Hilfsmittel: Taschenrechner. Alle Zahlenwerte in den Materialien sind Modellwerte, sofern nicht anders angegeben. Geben Sie Zahlen mit Komma ein. Die Lösungen werden nach dem Auswerten freigeschaltet.
Wissen und Reproduzieren
16 Punkte| Struktur | Bau | Funktion |
|---|---|---|
| Flügel des Pinguins | Oberarm, Elle, Speiche, Handwurzel, verkürzte Mittelhand und Finger | Rudern unter Wasser |
| Arm des Menschen | Oberarm, Elle, Speiche, Handwurzel, Mittelhand, fünf Finger | Greifen, Tragen |
| Flügel eines Schmetterlings | Chitinhaut mit Adern, keine Knochen | Fliegen |
| Flügel einer Schwalbe | Knochen der Vorderextremität, Federn | Fliegen |
| Steißbein des Menschen | 4–5 verwachsene Wirbel am Ende der Wirbelsäule | Ansatz von Muskeln und Bändern |
| seltener Befund beim Neugeborenen | kurzer, weicher Schwanzanhang | — |
In einem Protein unterscheiden sich Pinguin und Haushuhn an 27 Positionen. Die Substitutionsrate dieses Proteins beträgt r = 0,15 Unterschiede je Linie und Million Jahre.
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Erwartungshorizont: a) Pinguinflügel und Menschenarm: gleicher Bauplan der Vorderextremität trotz verschiedener Funktion — homolog. Schmetterlings- und Schwalbenflügel: gleiche Funktion, völlig verschiedener Bau (Chitin gegenüber Knochen und Federn) — analog, konvergent entstanden. Steißbein: zurückgebildeter Schwanz — Rudiment. Schwanzanhang beim Neugeborenen: gelegentlich auftretendes Ahnenmerkmal — Atavismus (3 P). b) Die Knochen liegen in derselben Abfolge im Bauplan: Kriterium der Lage (1 P). c) \(t=\dfrac{d}{2r}=\dfrac{27}{2\cdot0{,}15}=90\) Mio. Jahre; der Faktor 2 berücksichtigt, dass beide Linien Unterschiede ansammeln (2 P). d) Krokodil und Pinguin teilen das Vierkammerherz als Synapomorphie und gehen aus derselben Verzweigung hervor. Die Eihaut entstand vor der Abzweigung der Eidechse und ist innerhalb dieser Gruppe ursprünglich. Die Eidechse zweigt früher ab, ist also mit dem Krokodil nicht näher verwandt als dieses mit dem Pinguin; heutige Arten sind keine Vorfahren (2 P).
Auf dem kupferhaltigen Abraum einer ehemaligen Mine wächst Rotes Straußgras. Vereinfacht wird angenommen, dass ein Gen mit den Allelen T (Kupfertoleranz) und t die Toleranz bestimmt. Eine Stichprobe von 400 Pflanzen auf dem Abraum ergab: 256 TT, 128 Tt und 16 tt. Auf einer benachbarten Wiese ohne Kupfer ist das Allel T selten. Auf dem nährstoffarmen Abraum bleiben die Pflanzen zudem kleiner als auf der Wiese; zieht man ihre Samen auf der Wiese an, werden die Nachkommen normal groß.
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Erwartungshorizont: a) \(n(T)=2\cdot256+128=640\) von \(2\cdot400=800\) Allelen: \(p(T)=0{,}8\), \(q(t)=0{,}2\) (2 P). b) Genpool; Mutation als einzige Quelle neuer Allele; Rekombination bei der Keimzellbildung; der kleinere Wuchs ist umweltbedingt und wird nicht vererbt — Modifikation (2 P). c) Das Optimum liegt am Rand der ursprünglichen Verteilung (hohe Toleranz); die Allelfrequenz verschiebt sich — gerichtete Selektion (2 P). d) Toleranz-Allele entstanden zufällig und waren selten vorhanden; Kupfer wirkte als abiotischer Selektionsfaktor, tolerante Pflanzen hatten mehr Nachkommen. Finale Begründungen und gezielte Mutationen sind fachlich falsch (2 P).
