Schwellenwert (≈ −50 mV), entsteht kein AP.
  • Amplitude → Frequenz:Nach jedem AP und seiner Refraktärzeit wird der Schwellenwert umso schneller wieder erreicht, je stärker die Depolarisation ist: Je weiter sie über dem Schwellenwert liegt, desto höher die AP-Frequenz.
  • Endknöpfchen:Jedes ankommende AP öffnet spannungsgesteuerte Ca²⁺-Kanäle. Bei höherer AP-Frequenz strömt je Zeit mehr Ca²⁺ ein, und mehr Vesikel entleeren ACh in den synaptischen Spalt.
  • Frequenz → Amplitude:Mehr ACh öffnet mehr ligandengesteuerte Na⁺-Kanäle der postsynaptischen Membran: Das EPSP bzw. das Endplattenpotenzial wird größer.
  • Muskelfaser:An der neuromuskulären Synapse löst jedes Endplattenpotenzial ein Muskel-AP aus. Folgen die Motoneuron-APs dicht aufeinander, verschmelzen die einzelnen Zuckungen zu einer kräftigeren Dauerkontraktion.

Wähle eine Depolarisation am Axonhügel und klicke in der Spur des Axons jede Spitze eines Aktionspotenzials an — mit der Tastatur: Spur anwählen, ←/→ bewegen den Zeiger, Enter markiert. Übernimm jede Zählung, bis die Kennlinie vollständig ist.

Spitzen zählen, Frequenz finden

Halte fest: Die Höhe der Depolarisation am Axonhügel bestimmt, wie viele Aktionspotenziale je Sekunde entstehen; jedes Aktionspotenzial ist gleich hoch. Unterhalb des Schwellenwerts entsteht keines, und oberhalb steigt die Frequenz nicht unbegrenzt, weil die Refraktärzeit einen Mindestabstand erzwingt. Je höher die Frequenz, desto mehr ACh wird an der Synapse freigesetzt. (Modellwerte für ein Signal von 40 ms Dauer.)

Merke

Umcodierung: Am Axonhügel wird die Amplitude der Depolarisation in eine AP-Frequenz übersetzt; an der Synapse wird die AP-Frequenz über Ca²⁺-Einstrom und ACh-Menge wieder in die Amplitude des postsynaptischen Potenzials übersetzt.

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Allgemeine Hinweise

Stärker heißt nicht höher

Ein stärkeres Signal erzeugt am Axon keine höheren Aktionspotenziale, sondern mehr davon je Sekunde. Wer „größere APs“ schreibt, verwechselt Frequenz- und Amplitudencodierung.

Den Ort nennen

Sagen Sie bei jeder Codierung dazu, wo sie vorliegt: Dendrit, Zellkörper und postsynaptische Membran arbeiten mit Amplituden, das Axon mit Frequenzen. So ordnen Sie jede Messkurve sicher ein.

Frequenz aus der Kurve

Zählen Sie die APs in einem bekannten Zeitabschnitt und teilen Sie durch dessen Dauer in Sekunden. Alternativ gilt bei gleichmäßigen Abständen: Frequenz = 1 : Abstand zweier APs.

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