Ein Organell mit getrennten Räumen
Die Fotosynthese läuft im Chloroplasten ab. Membranen teilen ihn in Reaktionsräume (Kompartimente), in denen verschiedene Teilreaktionen nebeneinander ablaufen. Auch isoliert bleiben die Thylakoide arbeitsfähig — darauf beruht die HILL-Reaktion.
- Hülle:zwei Membranen (äußere und innere Hüllmembran) umschließen den Chloroplasten.
- Stroma:flüssige Grundsubstanz mit Enzymen, DNA und Ribosomen — Ort des Calvin-Zyklus.
- Thylakoide:flache Membransäckchen; in ihrer Membran sitzen Chlorophyll und die Fotosysteme.
- Grana:geldrollenartige Stapel von Thylakoiden, verbunden durch Stromathylakoide.
- Thylakoidinnenraum:abgeschlossener Raum im Inneren der Thylakoide — hier wird Wasser gespalten und H⁺ angereichert.
- HILL-Reaktion:Isolierte Thylakoide setzen im Licht O₂ frei, auch ohne CO₂ — sofern ein Elektronenakzeptor vorhanden ist (Robert Hill, 1937).
- DCPIP:blauer Redoxfarbstoff als künstlicher Elektronenakzeptor; nimmt er zwei Elektronen und zwei H⁺ auf, wird er zum farblosen DCPIPH₂.
- Variablen:unabhängig: Licht (hell/dunkel); abhängig: Entfärbung, gemessen als Extinktion bei 600 nm; konstant: Temperatur, Menge an Thylakoiden und DCPIP.
- Kontrollansätze:im Dunkeln, mit gekochten Thylakoiden, DCPIP ohne Thylakoide — jeweils bleibt die Lösung blau.
- Deutung:Chlorophyll ist ein lichtsensibles Redoxpigment: Nur im Licht gibt es Elektronen ab, und diese werden aus dem Wasser nachgeliefert.
Licht treibt Elektronen an
Die Primärreaktionen (lichtabhängige Reaktionen) laufen an der Thylakoidmembran ab. Sie wandeln Lichtenergie in chemische Energie um: NADPH + H⁺ und ATP.
- Anregung:Licht regt Chlorophyll im Reaktionszentrum von Fotosystem II (PS II) und Fotosystem I (PS I) an; es gibt je ein energiereiches Elektron ab.
- Fotolyse:PS II ersetzt seine Elektronen aus Wasser: \(\ce{2 H2O -> O2 + 4 H+ + 4 e-}\). Der Sauerstoff wird frei.
- Elektronentransport:Die Elektronen wandern über eine Elektronentransportkette in der Membran von PS II zu PS I und werden dort erneut angeregt.
- NADP⁺-Reduktion:Auf der Stromaseite wird NADP⁺ mit zwei Elektronen zu NADPH + H⁺ reduziert.
- ATP-Bildung:Beim Elektronentransport entsteht zusätzlich ATP — wie, zeigt 2.2.4.
Tippe im Chloroplasten auf den markierten Ausschnitt, um die Thylakoidmembran zu sehen. Stelle die Lichtstärke ein und starte mit ▶ oder gehe mit „1 Schritt“ vor — mit der Tastatur auf der Zeichnung: → Schritt, Leertaste Start/Stopp, ↑/↓ Lichtstärke. Achte auf die Zähler unten.
Halte fest: Für jedes O₂ werden zwei Wassermoleküle gespalten und vier Elektronen über PS II und PS I zum NADP⁺ transportiert — es entstehen zwei NADPH + H⁺. Ohne Licht steht der Elektronenfluss still.
Herleitung:PS II entzieht dem Wasser Elektronen — der freigesetzte Sauerstoff stammt aus dem Wasser.
Für ein Glucosemolekül braucht der Calvin-Zyklus 12 NADPH + H⁺, also 24 Elektronen.
Die 24 Elektronen gelangen über PS II, die Transportkette und PS I zum NADP⁺.
Zusammen mit den 18 ATP für den Calvin-Zyklus ergibt sich die Bruttogleichung der Primärreaktionen.
Energetisch betrachtet (Z-Schema): Die Elektronen müssen vom Wasser zum NADP⁺ „bergauf“ transportiert werden.
- Redoxpotenzial:Maß dafür, wie leicht ein Redoxpaar Elektronen abgibt — je negativer, desto stärker das Reduktionsmittel.
- Bergab:Elektronen fließen freiwillig nur zum positiveren Potenzial und geben dabei Energie ab — am Cyt-b6f-Komplex für den H⁺-Transport.
- Bergauf:Von H₂O/O₂ (+0,82 V) zu NADP⁺/NADPH (−0,32 V) sind es 1,14 V bergauf — dafür braucht es zwei Lichtanregungen: P680 → P680*, P700 → P700*.
- P680⁺:Nach der Elektronenabgabe ist P680⁺ (≈ +1,1 V) ein so starkes Oxidationsmittel, dass es dem Wasser Elektronen entzieht.
Primärreaktionen: \(\ce{12 H2O + 12 NADP+ + 18 ADP + 18 P_i ->[Licht] 6 O2 + 12 NADPH + 12 H+ + 18 ATP}\)
Allgemeine Hinweise
O₂ kommt aus dem Wasser
Nicht aus dem CO₂: Gibt man Algen Wasser mit dem Isotop ¹⁸O, enthält der abgegebene Sauerstoff ¹⁸O.
Im Z-Schema ist oben negativ
Die Potenzialachse steht Kopf: Negative Werte stehen oben. „Bergab“ heißt zum positiveren Potenzial — nur diese Richtung läuft freiwillig.
Innen und außen trennen
Wasserspaltung und H⁺-Anreicherung: im Thylakoidinnenraum. NADPH und ATP: im Stroma, wo der Calvin-Zyklus sie nutzt.