Zusammenhänge herstellen
28 PunkteAuf den Hawaii-Inseln leben rund 1000 Taufliegenarten (Drosophila). Die Inseln sind vulkanisch und verschieden alt; neue Inseln wurden oft von wenigen Tieren besiedelt, manchmal von einem einzigen befruchteten Weibchen. Die Männchen vieler Arten zeigen auffällige, artspezifische Balztänze.
| Artenpaar | Befund |
|---|---|
| Paar 1 | Männchen balzen mit verschiedenen Flügelbewegungen; Weibchen lehnen Männchen der anderen Art ab. |
| Paar 2 | Die Larven entwickeln sich in verschiedenen Pflanzen; die Paarung findet an der Brutpflanze statt. |
| Paar 3 | Die Begattungsorgane der Männchen passen nicht zu den Weibchen der anderen Art. |
| Paar 4 | Paarung und Befruchtung gelingen, die Hybridmännchen sind aber unfruchtbar. |
Drosophila silvestris und Drosophila heteroneura leben auf der Insel Hawaii in denselben Wäldern. Männchen von D. heteroneura haben einen breiten „Hammerkopf“. Im Labor lassen sich beide kreuzen, die Hybriden sind fruchtbar. Im Freiland findet man Hybriden nur sehr selten, weil Weibchen die Balz fremder Männchen meist ablehnen.
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Erwartungshorizont: a) Paar 1: verschiedene Balz — ethologische Isolation; Paar 2: verschiedene Brutpflanzen als Paarungsort — ökologische Isolation; Paar 3: nicht passende Begattungsorgane — mechanische Isolation; alle drei präzygotisch. Paar 4: Hybride unfruchtbar — postzygotisch, Hybridsterilität (4 P). b) Ein Weibchen mit den Spermien eines Männchens trägt höchstens vier Allele eines Gens in die neue Population; deren Frequenzen weichen zufällig von denen der Ausgangsinsel ab — Gründereffekt als Sonderfall der Gendrift (2 P). c) Aa × aa ergibt je zur Hälfte Aa und aa: \(p(A)=\tfrac12\cdot\tfrac12=0{,}25\) statt 0,7 auf der Ausgangsinsel (2 P). d) Maßstab ist die Fortpflanzung unter natürlichen Bedingungen: Die Ablehnung der fremden Balz (ethologische Isolation) verhindert den Genfluss fast vollständig — zwei Arten. Fruchtbare Laborhybride heben das nicht auf; die Formen sehen zudem verschieden aus (Hammerkopf) (3 P). e) Besiedlung einer anderen Insel trennt die Populationen räumlich — allopatrische Artbildung; wiederholt ergibt sich eine adaptive Radiation (1 P).
Die Büffelhorn-Akazie Mittelamerikas bildet große hohle Dornen, in denen Ameisen einer bestimmten Art leben. Sie scheidet an den Blattstielen Nektar aus und bildet an den Blattspitzen eiweißreiche Futterkörperchen, die die Ameisen an ihre Larven verfüttern. Die Ameisen greifen Pflanzenfresser an und beißen Kletterpflanzen und Keimlinge rund um die Akazie ab. JANZEN entfernte in einem Freilandversuch die Ameisen von einem Teil der Akazien.
| mit Ameisen | ohne Ameisen | |
|---|---|---|
| Überlebensrate nach 10 Monaten | 75 % | 40 % |
| Anteil angefressener Blätter | 5 % | 55 % |
Werte gerundet, Modellwerte nach Freilanddaten.
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Erwartungshorizont: a) \(75\,\%:40\,\%\approx1{,}9\) (genau 1,875) (2 P). b) Die Akazie investiert Stoffe und Energie in Nektar und Futterkörperchen (Kosten) und wird dafür geschützt (Nutzen: weniger Fraß, weniger Konkurrenz). Die Ameisen erhalten Wohnraum und Nahrung (Nutzen) und tragen Energieaufwand und Risiko der Verteidigung (Kosten) (4 P). c) Beide Partner profitieren — Mutualismus; da jede Art für die andere als Selektionsfaktor wirkt, kann er durch Koevolution entstanden sein (1 P). d) Ultimat: Erbliche Varianten mit stärkerer Belohnung bzw. stärkerer Verteidigung hatten mehr Nachkommen; die Allele wurden häufiger. „Damit“ und „wollen“ unterstellen Absicht — finale Aussagen (3 P).
| Region | mtDNA-Unterschiede¹ | Neandertaler-DNA | Denisova-DNA |
|---|---|---|---|
| Afrika südlich der Sahara | 12 | nahezu 0 % | 0 % |
| Europa | 6 | etwa 2 % | 0 % |
| Ostasien | 7 | etwa 2 % | sehr gering |
| Neuguinea | 7 | etwa 2 % | 3–5 % |
¹ mittlere Zahl der Unterschiede zwischen zwei Menschen in einem mtDNA-Abschnitt
Tibeter tragen häufig eine Variante des Gens EPAS1, die das Leben im Hochland erleichtert. Dieselbe Variante findet sich im Genom des Denisova-Menschen, bei anderen heutigen Menschen ist sie sehr selten.
