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Vom Wolf zum Hund

Ein uralter Schädel und ein Wolf in der Heide — was verrät die Wissenschaft, und was wird aus einem gezähmten Welpen?

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Zwei Schädel aus der Höhle

AFB I–III

In einer Höhle, in der vor etwa 15 000 Jahren Menschen lagerten, finden Forscherinnen zwei Schädel. Neben den Schädeln liegen Feuerstellen und Steinwerkzeuge. Zum Vergleich messen sie auch den Schädel eines heutigen Wolfs und eines heutigen Hundes, der etwa so groß ist wie ein Wolf.

SchädelSchädellängeSchnauzenlängeLänge der oberen Zahnreihe
heutiger Wolf24 cm11 cm10,5 cm
heutiger Hund22 cm9 cm8,5 cm
Fund 124 cm11 cm10,5 cm
Fund 222 cm9,5 cm9 cm

Messwerte vereinfacht.

  1. Lies aus der Tabelle ab, wie lang die Schnauze beim heutigen Wolf und beim heutigen Hund ist.
  2. Vergleiche Fund 1 und Fund 2 nach den drei Kriterien der Tabelle.
  3. Ordne jeden Fund begründet einem Wolf oder einem frühen Hund zu.
  4. Beurteile Lenas Aussage: „Fund 2 zeigt, dass die Menschen in dieser Höhle schon mit Hunden zusammengelebt haben.“

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Such die Spalte „Schnauzenlänge“ und die beiden oberen Zeilen.
Hinweis zu Aufgabe b)
Geh die Spalten nacheinander durch: Welcher Fund hat jeweils den größeren Wert?
Hinweis zu Aufgabe c)
Welcher Fund passt zu den Werten des Wolfs, welcher liegt näher beim Hund?
Hinweis zu Aufgabe d)
Überlege, was für Lena spricht — und ob ein einziger Schädel schon reicht.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Die Schnauze des heutigen Wolfs ist 11 cm lang, die des heutigen Hundes 9 cm.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Schädellänge: Fund 1 ist mit 24 cm länger als Fund 2 mit 22 cm. Schnauzenlänge: Fund 1 hat mit 11 cm die längere Schnauze, Fund 2 nur 9,5 cm. Zahnreihe: Bei Fund 1 ist sie 10,5 cm lang, bei Fund 2 nur 9 cm. In allen drei Kriterien sind die Werte von Fund 2 kleiner.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Fund 1 stimmt in allen drei Werten mit dem Wolf überein — er stammt von einem Wolf. Fund 2 hat eine kürzere Schnauze und kleinere Zähne. Seine Werte liegen nahe beim Hund, aber noch etwas über ihm. Er stammt wahrscheinlich von einem frühen Hund.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Für Lena spricht: Fund 2 zeigt die typischen Veränderungen durch das Zusammenleben mit Menschen (kürzere Schnauze, kleinere Zähne). Er lag an einem Lagerplatz der Menschen. Aber: Ein einzelner Schädel ist ein Hinweis, noch kein sicherer Beweis. Vielleicht war es nur ein kleiner Wolf. Sicherer wäre die Aussage, wenn man mehrere solche Schädel findet. Lenas Aussage ist also gut begründet, aber noch nicht bewiesen.

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Ein Wolf in der Heide

AFB I–III

Paul macht mit seiner Familie eine Radtour in der Lüneburger Heide. Am Waldrand steht ein grauer Hund ohne Halsband. Als Paul anhält, schaut das Tier kurz her und verschwindet sofort zwischen den Bäumen. „Das war ein Wolf!“, sagt seine Mutter. Paul ist begeistert: „Wenn ich einen Wolfswelpen finde und ihn zähme, habe ich meinen eigenen Hund.“

vor mehr als 15 000 Jahren erste Hunde bei den Menschen 1872 letzter wilder Wolf in Niedersachsen erlegt 2012 wieder eine Wolfsfamilie heute wilde Wölfe und Haushunde Zeitstrahl nicht maßstäblich
  1. Gib mithilfe des Zeitstrahls an, wie viele Jahre es in Niedersachsen keine wilden Wölfe gab.
  2. Beschreibe das Verhalten des Tiers am Waldrand. Woran erkennst du, dass es ein Wildtier ist?
  3. Erkläre, wie vor mehr als 15 000 Jahren aus Wölfen Hunde wurden.
  4. Nimm Stellung zu Pauls Plan, sich einen Hund aus einem Wolfswelpen zu machen.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Rechne von 1872 bis 2012.
Hinweis zu Aufgabe b)
Was macht das Tier, als Paul anhält? Wie verhält sich dagegen ein Haushund?
Hinweis zu Aufgabe c)
Denk an die Lagerplätze, an zahme und bissige Tiere und an viele Generationen.
Hinweis zu Aufgabe d)
Ist ein zahmes Tier schon ein Haustier? Und ist es eine gute Idee, einen Welpen aus der Natur zu holen?

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Von 1872 bis 2012 gab es in Niedersachsen keine wilden Wölfe: 2012 − 1872 = 140 Jahre.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Das Tier schaut nur kurz zu den Menschen und flieht sofort in den Wald. Es trägt kein Halsband. Es ist scheu und meidet den Menschen — typisch für ein Wildtier. Ein Haushund würde eher neugierig herkommen oder seinen Menschen suchen.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Wölfe kamen an die Lagerplätze der Steinzeitmenschen, weil sie dort Fleischreste fanden. Wenig scheue Tiere blieben in der Nähe. Die Menschen zogen Welpen auf, behielten die zahmen Tiere und vertrieben die bissigen. Die zahmen Tiere bekamen wieder zahme Junge. Über viele Generationen wurde so aus dem Wildtier Wolf das Haustier Hund. Diesen Vorgang nennt man Domestikation.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Der Plan funktioniert nicht. Ein gezähmter Welpe wird zahm, bleibt aber ein Wolf — domestiziert wird eine Tierart nur über viele Generationen. Als erwachsenes Tier kann er sich wieder wie ein Wildtier verhalten und gefährlich werden. Außerdem gehört der Welpe zu seiner Wolfsfamilie in die Natur; Wölfe sind geschützt und dürfen nicht mitgenommen werden. Wer einen Hund möchte, sollte ein Haustier nehmen, das schon an Menschen gewöhnt ist.