Impfen gegen Tetanus
AFB I–IITetanus-Bakterien leben im Boden und gelangen durch Wunden in den Körper. Ihr Gift führt zu Muskelkrämpfen. Die Grundimmunisierung besteht aus mehreren Impfungen mit Toxoid im Säuglingsalter; danach wird etwa alle 10 Jahre aufgefrischt. Ungeimpfte erhalten nach einer Verletzung zusätzlich Tetanus-Immunglobulin.
- Nenne die Art der Immunisierung bei Toxoid und bei Immunglobulin.
- Beschreibe die Vorgänge im Körper nach der ersten Toxoid-Impfung.
- Begründe, warum Auffrischungen den Schutz verlängern.
- Erläutere, warum Ungeimpfte nach einer Verletzung beide Präparate gleichzeitig erhalten.
Hinweise
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Toxoid: aktive Immunisierung (Antigen). Immunglobulin: passive Immunisierung (fertige Antikörper).
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Antigenpräsentierende Zellen nehmen das Toxoid auf und präsentieren Peptide auf MHC-II; T-Helferzellen werden aktiviert; passende B-Zellen binden das Toxoid und werden mit Interleukinen zu Plasmazellen und Gedächtniszellen; Antikörper gegen das Gift entstehen (primäre Antwort).
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Jede Auffrischung löst über die Gedächtniszellen eine sekundäre Antwort aus: schnell viele Antikörper und neue Gedächtniszellen, sodass der Schutz erneut für Jahre hält.
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Das Immunglobulin neutralisiert das Gift sofort, weil eine aktive Impfung erst nach Wochen wirkt. Die gleichzeitige aktive Impfung baut den dauerhaften Schutz mit Gedächtniszellen auf (Simultanimpfung).
Soll es eine Masern-Impfpflicht geben?
AFB II–IIIIn Deutschland gilt seit 2020 für Kinder in Schulen und Kitas eine Nachweispflicht für die Masernimpfung. Masern haben ein R₀ von 12–18. Etwa 1 von 1 000 Erkrankten entwickelt eine Gehirnentzündung. Säuglinge unter 9 Monaten und manche Menschen mit geschwächtem Immunsystem können nicht geimpft werden. Die Impfquote bei Schulanfängern liegt für die zweite Dosis bei etwa 93 %.
- Berechne die nötige Impfquote für R₀ = 12 und R₀ = 18.
- Interpretiere die Impfquote von 93 % im Hinblick auf den Herdenschutz.
- Analysiere die Argumente für und gegen eine Impfpflicht, indem du deskriptive und normative Aussagen trennst.
- Bewerte die Nachweispflicht und begründe dein Urteil.
Hinweise
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
R₀ = 12: q = 1 − 1/12 ≈ 91,7 %; R₀ = 18: q = 1 − 1/18 ≈ 94,4 %.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Bei R₀ = 12 läge 93 % knapp über der Schwelle, bei R₀ = 18 darunter; zudem schützt die Impfung nicht jeden Geimpften. Der Herdenschutz ist daher unsicher; lokale Lücken ermöglichen Ausbrüche.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Deskriptiv: R₀, nötige Quote, Komplikationsrate, Nicht-Impfbare, aktuelle Quote. Normativ: Schutz der Schwachen als Pflicht der Gemeinschaft; Recht auf körperliche Selbstbestimmung; Verhältnismäßigkeit staatlicher Eingriffe.
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Individuelles, kriteriengeleitetes Urteil, z. B.: Die Nachweispflicht ist gerechtfertigt, weil die Quote nahe an der Schwelle liegt, die Krankheit schwere Folgen haben kann und Nicht-Impfbare nur durch Herdenschutz geschützt werden; der Eingriff ist begrenzt (Kita/Schule). Gegenposition mit Selbstbestimmung möglich, muss aber Schutz Dritter abwägen; Reflexion der eigenen Gewichtung.