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Erwartungshorizont: a) Je länger eine Population besteht, desto mehr Unterschiede sammeln sich an; die höchste Vielfalt in Afrika spricht für den Ursprung dort. Außerhalb Afrikas geringere Vielfalt — Gründereffekt bei der Ausbreitung (Out of Africa) (2 P). b) Neandertaler- und Denisova-DNA können nur durch Fortpflanzung mit diesen Menschenformen in den Genpool gelangt sein; Vielfalt und mtDNA-Linien stützen dagegen den afrikanischen Ursprung und widersprechen einer Vermischung nicht (2 P). c) Einkreuzung brachte das Allel in die Population, im sauerstoffarmen Hochland hatten Träger mehr Nachkommen — Selektion. Erworbene Eigenschaften werden nicht vererbt, Mutationen sind nicht gezielt (2 P).
Verallgemeinern und Reflektieren
16 PunkteSchabrackenschakale leben in Ostafrika paarweise in Revieren. Viele Jungtiere bleiben ein Jahr länger bei ihren Eltern und helfen bei der Aufzucht des nächsten Wurfs: Sie bringen Nahrung, bewachen die Welpen und vertreiben Feinde. Nutznießer der Hilfe sind die Eltern des Helfers (r = 0,5), die dadurch mehr Welpen aufziehen.
| Zahl der Helfer | 0 | 1 | 2 |
|---|---|---|---|
| aufgezogene Welpen je Wurf | 1,0 | 3,2 | 4,0 |
Ein einjähriger Schakal, der stattdessen selbst ein Revier gründet, zieht im Mittel 1,0 eigene Welpen auf (Modellwerte).
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Erwartungshorizont: a) \(N=3{,}2-1{,}0=2{,}2\) zusätzliche Welpen (2 P). b) \(r\cdot N=0{,}5\cdot2{,}2=1{,}1\) (2 P). c) \(1{,}1>1{,}0\): Der Helfer gewinnt über die indirekte Fitness etwas mehr, als er an direkter Fitness verliert — die Bedingung ist knapp erfüllt, Helfen kann sich ausbreiten (2 P). d) Proximat: Auslösung durch das Betteln der Welpen, hormonelle und erfahrungsbedingte Steuerung. Ultimat: indirekte Fitness über Geschwister, direkte Fitness durch spätere eigene Aufzucht (2 P). e) Die Aussage ist nicht haltbar. Helfen erhöht die Gesamtfitness (indirekt über Geschwister, direkt durch Erfahrung oder Reviererbe); Selektion wirkt über den Fortpflanzungserfolg von Individuen, nicht „zum Wohl der Art“. Der zweite Helfer zeigt die Grenze: \(0{,}5\cdot0{,}8=0{,}4<1{,}0\) — für ihn müssen direkte Vorteile hinzukommen. Die Fitness von Helfern ist nicht null, und Tiere wägen nicht bewusst ab (4 P).
„Mit Brillen, Medizin und Kaiserschnitt hat der Mensch seine biologische Evolution beendet.“
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Erwartungshorizont: a) Die Behauptung ist nicht haltbar: Kultur schwächt die Selektion auf manche Merkmale ab, aber Menschen unterscheiden sich weiterhin in der Zahl ihrer Nachkommen; Mutation und Gendrift wirken weiter. Erlerntes wird kulturell, nicht genetisch weitergegeben (2 P). b) Milchviehhaltung machte das Allel für Laktasepersistenz vorteilhaft (Gen-Kultur-Koevolution); Ackerbau und dichte Siedlungen brachten neue Selektionsfaktoren wie Infektionskrankheiten. Brillen schwächen Selektion ab, statt neue zu schaffen; FOXP2 wird für die Feinmotorik des Sprechens gebraucht und ist kein „Sprachgen“ (2 P).
Ergebnis
| Aufgabe | Thema | Punkte |
|---|
Bewertung in Notenpunkten
| Punkte | Notenpunkte | Beurteilung |
|---|---|---|
| 57 – 60 P | 15 | sehr gut |
| 54 – 56 P | 14 | sehr gut |
| 51 – 53 P | 13 | sehr gut |
| 48 – 50 P | 12 | gut |
| 45 – 47 P | 11 | gut |
| 42 – 44 P | 10 | gut |
| 39 – 41 P | 9 | befriedigend |
| 36 – 38 P | 8 | befriedigend |
| 33 – 35 P | 7 | befriedigend |
| 30 – 32 P | 6 | ausreichend |
| 27 – 29 P | 5 | ausreichend |
| 24 – 26 P | 4 | ausreichend |
| 20 – 23 P | 3 | mangelhaft |
| 16 – 19 P | 2 | mangelhaft |
| 12 – 15 P | 1 | mangelhaft |
| 0 – 11 P | 0 | ungenügend |
