MINT lernen

Krebs durch Mutationen

Jeden Tag teilen sich Milliarden Zellen kontrolliert — Krebs beginnt, wenn in einer Zelle Gaspedal und Bremse der Teilung durch Mutationen versagen.

1

Kontrollverlust im Zellzyklus

Zellteilung ist streng reguliert: Signale von außen treiben sie an, Kontrollpunkte im Inneren bremsen sie. Krebs entsteht, wenn mehrere dieser Kontrollen in einer Zelllinie durch Mutationen versagen.

  • Kontrollpunkte:Am Ende von G1, in G2 und in der Mitose prüft die Zelle z. B. DNA-Schäden und vollständige Replikation, bevor der Zyklus weiterläuft.
  • Wachstumsfaktoren:Signalproteine binden an Rezeptoren der Zellmembran; eine Signalkette im Zellinneren, u. a. mit dem Protein RAS, startet die Teilung.
  • p53 und Apoptose:Das Protein p53 stoppt bei DNA-Schäden als Transkriptionsfaktor den Zellzyklus zur Reparatur; bei schweren Schäden löst es die Apoptose aus, den programmierten Zelltod.
  • Krebs:unkontrollierte Teilung und unbegrenztes Wachstum von Zellen; bösartige Tumoren dringen in Gewebe ein und bilden Tochtergeschwülste (Metastasen).
  • Proto-Onkogen → Onkogen:Proto-Onkogene fördern normal die Teilung (Gaspedal). Eine Mutation macht daraus ein Onkogen, dessen Protein dauerhaft aktiv ist, z. B. RAS; ein mutiertes Allel genügt (dominant).
  • Tumorsuppressorgene:bremsen die Teilung oder lösen Apoptose aus, z. B. p53 und RB (Bremse am G1-Kontrollpunkt). Die Bremse fällt erst aus, wenn beide Allele defekt sind (rezessiv).

Schalte Mutationen im Zellklon ein und starte mit ▶ die Simulation (60 Tage); +1 Tag geht schrittweise. Probiere einzelne Treffer und Kombinationen — auch nacheinander während der Simulation.

Zellen außer Kontrolle

Halte fest: Ein einzelner Treffer bringt das Gewebe kaum aus dem Gleichgewicht, ein defektes RB-Allel allein gar nicht. Erst wenn Gaspedal, Bremse und Apoptose zusammen versagen, wächst der Klon unkontrolliert — Krebs ist ein Mehrschritt-Prozess.

Merke

Krebsentstehung: Onkogen (Gaspedal klemmt, 1 Allel genügt) + Ausfall von Tumorsuppressorgenen (Bremse, beide Allele) + ausbleibende Apoptose → unkontrollierte Teilung

2

Befunde auswerten

Aus Mutationsdaten von Tumoren lässt sich ablesen, welche Gene beteiligt sind — und daraus werden gezielte Therapien entwickelt.

  • Mehrschritt-Entstehung:Ein Tumor braucht meist mehrere Mutationen in derselben Zelllinie; deshalb steigt das Krebsrisiko mit dem Alter stark an.
  • Two-hit-Hypothese (KNUDSON 1971):Beim erblichen Retinoblastom (Netzhauttumor) ist ein RB-Allel schon in allen Zellen defekt, ein zweiter Treffer genügt. Beim sporadischen müssen beide Treffer in derselben Zelle neu entstehen.
  • Epigenetische Modifikation:Eine Hypermethylierung des Promotors kann ein intaktes Tumorsuppressorgen stummschalten — sie wirkt wie ein Treffer, ohne die Basenfolge zu ändern.
  • Personalisierte Krebsmedizin:Das Erbgut des Tumors wird untersucht; die Therapie richtet sich nach der gefundenen Veränderung statt nur nach dem Organ.
  • Trastuzumab:Antikörper gegen den Wachstumsfaktor-Rezeptor HER2; wirkt nur bei Tumoren, deren Zellen durch viele Genkopien (Genamplifikation) sehr viel HER2 tragen (HER2-positiv).
  • Imatinib:hemmt bei chronischer myeloischer Leukämie das dauerhaft aktive Fusionsprotein BCR-ABL, das durch einen Stückaustausch zwischen Chromosom 9 und 22 entsteht.
Merke

Personalisierte Krebsmedizin: Veränderung im Tumor bestimmen → Wirkstoff gezielt gegen dieses veränderte Protein einsetzen

3

Allgemeine Hinweise

Onkogene gehören zur Zelle

Proto-Onkogene sind normale, lebenswichtige Gene jeder Zelle. Erst eine Mutation oder Überexpression macht aus ihnen Onkogene.

Dominant und rezessiv auf Zellebene

Beim Onkogen und beim Tumorsuppressorgen beziehen sich die Begriffe auf die beiden Allele einer Körperzelle. Die Veranlagung zum erblichen Retinoblastom zeigt sich im Stammbaum dagegen dominant.

Krebs wird meist nicht vererbt

Die meisten Tumormutationen entstehen in Körperzellen und werden nicht an Kinder weitergegeben. Nur ein kleiner Teil der Krebserkrankungen geht auf ererbte Keimbahnmutationen zurück.

Videos