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Verständigung im Rudel

Eine Wildtierkamera im Wolfsrevier und ein ganz normaler Tag mit Hündin Frieda — beide erzählen dir viel über die Sprache der Tiere.

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Die Wildtierkamera im Wolfsrevier

AFB I–III

In einem Wald in Niedersachsen lebt ein Wolfsrudel. Försterin Frau Lange hat an einem Wildwechsel eine Wildtierkamera aufgehängt. Im Oktober sieht sie auf den Aufnahmen immer dieselben acht Wölfe: einen erwachsenen Rüden (männlicher Wolf), eine erwachsene Fähe (weiblicher Wolf), zwei Jungwölfe vom letzten Jahr und vier Welpen aus diesem Frühjahr. Die Fähe ist die Mutter aller Jungtiere. Einige Aufnahmen hat sie notiert:

Nr.Beobachtung auf der Kamera
1Die Welpen rennen der Fähe entgegen und lecken ihr die Mundwinkel. Die Fähe würgt Fleischstücke hervor.
2Am Rest eines Rehs frisst zuerst der Rüde. Ein Jungwolf nähert sich geduckt, mit tief gehaltenem Kopf, bleibt stehen und wartet.
3Zwei Welpen raufen miteinander. Keiner der beiden ist danach verletzt.
4Der Rüde hebt an einem Stein an der Wegkreuzung das Bein und setzt Urin ab.
  1. Nenne die Mitglieder des Rudels und wie sie miteinander verwandt sind.
  2. Beschreibe mit Fachbegriffen, was der Jungwolf in Beobachtung 2 mit seiner Körpersprache ausdrückt.
  3. Erkläre, welchen Vorteil die Rangordnung beim Fressen am Reh für das ganze Rudel hat.
  4. Beurteile die Aussage eines Wanderers, der die Aufnahmen sieht: „Der Rüde ist ein brutaler Anführer, der die anderen mit Gewalt unterdrückt.“

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Ein Wolfsrudel ist meistens eine Familie. Wer sind die Eltern, wer die Kinder?
Hinweis zu Aufgabe b)
Macht sich der Jungwolf groß oder klein? Wie heißt dieses Verhalten?
Hinweis zu Aufgabe c)
Stell dir vor, alle acht Wölfe würden gleichzeitig um das Fleisch kämpfen. Was könnte passieren?
Hinweis zu Aufgabe d)
Suche in der Tabelle nach Hinweisen auf Gewalt oder auf Fürsorge. Wie wird Streit im Rudel meistens geklärt?

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Das Rudel besteht aus dem Rüden und der Fähe als Elternpaar, zwei Jungwölfen aus dem letzten Jahr und vier Welpen aus diesem Frühjahr. Die Jungwölfe und Welpen sind die Kinder der beiden Elterntiere und untereinander Geschwister. Das Rudel ist also eine Familie.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Der Jungwolf macht sich klein: Er duckt sich und hält den Kopf tief. Das ist ein Unterwerfungs- oder Beschwichtigungsverhalten (Ausdrucksverhalten). Er zeigt dem ranghöheren Rüden: „Ich erkenne an, dass du zuerst fressen darfst — ich will keinen Streit.“ Er wartet, bis er an die Reihe kommt.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Weil jeder Wolf seinen Platz in der Rangordnung kennt, muss nicht jedes Mal um das Futter gekämpft werden. Ein kurzes Signal genügt, und die Reihenfolge ist klar. So verletzt sich kein Tier. Das ist wichtig, denn ein verletzter Wolf kann nicht mehr gut mitjagen, und das Rudel braucht jedes Mitglied für die gemeinsame Jagd und die Versorgung der Welpen.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Die Aussage trifft nicht zu. Der Rüde ist der Vater der anderen Wölfe und führt die Familie zusammen mit der Fähe. In den Beobachtungen gibt es keine Gewalt: Der Jungwolf ordnet sich freiwillig mit Körpersprache unter, und die Welpen raufen nur spielerisch, ohne sich zu verletzen. Die Mutter versorgt sogar die Welpen mit Futter. Streit wird im Rudel meist durch Drohen und Unterwerfen geklärt, nicht durch Kämpfe. Richtig ist nur, dass der Rüde einen hohen Rang hat und zuerst frisst.

