Hier sind die 12 häufigsten Fehler zum Kapitel „Variabilität und Evolution“ — von der Mutation bis zur Angepasstheit. Lies sie durch: Wer einen Fehler kennt, macht ihn seltener.
Die 12 häufigsten Fehler
1Mutationen gezielt entstehen lassen
So wird es oft gemacht: „Die Bakterien mutierten, um gegen das Antibiotikum resistent zu werden.“
Richtig ist: Mutationen sind zufällig und ungerichtet. Die resistenten Bakterien gab es schon vorher; das Antibiotikum hat sie nur ausgewählt.
Mutation zuerst, Selektion danach.
2Körperzellmutationen für erblich halten
So wird es oft gemacht: „Durch den Sonnenbrand bekommen meine Kinder später Hautkrebs.“
Richtig ist: Mutationen in Körperzellen betreffen nur den eigenen Körper. Vererbt werden nur Mutationen in Keimzellen.
Vererbt wird nur, was in Ei- oder Spermienzelle steckt.
3Mutationen immer als Krankheit sehen
So wird es oft gemacht: „Mutationen sind immer schlecht.“
Richtig ist: Die meisten Mutationen sind neutral oder nachteilig, einige vorteilhaft — z. B. die Laktosetoleranz. Ob eine Mutation nützt, hängt von der Umwelt ab.
Der Wert einer Mutation hängt von der Umwelt ab.
4Genmutation und Genommutation verwechseln
So wird es oft gemacht: „Trisomie 21 ist eine Genmutation.“
Richtig ist: Bei Trisomie 21 ist die Anzahl der Chromosomen verändert — eine Genommutation. Eine Genmutation betrifft Bausteine innerhalb eines Gens.
Gen = Baustein, Chromosom = Stück, Genom = Anzahl.
5Verlust eines Bausteins unterschätzen
So wird es oft gemacht: „Fehlt ein Baustein, ist nur eine Dreiergruppe betroffen.“
Richtig ist: Beim Verlust oder bei der Einfügung einzelner Bausteine verschiebt sich das Leseraster: Alle folgenden Dreiergruppen werden falsch gelesen.
Verlust/Einfügung: Raster verschoben.
6Rekombination und Mutation gleichsetzen
So wird es oft gemacht: „Durch Crossing-over entstehen neue Gene.“
Richtig ist: Rekombination mischt vorhandene Allele neu. Neue Allele entstehen nur durch Mutation.
Mutation: neu. Rekombination: neu gemischt.
7Kombinationen falsch berechnen
So wird es oft gemacht: „Bei 23 Chromosomenpaaren gibt es 46 verschiedene Keimzellen.“
Richtig ist: Jedes Paar liefert unabhängig 2 Möglichkeiten: \(2^{23} = 8\,388\,608\) Keimzelltypen.
Keimzellen: \(2^{n}\).
8Ungeschlechtliche Vermehrung abwerten
So wird es oft gemacht: „Ungeschlechtliche Vermehrung ist ein Nachteil.“
Richtig ist: In gleichbleibender Umwelt ist sie schneller und oft erfolgreicher. Ihr Nachteil zeigt sich erst bei Umweltänderungen wie neuen Erregern.
Klone: schnell. Vielfalt: sicher.
9Selektion nur als Überleben des Stärksten sehen
So wird es oft gemacht: „Der stärkste Hirsch ist am besten angepasst, weil er am längsten lebt.“
Richtig ist: Entscheidend ist der Fortpflanzungserfolg: Wer mehr fruchtbare Nachkommen hat, gibt mehr Erbanlagen weiter — auch Partnerwahl ist ein Selektionsfaktor.
Fitness = Zahl der Nachkommen.
10Einzelne Tiere evolvieren lassen
So wird es oft gemacht: „Der Eisbär hat sich im Laufe der Zeit immer besser angepasst.“
Richtig ist: Einzelne Tiere verändern ihre Erbanlagen nicht. Es ändert sich die Häufigkeit der Merkmale in der Population über viele Generationen.
Evolution betrifft Populationen.
11Erworbene Eigenschaften vererben
So wird es oft gemacht: „Die Giraffen streckten ihre Hälse, und die Jungen erbten die längeren Hälse.“
Richtig ist: Im Leben erworbene Veränderungen (Training, Strecken, Nichtgebrauch) verändern die Erbanlagen nicht und werden nicht vererbt.
Gebrauch ist nicht erblich.
12Die beiden Begriffe verwechseln
So wird es oft gemacht: „Die Bräune im Sommer ist eine Angepasstheit an die Sonne.“
Richtig ist: Bräune entsteht im Leben eines Individuums und ist nicht erblich: eine Anpassung (Modifikation). Eine Angepasstheit ist erblich und entsteht über Generationen.
Anpassung: Individuum. Angepasstheit: Population.
