MINT lernen

Herkunft des Menschen

Alle heutigen Menschen stammen aus Afrika — und doch trägt fast jeder Mensch außerhalb Afrikas ein kleines Stück Neandertaler in sich.

1

Der Mensch unter den Primaten

Der Mensch ist ein Primat und gehört zu den Menschenaffen. Welche Fossilien zu seiner Linie gehören, verraten vor allem Merkmale des aufrechten Gangs, des Gebisses und des Gehirns.

  • Menschenaffen:Orang-Utan, Gorilla, Schimpanse und Bonobo bilden mit dem Menschen die Familie der Menschenartigen (Hominidae); gemeinsam sind unter anderem das Fehlen eines Schwanzes, ein großes Gehirn und eine lange Jugendentwicklung.
  • Nächste Verwandte:Schimpanse und Bonobo; ihre DNA stimmt in vergleichbaren Abschnitten zu rund 99 % mit der des Menschen überein. Die Linien trennten sich vor etwa 6–7 Mio. Jahren.
  • Homininen:alle Arten der Menschenlinie seit dieser Trennung — die ausgestorbenen Vor- und Frühmenschen und der heutige Homo sapiens.
  • Aufrechter Gang:Das Hinterhauptsloch (Foramen magnum), durch das das Rückenmark austritt, liegt mittig unter dem Schädel; das Becken ist kurz und schüsselförmig, die Wirbelsäule doppelt-S-förmig, der Fuß hat ein Gewölbe und eine anliegende große Zehe.
  • Gebiss und Gehirn:Der Zahnbogen ist parabelförmig statt U-förmig, die Eckzähne sind klein und ohne Lücke davor. Das Gehirnvolumen wuchs von etwa 400 cm³ (Schimpanse) auf etwa 1350 cm³ (Homo sapiens).
  • Fossilgruppen:Sahelanthropus (etwa 7 Mio. Jahre, Tschad) · Australopithecus afarensis, „Lucy“ (etwa 3,2 Mio. Jahre, aufrecht, Gehirn etwa 450 cm³) · Homo habilis (etwa 2,4–1,4 Mio. Jahre, Gehirn etwa 600 cm³) · Homo erectus (ab etwa 1,9 Mio. Jahren, Gehirn etwa 900 cm³) · Neandertaler (etwa 400 000–40 000 Jahre, Europa und Westasien) · Homo sapiens (seit etwa 300 000 Jahren).
  • Aussagekraft von Fossilien:Fossilien entstehen nur bei rascher Einbettung und sind daher selten und oft bruchstückhaft; ihr Alter wird meist über die radiometrische Datierung der umgebenden Gesteinsschichten bestimmt. Nicht jede fossile Art ist ein direkter Vorfahr des Menschen.
Merke

Homininen: Menschenlinie seit der Trennung vom Schimpansen vor etwa 6–7 Mio. Jahren — zuerst entstand der aufrechte Gang, erst deutlich später das große Gehirn; der Stammbaum ist ein verzweigter Busch.

2

Wie sich der Mensch ausbreitete

Wo der moderne Mensch entstand, erklären zwei klassische Hypothesen. Beide gehen davon aus, dass Homo erectus Afrika vor etwa 1,9 Mio. Jahren verlassen hat (Out of Africa I).

  • Multiregionale Hypothese:Homo sapiens entstand parallel in Afrika, Europa und Asien aus den dort lebenden Nachfahren von Homo erectus; Genfluss zwischen den Regionen hielt sie als eine Art zusammen. Stütze: Merkmale, die sich in einer Region lange halten (regionale Kontinuität).
  • Out-of-Africa-Hypothese:Homo sapiens entstand vor etwa 300 000–200 000 Jahren nur in Afrika, verließ Afrika vor etwa 70 000–50 000 Jahren (Out of Africa II) und ersetzte die anderen Menschenformen weitgehend ohne Vermischung.
  • Molekulare Belege:Die mitochondriale DNA (mtDNA) wird nur über die Mutter vererbt. Alle heutigen mtDNA-Linien führen auf eine Frau zurück, die vor etwa 150 000–200 000 Jahren in Afrika lebte; die tiefsten Äste finden sich nur in Afrika.
  • Alte DNA:Seit den Arbeiten von PÄÄBO (Nobelpreis 2022) lassen sich Genome aus Knochen von Neandertalern und Denisova-Menschen lesen — einer mit dem Neandertaler verwandten Gruppe, bekannt aus Funden im Altai und in Tibet — und mit dem heutigen Menschen vergleichen.
  • Einkreuzung:Fortpflanzung zwischen zwei Menschenformen, deren Allele so in die andere Population gelangen: Menschen außerhalb Afrikas tragen etwa 2 % Neandertaler-DNA, Menschen in Neuguinea zusätzlich etwa 3–5 % Denisova-DNA.
  • Heutiger Stand:Out-of-Africa mit Einkreuzung. Einige übernommene Allele erwiesen sich als vorteilhaft, etwa eine Variante des Gens EPAS1 aus dem Denisova-Genom, die Tibetern das Leben im Hochland erleichtert.

Wähle einen Befund, lies ihn und tippe, welche Hypothese er stützt: Out-of-Africa, die multiregionale Hypothese — oder spricht er für Elemente beider? Mit ▶ löst du auf; die Karte zeigt dann die passende Deutung. Nach allen sieben Befunden öffnest du mit Σ das Gesamtbild.

Befunde auf der Weltkarte

Befund wählen

Dein Tipp: Der Befund stützt …

Halte fest: Fossilien und Gene zeigen übereinstimmend einen Ursprung des modernen Menschen in Afrika. Die Einkreuzung von Neandertalern und Denisova-Menschen widerlegt aber einen vollständigen Ersatz ohne Vermischung. Keine der beiden klassischen Hypothesen gilt deshalb in Reinform: Heute spricht man von Out-of-Africa mit Einkreuzung.

Merke

Herkunft des Menschen: Homo sapiens entstand in Afrika und breitete sich von dort über die Erde aus; dabei kreuzten sich Neandertaler und Denisova-Menschen in geringem Umfang ein (Out-of-Africa mit Einkreuzung).

3

Allgemeine Hinweise

Nicht vom Schimpansen abstammend

Mensch und Schimpanse haben gemeinsame Vorfahren, die weder Mensch noch Schimpanse waren. Beide Linien haben sich seit der Trennung eigenständig weiterentwickelt.

Busch statt Leiter

Oft lebten mehrere Homininenarten gleichzeitig — vor 50 000 Jahren etwa Homo sapiens, Neandertaler und Denisova-Menschen. Eine Reihe „vom Affen zum Menschen“ gibt den Stammbaum deshalb falsch wieder.

Altersangaben sind Spannen

Datierungen von Fossilien haben einen Fehlerbereich und werden bei neuen Funden oder Methoden oft korrigiert. Angaben wie „etwa 300 000 Jahre“ sind Größenordnungen, keine exakten Werte.

Videos