2

Ein Tag mit Hündin Frieda

AFB I–III

Ella wohnt mit ihren Eltern, ihrem kleinen Bruder Ben und der Mischlingshündin Frieda zusammen. Für ein Schulprojekt schreibt sie einen Tag lang auf, wie Frieda sich verständigt:

UhrzeitWas passiert?Was macht Frieda?
7:30Der Postbote steht am Gartentor.bellt laut und läuft am Zaun hin und her
10:00Alle haben das Haus verlassen.winselt an der Haustür
15:00Spaziergang an der Straßeschnüffelt lange an einem Laternenpfahl, hockt sich dann genau dort hin und setzt Urin ab
16:00Ein großer, fremder Rüde kommt entgegen.geht mit gesenktem Kopf langsam auf ihn zu und hebt eine Vorderpfote
19:00In der Ferne heult die Sirene der Feuerwehr.hebt den Kopf und heult laut mit
20:00Ben greift nach Friedas Kauknochen.erstarrt über dem Knochen und knurrt leise
  1. Gib für jede Uhrzeit an, ob Frieda sich mit Lauten, mit Körpersprache oder mit Duft verständigt.
  2. Deute Friedas Verhalten um 16:00 Uhr und um 20:00 Uhr.
  3. Vergleiche Friedas Heulen um 19:00 Uhr mit dem Heulen von Wölfen im Rudel.
  4. Entwickle drei Regeln für Ben, damit er und Frieda gut miteinander auskommen. Begründe jede Regel mit Friedas Verhalten.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Die drei „Sprachen“ sind: Laute (hören), Körpersprache (sehen), Duftmarken (riechen). Eine Zeile kann auch zwei davon enthalten.
Hinweis zu Aufgabe b)
Macht Frieda sich um 16 Uhr groß oder klein? Und was bedeutet Knurren?
Hinweis zu Aufgabe c)
Wozu heulen Wölfe? Wie klingt eine Sirene aus der Ferne?
Hinweis zu Aufgabe d)
Denk an die Zeilen 10:00 und 20:00 und an alles, was du über Warnsignale weißt.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

7:30 Laut (Bellen), dazu Körpersprache (am Zaun hin und her laufen). 10:00 Laut (Winseln). 15:00 Duft (Duftmarke mit Urin; vorher liest sie die Duftmarken anderer Hunde). 16:00 Körpersprache. 19:00 Laut (Heulen). 20:00 Körpersprache (Erstarren) und Laut (Knurren).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

16:00 Uhr: Frieda macht sich klein — gesenkter Kopf, langsames Annähern, erhobene Pfote. Das ist Beschwichtigung bzw. Unterwerfung: Sie zeigt dem großen Rüden „Ich will keinen Streit.“ 20:00 Uhr: Erstarren und Knurren sind Warnsignale. Frieda will ihren Knochen behalten und warnt Ben: „Nimm ihn mir nicht weg — sonst …“. Beißen will sie (noch) nicht, sie gibt eine deutliche Warnung.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Gemeinsamkeit: Beides ist lautes Heulen mit erhobenem Kopf, das weit zu hören ist. Frieda hat dieses Verhalten von ihren Vorfahren, den Wölfen, geerbt. Unterschied: Wölfe heulen, um ihr Rudel zusammenzurufen und anderen Wölfen ihr Revier anzuzeigen; sie antworten dabei auf das Heulen anderer Wölfe. Frieda antwortet dagegen auf eine Sirene, die ähnlich klingt wie Heulen — sie „verwechselt“ das Geräusch mit einem Ruf.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Mögliche Regeln (drei sinnvolle mit Begründung genügen): (1) Ben nimmt Frieda nie Futter oder Kauknochen weg — um 20:00 Uhr hat sie gezeigt, dass sie ihren Knochen verteidigt. (2) Wenn Frieda knurrt oder erstarrt, geht Ben sofort weg und holt einen Erwachsenen — Knurren ist eine Warnung, danach könnte sie schnappen. (3) Ben lässt Frieda in Ruhe, wenn sie frisst oder schläft. (4) Ben spielt mit Frieda, wenn sie lange allein war — um 10:00 Uhr winselt sie, weil sie Gesellschaft braucht. (5) Alle in der Familie halten sich an dieselben Regeln, damit Frieda weiß, woran sie ist.